Aus Leipzig in die Welt- Mit Herbert Blomstedt

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    • Aus Leipzig in die Welt- Mit Herbert Blomstedt

      Der „amtierende Gewandhauskapellmeister“ Herbert Blomstedt hatte sich für die Interpretation des Violinkonzertes von Felix Mendelssohn-Bartholdy im „Großen Konzert“ am 28. September den griechischen Geiger Leonidas Kavakos eingeladen.Das 1844 komponierte Werk, am 13. März 1845 im Leipziger Gewandhaus unter Niels Wilhelm Gade zum ersten Mal aufgeführt,ist inzwischen von einer Vielzahl hervorragender Geiger mit dem Gewandhausorchester gespielt worden.
      David und Igor Oistrach, Yehudi Menuhin und Nathan Milstein sind uns besonders in Erinnerung geblieben.
      Der Beginn der Darbietung des Violinkonzertes erschien etwas holperig, bis dann der Solist den Verlauf zu bestimmen versuchte und Herbert Blomstedt mit dem Orchester vor sich herzutreiben versuchte. Der erfahrene Maestro konterte aber umgehend, und so entwickelte sich ein beeindruckendes Wechselspiel zwischen den Beteiligten.
      Letztlich war damit eine außergewöhnliche, etwas vom Üblichen abweichende Interpretation geboten worden.
      Für den herzlichen Beifall bedankte sich Leonidas Kavakos mit der Gavotte in D-Dur von Johann Sebastian Bach als Beweis seines virtuosen Könnens.
      Ebenfalls vom Gewandhausorchester unter Arthur Nikisch war am 30.Dember 1884 die 7.SinfonieE-Dur von Anton Bruckner uraufgeführt worden. Diese Uraufführungwar damals als ein gewaltiges Risikofür den 29-jährigen Dirigenten gesehen worden,gilt aber inzwischen als der künstlerische Durchbruch des Sinfonikers Anton Bruckner im Konzertgeschehen.
      Herbert Blomstedt dirigierte in seiner aufrechten Haltung ohne Stab und ohne die Partitur auch nur aufzuschlagen mit zunächst sparsamen Bewegungen.
      In epischer Breite wurden die Kopfsätze Allegro moderato und Adagio genussvoll regelrecht ausgebreitet.
      Im Scherzo hatten beim Orchesterchef dann doch die Endorphine die Herrschaft übernommen und er ließ das Orchester fast ungebremst losstürmen.
      Auch im doch recht kurzen Finalsatz, den Bruckner bewegt, aber doch nicht schnell gespielt haben wollte, gelang es Blomstedt nicht so recht,sich einzubremsen und er dirigierte mit dem Feuer eines auf der Höhe seiner Schaffenskraft befindlichen Musikers.
      Betrachtet man sein derzeitiges Leipziger Arbeitsprogramm,so ist auch ein leistungsfähiger Musiker unabdingbar, selbst wenn er mit demOrchester verwoben ist und sein Repertoire beherrscht:
      Am 28. 9. dirigierte er die öffentliche Generalprobe und das Abendkonzert sowie am Folgetag. eine Wiederholung des beschriebenen Konzerts.
      Bereits am 30 September folgt ein „Großes Konzert“ mit Beethovens Tripelkonzert und nochmals Bruckners Siebter. An den Tagen 5., 6. Und 8. Oktober wird Herbert Blomstedt wieder mit Leonidas Kavakos das Brahms –Violinkonzert und Schuberts Große C-Dur-Sinfonie leiten.
      Am 12. Und am 13. Oktober folgen dann noch zwei Aufführungendes „Ein deutsches Requiem“ von Brahms.
      Zunächst wurde aber Herbert Blomstedt am Donnerstag mit stehenden Ovationen und lauten Beifallsbekundungen gefeiert.

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    • Blomstedt 30.09.2017

      Trotz der parallel stattgefundenen Premiere von Don Carlos habe ich mich nach der grandiosen 5. von Bruckner in Bamberg für das Konzert des Gewandhausorchesters entschieden. Während Herbert Blomstedt im Juli im Sitzen dirigiert hat und er körperlich nicht mehr ganz so fit gewirkt hatte, war er am Samstag wieder ganz der Alte. Er dirigierte wieder im Stehen, kam aufs Podium gestürmt und gab nach Konzertende um 22.30 Uhr noch eine Signierstunde. Da musste ich allerdings die Segel streichen, da ich am Morgen sehr früh für den Staatsopern-Vorverkauf aufgestanden war und heil zu Hause ankommen wollte.

      Ich hatte mich bewusst für das Konzert mit dem Tripelkonzert von Beethoven entschieden, da ich dieses Werk schon lange nicht mehr im Konzert gehört hatte. Ohne auf Details eingehen zu können, hatte ich den Eindruck, dass es ein glückliches Musizieren der Herren Leonidas Kavakos, Gautier Capucon und Kirill Gerstein im Zusammenspiel mit Herbert Blomstedt war. Die Begeisterung des Publikums wurde mit dem 2. Satz aus dem Trio op. 10 erwidert.

      Die 7. Symphonie von Anton Bruckner gehört zu meinen absoluten Lieblingswerken. Obwohl Blomstedt mehr als die angegebenen 65 min. gebraucht hat, hatte ich nicht das Gefühl, dass die Tempi in den ersten beiden Sätzen breit gewesen wären. Im Gegensatz zu Celibidache kommt die Musik nicht aus dem Nichts. Sie klingt sehr irdisch, endet aber hier und da im Nichts. Blomstedt hat dem Werk den Optimismus und die Lebensfreude eingehaucht, die er ausstrahlt und vorlebt. Es war ein großer Glücksmoment dieses Konzert miterlebt haben zu dürfen!

      Für Blomstedt und das Gewandhausorchester geht es nun mit den Konzertprogrammen dieser Tage im Gepäck durch Europa und Asien auf Tournee. Ich hoffe, dass Blomstedt das alles gut übersteht und ich ihn am 08.12. am Pult der Berliner Philharmoniker erleben darf. Für Juni 2018 sind übrigens 2 Konzerte mit der 9. von Mahler in Bamberg geplant.
    • Konzert 14.09.2018

      Es gibt gute Nachrichten von Herbert Blomstedt: er scheint wieder jünger geworden zu sein. Das jüngste Konzert im Gewandhaus, das nicht ausverkauft war, hat er auswendig, im Stehen und offenbar in körperlich sehr guter Verfassung dirigiert.

      In der ersten Hälfte stand die Symphonie Nr. 3 C-Dur "Sinfonie Singulière" von Franz Berwald aus dem Jahr 1845 auf dem Programm, die Blomstedt schon vor einiger Zeit mit den Berliner Philharmonikern aufgeführt hatte. Alle drei Sätze haben sehr eingängige Themen und taugen fast zum Ohrwurm.

      Um die Symphonie fantastique von Berlioz habe ich in letzter Zeit einen Bogen gemacht, weil ich das Werk als recht langatmig empfunden habe. Was u.a. Karajan und Rattle bei mir nicht geschafft haben, hat bei Blomstedt nun geklappt: die Aufführung war für mich kurzweilig und beeindruckend. Er brannte insbesondere im Finalsatz ein absolutes Feuerwerk ab. Ich freue mich auf sein Gastspiel im November in Berlin.
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Symphonie fantastique von Berlioz
      Ich kann die Live-Aufnahme mit Abbado und den Berliner Philharmonikern empfehlen, das war sein letztes Konzert in Berlin. Das fand ich damals großartig. (Weniger übrigens den ersten Teil des Konzerts mit dem Sommernachtstraum, da finde ich die Aufnahme eines Silvesterkonzerts Abbado/BPhil unerreicht, auch wenn ich da nicht live dabei war).