Repertoire 2017/18

    • Repertoire 2017/18

      Cavalleria/Bajazzo 22. und 26.9.2017

      Bevor ich heute zum 2. Mal in den neuen Parsifal gehe, ein paar Bemerkungen zu den beiden Aufführungen:

      Die Inszenierung von Gian-Carlo del Monaco (1988) ist eine, deren Besuch man auch der alten Tante empfehlen kann, ohne Angst haben zu müssen, enterbt zu werden. Es wird nichts interpretiert oder gedeutet, dafür bekommt man eine hervorragende, sehr differenzierte Personenregie (gerade die Chorszenen) in einem pseudo-realistischen Bühnenbild. Es macht mir immer noch Spaß, dabei zuzusehen, wie die Fotografen den Chor vor der Kirche für ein Gruppenfoto aufstellen, wie sich einzelne dabei in den Vordergrund spielen usw.

      Das Musikalische war auch noch sehr erfreulich: Gab es in der ersten Vorstellung noch ein paar kleine Wackler im Vorspiel, war das Dirigat von Josep Caballé-Domenech beim 2. Mal aus einem Guss.

      Herausragend die Santuzza von Elena Zhidkova. Diese Sängerin begeistert mich mit ihrer runden, in allen Lagen ansprechend schönen Stimme immer wieder. Ich kann nicht mehr nachvollziehen, warum sie mir 2012 als Venus nicht gefiel. (Aber ich glaube, des gedachte ich schon.) Überraschend gut gefiel mir Teodor Ilincai (Turiddu). Ich hatte ihn vorher 2x als Rodolfo 2010/11) und einmal als Pinkerton (2012), und er hat sich mir nicht sonderlich ins Gedächtnis gebrannt. Diesmal war ich sehr angetan von seinem metallischen Tenor. (Einzig am 2. Abend war seine Stimme beim Auftrittslied etwas belegt.)

      Sehr ordentliche Leistungen auch von George Gagnidze (Alfio und Tonio/Taddeo), Dorottya Láng (Lola), Oleksiy Palchikov (Beppe/Arlecchino) und Alexey Bogdanchikov (Silvio). Die Lucia von Renate Spingler fiel leider deutlich ab, eine rechte Pein ihre unsaubere, unfokussierte Stimme.

      Auch der 2. leading Tenor des Abends, Alfred Kim als Canio, verfügt über eine strahlenden, sauber geführte Stimme. Ich wüsste nicht, welchen der beiden ich vorziehen würde. Hayoung Lee hat mich früher z.B. als Lucia mit unsauberer Stimmführung irritiert, bei ihrer Nedda war davon glücklicherweise nichts zu merken.

      Insgesamt also 2 sehr erfreuliche Abende, ich kann einen Besuch in den weiteren Vorstellungen nur empfehlen.

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    • maestro schrieb:

      @Reingold und natürlich auch andere Besucher

      wie war eigentlich Goernes erster szenischer Walküre-Wotan?
      Vielleicht schreib' ich noch was zu gestern Abend. Deine Frage kann ich aber ganz kurz beantworten: Sehr enttäuschend. ;(
      (Das sah auch Opernwahn nach der Vorstellung so. In der Pause nach dem 2. Aufzug hatte er mich noch beruhigt: "Warte mal ab, im 3. Aufzug kommt er ganz groß raus." Aber vielleicht schreibt er selbst noch etwas dazu.)
    • Dir werf ich`s zu? Hm, ich bin letztlich auch schwer enttäuscht. Habe Görne einmal mit der Winterreise erlebt - dies war ein Abend zum Niederknien. Als Wotan habe ich ihn nicht wiedererkannt. Fehlendes Volumen (fiel im Ensemble schon durch mangelndes Durchsetzungsvermögen auf), fehlende Gestaltung (entsetzlich sein ausdrucksloses "Geh!") , auch der Feuerzauber ohne jede Magie, die Stimme seltsam breiig. Nein, das war erstmal gar nichts ...man könnte schreiben, das Hamburger Haus sei für ihn eine Nummer zu groß (akustisch), aber ich würde wegen ihm jetzt auch nicht noch einmal an ein kleineres Theater fahren ... einfach uninteressant, leider ...
    • Wenn ich es aber recht bedenke. das war doch nur ein Marketinggag der Staatsoper. Der Mann, den sie auf dem Besetzungszettel Görne nannten, war einer aus dem Chor. Und damit es nicht gleich auffällt, mußte der eine Brille mit dunklem Glas tragen - selbst den Hut hatte er viel zu tief ins Gesicht gezogen. Und wem aus dem Opernumfeld fällt schon auch, dass Görne nicht Görne war? Es hat ihn ja noch keiner zuvor gehört. Mal vergleichen: der echte Görne tritt am 1.3. in der Elbphilharmonie auf. Denkt Ihr in Hamburg denn wirklich, der kommt zweimal im Quartal zu Euch?
    • Die Walküre, 14.1.2018


      Dann will ich mal in den sauren Apfel beißen und meine Erinnerungen an einen überwiegend enttäuschenden Abend festhalten.
      Dabei begann es recht gut:
      Die 3 Protagonisten des 1. Aufzugs (von denen ich 2 noch nie gehört hatte) gefielen mir, auch wenn ich in der Pause danach etwas gemeckert habe:
      Jennifer Holloway (Sieglinde) bekam den „Hut“ nicht tief genug und Liang Lis Bass war mir für einen Hunding nicht ausreichend schwarz und böse. Aber insbesondere von Holloway war ich dann im 2. Aufzug sehr angetan. Und bei Robert Dean Smith (den ich im Flimm-Ring in Bayreuth 3x als Siegmund gehört habe) fehlte es mir ein wenig an Ausdruck. Im Nachhinein denke ich aber, dass das Zwillingspaar keine Chance gegen die Erinnerung an Kampe / Ventris letztes Jahr in Budapest hatte.
      Zum Goerne-Double als Wotan hat Opernwahn ja schon alles gesagt, hinzufügen will ich noch unsaubere, sogar falsche Töne. Wer einen so gefeierten Liedsänger überzeugend doubeln will, sollte sich schon deutlich mehr anstrengen. Von Lise Lindstrom - sie hatte mir als Färberin sehr gut gefallen – war ich ein klein bisschen enttäuscht: es fehlte mir ein wenig der „Peng“, den eine Brünnhilde doch haben sollte. Aber ansonsten eine sehr gute Leistung, wie Holloway und Smith deutlich auf der Haben-Seite. Letzteres kann ich von Mihoko Fujimura (Fricka) leider nicht sagen. Sie lieferte ihre Rolle ab, leider ohne jeden Ausdruck. Ich habe sie häufiger gehört, meist in Bayreuth. Dort als Kundry, Erda, Waltraute und Fricka (beide), gefallen hat sie mir nie.
      Ein 2. Aufzug Walküre mit einem unzulänglichen Wotan und einer ausdrucksarmen Fricka kann verdammt lang sein!
      Positiv hervorzuheben sind die Walküren, das Orchester und der Dirigent Kent Nagano. (Auch wenn mir einige Tempi etwas langsam schienen, das könnte aber meiner immer weiter anwachsenden Langeweile geschuldet gewesen sein.)
      @ Opernwahn: In der Pause sagte ich, dass ich lieber Katja Pieweck (die als Siegrune auf der Bühne stand) als Fricka gehört hätte. Die Rolle hat sie aber wohl nicht im Repertoire, ich habe sie nur als Rheingold-Fricka gehört.
    • Die Walküre, 20.1.18


      In dieser Vorstellung war nun Egils Silins als Goerne-Double angekündigt. Er sah zwar nicht aus wie Goerne (da war das Double letzte Woche deutlich überzeugender :D ), aber was sang er für einen Wotan! Ich hatte ihn 2013 in HH und 2014/15 in Budapest als Walküren-Wotan. Damals hatte ich ihn als sehr langweilig empfunden. Inzwischen scheint er sehr an der Rollengestaltung gearbeitet zu haben, denn diesmal kamen zur schönen, kräftigen Stimme noch eine differenzierte, ausdrucksvolle Gestaltung der Rolle hinzu, auch wenn nicht alle Pianissimi vollkommen gelangen. Da verging der 2. Aufzug doch wie im Fluge, auch wenn Mihoko Fujimura als Fricka immer noch nicht mein Fall ist. Ich habe diesmal darauf geachtet, was ich ihr eigentlich konkret ankreiden könnte, aber außer „Brudah und Schwestah“ und „Heervatah“ war da nichts. Und trotzdem …
      Da Jennifer Holloway (Sieglinde) diesmal den „Hut“ tief genug kriegte und Lise Lindstrom eine wieder wunderbar differenzierte Brünnhilde sang (auch wenn sie nicht ganz die Stimmstärke einer Iréne Theorin erreicht), war auch von dieser Seite alles im grünen Bereich. Und dass Liang Lis Bass nicht der schwärzeste ist, geschenkt: Er bot diesmal einen ausreichend bedrohlichen Hunding.
      Zu Robert Dean Smith (Siegmund), den Walküren und dem Orchester unter Kent Nagano habe ich nichts Neues hinzuzufügen.
      Insgesamt ein sehr beglückender Abend! :thumbsup:
    • Eugen Onegin, 10.2.2018

      Eine etwas zwiespältige Sache, diese Vorstellung. Das begann schon mit dem Duett der beiden Schwestern Tatjana (Iulia Maria Dan) und Olga (Oksana Volkova): Entweder ist der Monitor ausgefallen – die beiden singen mit dem Rücken zum Dirigenten (Christoph Gedschold) – oder was weiß ich, jedenfalls klapperte es gehörig. Ich bin fast geneigt, den Dirigenten verantwortlich zu machen, denn auch an anderen Stellen hatten Sänger und Chor dezidiert andere Vorstellungen als Maestro Gedschold. Ob Frau Dan vom Dirigat derart irritiert war, dass sie ihre Brief-Arie so unbeteiligt ablieferte, dass diese mich nicht berührte oder ob sie ihr nicht so liegt – keine Ahnung. In ihrer großen Arie im letzten Bild lieferte sie mit ausdrucksstarken Ausbrüchen und zarten Piani hingegen das beeindruckende Rollenporträt einer zerrissenen Frau.
      Eindeutig auf der Habenseite an diesem Abend die Männer – allen voran Dovlet Nurgeldiyev als Lensky. Das Arioso im 4. Bild und die große Arie „Kuda, kuda …“ – einfach nur zum Niederknien.
      Auch wie Kartal Karagedik mit seiner kernigen Stimme einen sehr virilen Eugen Onegin gab, gefiel mir außerordentlich.
      Und Alexander Tsymbalyuk (Gremin) mit seinem kräftigen und dennoch samtweichen Bass, der auch in tiefsten Lagen noch wunderbar anspringt, vervollständigte ein hervorragendes Männertrio.
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      Gestern in der Hamburgischen Staatsoper: "Eugen Onegin". Es kann auch (mit) an der eher konventionellen und ideenarmen Inszenierung gelegen haben, oder am lieblosen Dirigat. Mein Fazit jedenfalls: Tschaikowskis Ballettmusik ist zum Hinschmelzen, aber diese Oper muss ich kein zweites Mal erleben. Bezüglich der Sänger stimme ich mit Reingolds Bericht im wesentlichen überein, Iulia Maria Dans Stimme zeigte allerdings gelegentlich eine unschöne Schärfe. Ärgerlich: Nach jedem Bild endlos lange Umbaupausen, das Licht im Saal geht an, es wird lärmig, die Stimmung ist verflogen, und wenn es dann endlich weitergeht, sind die Leute grade so schön am Quatschen und hören auch während der ersten Takte noch nicht auf weiterzuquasseln. Und kaum senkt sich der Vorhang einen Millimeter, wird schon losgeklatscht, mitten rein in die letzten Töne. Blödes Volk.
    • Neu

      Der fliegende Holländer, 13.2.2018

      Ein musikalisch fast perfekter Holländer!
      Und zur Perfektion (man zeihe mich bitte nicht der Frauenfeindlichkeit!) haben in erster Linie die Männer beigetragen, da bei Ingela Brimberg (Senta) leider ein deutliches Vibrato in der Stimme zu hören war. John Lundgren hat bei aller Kraft in der Stimme ein etwas fahles Timbre, das hervorragend zum Holländer passt. Daniel Behle bot ein sehr differenziertes Porträt des Erik, von rührend lyrischen Momenten bis zu verzweifelten Ausbrüchen – ein starker Kontrast zu Andreas Schager, der sich hier vor 2 Jahren durch die Partie brüllte. Und dann noch der balsamische Bass von Günther Groissböck als Daland, das war schon pures Sängerglück. Richtig rund wurde es aber erst durch das schwungvolle Dirigat von Johannes Fritzsch. Großer Jubel am Ende.