NP 'Il Trovatore', hier Vorstellung v. 17.09.2017

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    • NP 'Il Trovatore', hier Vorstellung v. 17.09.2017

      Das ist aber auch eine komplizierte Oper! Kein Wunder, dass die Zuschauer mit den ganzen Umbesetzungen ins Schleudern kommen… Auszug aus einem Pausengespräch:

      „Der Ersatz für die Frau Baumgartner gefällt mir richtig gut.“

      „Ja, aber die Frisur passt überhaupt nicht zu ihr. Die Frau ist doch sonst immer ganz hübsch.“

      „Aber ich meine ja die Zigeunerin – für die war heute der Ersatz da.“

      „Ach so… Ich dachte, das wäre die in dem rosa Rock.“ (Das war Leonora…)

      Und zwei Tische weiter:

      „Also, mir tut Brian Mulligan total leid.“

      „Wieso? Der singt doch toll.“

      „Der singt fast gar nicht, weil er heute keine Stimme hat. Das hat der Mann vor dem Vorhang doch erklärt.“

      „Ach… stimmt ja. Ich dachte trotzdem irgendwie, der Herr Mulligan wäre der Kleine mit der kräftigen Stimme.“

      „Nein, das ist der Tenor. Brian Mulligan ist der Bariton – der, der den bösen Grafen spielt und dessen Arie von diesem dünnen Asiaten auf der Bühnenseite gesungen wurde. Das war ja wohl eine großartige Leistung für jemanden, der sonst im Chor singt und das ganz kurzfristig übernommen hat.“

      „Echt? Der ist im Chor? Dürfen die denn einfach so eine Hauptrolle singen?“

      Damit sind die wesentlichen Erkenntnisse des gestrigen Abends eigentlich schon auf den Punkt gebracht:

      : die Frisur, die man Elza van den Heever verpasst hatte, war noch hässlicher als der Rest der Ausstattung

      : Enkelejda Shkoza, die für Tanja Ariane Baumgartner als Azucena einsprang, war in der Tat grandios – den Namen wollen wir uns gut merken

      : Und, ja – der Herr Mulligan war echt übel dran

      Aber der Reihe nach… Die Vorstellung begann erst mal gar nicht, weil Punkt 19:30h ein freundlicher, schwarzgekleideter Herr vor den Vorhang trat und dem heftig raunenden Publikum erklärte, dass man im Augenblick nach einer Lösung fahnde, damit man den Abend trotz plötzlicher Stimmlosigkeit des Grafen Luna nicht ausfallen lassen müsse. Das verehrte Publikum möge noch ein wenig frische Luft schöpfen; man würde in 20 Minuten mehr wissen. Die Lösung des Dilemmas bestand dann darin, dass Brian Mulligan sich mühsamst und in weiten Teilen fast unhörbar durch den Abend markierte; seine Arie „Il balen del suo sorriso“ wurde tatsächlich von einem spontan eingesprungenen Chor-Bariton, dessen Namen ich schändlicherweise vergessen habe, sehr schön dargebracht. Insofern kann ich zu Brian Mulligan als Graf von Luna nichts weiter sagen.

      Die weitaus angenehmere Überraschung des Abends war, wie schon erwähnt, Enkelejda Shkoza in der Rolle der Azucena: sie sang mit einer wunderschönen, runden und sehr sicheren Stimme und spielte die zwischen Wahnsinn, Rachebedürfnis und Mutterliebe schwankende Zigeunerin höchst anrührend.

      Piero Pretti war der titelgebende Troubadour, aka Manrico. Da sang in Frankfurt endlich mal wieder ein Tenor, bei dem nicht bei jedem exponierten Ton Mitzittern angesagt war. Er gestaltete die wahrlich nicht anspruchslose Partie (nicht nur, aber auch in der Stretta) zum „anstrengungslos tenorflammenwerferischen Phänomen“. (Diese schöne Formulierung habe ich aus der FR geklaut – sie passt perfekt.) Dass er – wie die anderen Sänger auch – von der Regie zuweilen ein wenig im Stich gelassen wurde, kann man ihm nicht unbedingt ankreiden.

      Elza van den Heever indessen ließ sich von diesem Mangel wenig beeindrucken. Zwar wirkte Leonoras mädchenhaftes Herumgehopse im ersten Akt ein bisschen sonderbar, aber je weiter sie sich in die Rolle hineinsteigerte, desto weniger fiel das szenische Missmanagement ins Gewicht: sie liebte und litt, und das Publikum liebte und litt mit. Dass sie das mit strahlender, zuweilen engelsgleicher Stimme tat, versteht sich bei dieser Sängerin von selber.

      Die kleinen Rollen wurden gut ausgefüllt von Kihwan Sim (als Ferrando mit knorrigem Bass), Alison King (Leonoras Freundin Ines, deren schöne Stimme sich bei den wenigen Tönen nicht so recht entfalten konnte) sowie Theo Lebow (Ruiz) und Yongchul Lim (Zigeuner).

      Ein musikalisches Highlight waren die Chöre – die Damen (in der Klosterszene) fast noch besser als die Herren.

      Das Orchester wurde in ziemlich flottem Tempo, aber dennoch sängerfreundlich von Jader Bignamini geleitet.

      Musikalisch gesehen war also alles gut; die Inszenierung hingegen… Das Beste, was man darüber sagen kann, ist vermutlich, dass sie zumeist nicht weiter störte (außer, wenn gerade mal wieder gezeigt werden sollte, wie grausam so ein Krieg doch ist) und ansonsten dem derzeitigen Trend zum schwarzen Hintergrund mit seltsamen Projektionen folgt.

      Weil die Handlung in einer nicht ganz eindeutig definierten Gegenwart spielt, waren die Zigeuner natürlich keine; stattdessen gab es ein ziemlich heruntergekommene Schausteller-/Freaktruppe, die den einzigen optischen Farbklecks in der düsteren Ausstattung bot.

      Ansonsten wurde viel und gerne an der Rampe gesungen, was angesichts der schweren Partien zwar verständlich ist, aber trotzdem ein bisschen uninspiriert wirkte und auch nicht dazu beitrug, die Handlung, von der Teile ja nur rückblickend und als relativ kurze Erwähnung vermittelt werden, klarer werden zu lassen. Meines Erachtens ist diese Inszenierung kein großer Wurf, aber vielen Zuschauern scheint sie gefallen zu haben. – War jemand in der Premiere und kann von den dortigen Reaktionen berichten?
    • Danke für die Schilderungen, vor allem die aufgeschnappten Pausengespräche schmerzen fast mehr als die Regie oder der Gedanke an einen indisponierten Herrn Mulligan. (Der hat mir nach van den Heever am besten gefallen.) Eine Bekannte war in der Aufführung und hat sich ebenfalls sehr lobend über den Luna-Einspringer geäußert...
      Ich war in der Premiere, da sprang Marianne Cornetti als Azucena ein. War ebenfalls eine gute Leistung.
      Ansonsten ist es eben der typische Bösch: kennste einen, kennste alle. Ein paar Bravi und ein paar Buhs für das Regieteam. Im Westen nichts Neues.
    • Asteria schrieb:

      Ihr Lieben, das ist eine klare Empfehlung für alle, die noch nicht da waren!
      Naja, vielleicht eher doch nicht - dies habe ich gerade von der Homepage der Oper gepflückt: "In der Vorstellung von Il trovatore am 23. September 2017 wird Enkelejda Shkoza erneut die Partie der Azucena für Tanja Ariane Baumgartner, Murat Karahan die Partie des Manrico für Piero Pretti und Dalibor Jenis die Partie des Conte di Luna für den ebenbfalls erkrankten Brian Mulligan singen."
      Das ist mindestens ein Ersatz zuviel...
    • Wahrlich, ich sage euch: über dieser Produktion liegt ein Fluch... Auch gestern gab es wieder zwei Umbesetzungen: als Leonora war Cellia Costea zu hören, und der noch immer (oder schon wieder?) erkrankte Brian Mulligan wurde durch Tito You vertreten.
      Cellia Costeas Sopran ist deutlich dunkler gefärbt als der von Elza van den Heever, was jedoch dem Vergnügen an dieser schönen, runden Stimme keinen Abbruch tat. Sie spielte etwas verhaltener, aber nicht weniger anrührend. - Schade, dass ich sie als 'Tosca'-Einspringerin verpasst habe.
      Tito You, der bereits am 3. Oktober eingesprungen war und die Inszenierung folglich schon ein wenig kannte, überzeugte mit einer schlanken, eleganten Stimme, die aber leider zuweilen ein wenig waberte. Den glücklosen und darob zürnenden Liebhaber nahm man ihm umstandslos ab.

      Ebenfalls (aber planmäßig) neu in der Produktion war Ewa Płonka als Azucena - ein fulminanter Auftritt! Und im letzten Akt das zarteste, anrührendeste Mutter/Sohn-Duett aller Zeiten.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Asteria () aus folgendem Grund: Was vergessen.

    • Asteria schrieb:

      über dieser Produktion liegt ein Fluch... Auch gestern gab es wieder zwei Umbesetzungen: (...)
      Cellia Costeas Sopran (...) dem Vergnügen an dieser schönen, runden Stimme keinen Abbruch tat. (...)
      Tito You, (...) überzeugte mit einer schlanken, eleganten Stimme
      Wenn das für Dich ein Fluch ist, hätte ich gerne, dass dieser auch die aktuelle HHer Traviata-Besetzung trifft. :rolleyes:
    • Asteria schrieb:

      Ebenfalls (aber planmäßig) neu in der Produktion war Ewa Płonka als Azucena - ein fulminanter Auftritt! Und im letzten Akt das zarteste, anrührendeste Mutter/Sohn-Duett aller Zeiten.
      Stimmt, sie und Elza van den Heever waren eine Wucht,toll.

      Schlage einen neuen Thread vor mit dem Titel: Neue Grammatik und Rechtschreibung im Lichte der Groß-und Kleinschreibung von "sie" und "Sie". Asteria: Sie waren mit Sie nicht gemeint, sondern sie.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Schambes ()