Götterdämmerung

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    • Götterdämmerung

      Herrlicher Sonnenschein, sommerliche Temperaturen, Fanfaren vor Beginn der Aufführung, festlich gekleidete Premierenbesucher: ein Hauch von Bayreuth lag gestern über dem hässlichen Zweckbau in Karlsruhe, der neuerdings am Hermann-Levi-Platz liegt (der arme Herr Levi musste seinen Namen hergeben für etwas, was einer der scheußlichsten Plätze in Karlsruhe sein muss).

      Wenn sich der Vorhang zu den Eröffnungsakkorden hebt (durchaus sauber intoniert von der auch ansonsten technisch auf angenehm hohem Niveau, aber etwas verschnarcht spielenden Badischen Staatskapelle), sehen wir drei Regisseure, hingefläzt in ihre Regisseursstühle und sanft entschlummert. Auf der Bühne befindet sich eine zweite Bühne, auf deren Vorhang die Worte 'The End' prangen. Eben scheint also eine Vorstellung zu Ende gegangen, das gesehene aber eher einschläfernden Charakters gewesen zu sein. Eine mehr oder weniger subtile Kritik von Herrn Kratzer an seinen Co-Regisseuren, die die ersten drei Teile gestemmt haben? (Die Regisseurstühle tragen die Namen 'Rheingold', 'Walküre' und 'Siegfried'). Wie auch immer, die drei Regisseure entpuppen sich als die Nornen, die auch nach ihrem Abgang (was 'riss', bleibt völlig offen, außer meinem Geduldsfaden, aber das war erst später) weiter durch's Geschehen wuseln und versuchen es zu beeinflussen. Zwar heißt es bei Wagner: "Zu End' ewiges Wissen! Der Welt melden Weise nichts mehr."...


      Auftritt Siegfried und Brünnhilde: Siegfried erscheint in Schießer-Feinripp vor dem Vorhang der Guckkastenbühne und streift sich eben noch - wenig subitl - die Hose über. Zu "Zu neuen Taten, teurer Helde" öffnet sich eben dieser Vorhang und erstaunliches wird sichtbar: Brünnhilde mit langem, offenem Haar - gewandet in ein Negligée - lümmelt sich in einem Bett in feinstem Gelsenkirchener Barock und albert, frei nach dem Motto 'was sich liebt, das neckt sich' mit Siegfried herum. Das Problem ist nun, dass in Karlsruhe Heidi Melton die Brünnhilde (achtbar) singt und wer Heidi Melton kennt, weißt, dass man sie so nicht präsentieren sollte, es sei denn er legt gesteigerten Wert darauf, Assoziationen an Trude Herr in 'Drillinge an Bord' zu wecken. Ich habe nur noch auf den Auftritt von Herrn Bollmann gewartet... Jedenfalls war die Wirkung dieser Szene fatal, der Regisseur hat nicht nur die Figur der Brünnhilde, sondern auch die Sängerin Heidi Melton der Lächerlichkeit preisgegeben.


      Nun, zu Siegfrieds Rheinfahrt wird der Gelsenkirchener Barock auf die Hinterbühne gezogen, verspiegelte Wände werden heruntergelassen und wir befinden uns in der Halle der Gibichungen. Hagen, im Anzug, und Gutrune, offensichtlich eine Schlampe, sitzen am Frühstückstisch. Gunther schlurft als Dittsche im Bademantel über die Bühne. Siegfried erscheint und es stellt sich heraus, dass Gunther sehr viel mehr Interesse an Siegfried hat als an Brünnhilde, und auch Siegfried scheint durchaus nicht abgeneigt; warum, bleibt das Geheimnis des Regisseurs, auch warum die beiden dann überhaupt noch zum Brünnhildenfelsen aufbrechen.... Dort erscheint Siegfried mit Gunther im Schlepptau, der im folgenden teilweise Siegfrieds Text singt. Siegfried, durch den Tarnhelm unsichtbar gemacht (warum der Tarnhelm unsichtbar macht, wurde dem Zuschauer vorher auf etwas umständliche Weise klar gemacht), entreißt Brünnhilde den Ring, gibt ihn an Gunther, der sich dann in eigener Person(!) daran macht, Brünnhilde zu zeigen, wo der Hammer hängt. Zu den Worten "Nun, Notung, zeuge du, dass ich in Züchten warb.", die Siegfried nun wieder selber singt, legt dieser Hand an sich. Bevor Siegfried 'fertig' ist kommt Gunther, dem der Ring zwar Mannesrecht, aber wohl nicht Manneskraft verliehen hat (vielleicht war er in Gedaken auch bei Siegfried), unverrichteter Dinge zurück, gibt Siegfried den Ring (schließlich muss er im zweiten Akt an Siegfrieds Hand stecken und nicht an Gunthers, sonst kommt man mit der Story ins schleudern) und überlässt Brünnhilde Siegfried, der sich nun in Gunthers Gestalt über sie hermacht (der Tarnhelm tauscht jetzt die Gestalten und macht nicht mehr unsichtbar, warum auch immer). Der Vorhang fällt, matter Beifall und für mich die Gewissheit, dass mich der Tatort mehr interessiert als die beiden noch folgenden Akte.

      Spätestens in 2 Jahren aber gibt es ja ein Wiedersehen mit Herrn Kratzer, dann darf er sich in Bayreuth am Tannhäuser vergehen versuchen.
    • peripatetica schrieb:

      RagnarDanneskjoeld schrieb:

      opernschnipsel.de/2017/10/15/g…ung-karlsruhe-15-10-2017/
      Daß ulfk179 so etwas gefallen würde, war zu erwarten.
      Wirklich eine Unverschämtheit von ulfk179! Der war in einer Opernaufführung und sie hat ihm auch noch gefallen: Da hätte er sich doch lieber ein Beispiel an Ira nehmen sollen: Die saß zu Hause rum und weiß trotzdem, wie es war. Sogar so genau, dass sie auch weiß, wem es zu gefallen hat und wem nicht.

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    • Sehr gerne:

      - Gutrune eine "Schlampe":
      Ich weiß ja nicht, ob Sie wissen, was eine Schlampe ist. Aber wenn eine Frau zum Frühstückstisch noch im Nachthemd erscheint und das bereits eine "Schlampe" ist, dann entpuppt sich hier ein merkwürdiges Frauenbild auf Ihrer Seite.

      - Gelsenkirchener Barock:
      Ein jeder möge die Galerie auf der Homepage des Staatstheaters besichtigen. Gelsenkirchener Barock sieht anders aus. Von Innenarchitektur haben Sie offensichtlich nicht den blassesten Schimmer

      - Tarnhelm:
      Sie schreiben: "Der Tarnhelm tauscht jetzt die Gestalten und macht nicht mehr unsichtbar, warum auch immer". Fragen Sie mal Mime, warum das geht. Oder lesen Sie im Libretto nach.

      Reicht das für den Anfang?
    • RagnarDanneskjoeld schrieb:

      dann entpuppt sich hier ein merkwürdiges Frauenbild auf Ihrer Seite.
      Oder auf Ihrer.

      RagnarDanneskjoeld schrieb:

      Fragen Sie mal Mime, warum das geht. Oder lesen Sie im Libretto nach.
      Besser wäre es gewesen, der Regisseur hätte uns darüber Auskunft gegeben, jedenfalls war es so, wie es in dieser Szene gezeigt wurde, inkonsequent, was halt schon mal passieren kann, wenn man das Libretto nicht ernst nimmt.
    • RagnarDanneskjoeld schrieb:

      Dass Sie sich aber daran aufhängen ist doch sprichwörtliche Korinthenkackerei.
      Nein, ist es keineswegs. Der Tarnhelm taucht ja in der Götterdämmerung eigentlich zum ersten Mal am Ende des ersten Aktes auf, wenn Siegfried in Gunthers Gestalt bei Brünnhilde auftaucht. In dieser Inszenierung wird der Zuschauer jedoch schon vorher an zwei Stellen - korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre :) - explizit darauf aufmerksam gemacht, dass der Tarnhelm unsichtbar macht, obwohl es dramturgisch völlig unnötig ist. Der Regisseur stößt also die Zauschuer mit der Nase drauf: da guck, das Ding macht unsichtbar. Er muss das so machen, damit er Siegfried am Ende des ersten Aktes als unsichtbar erscheinen und Gunther persönlich auftreten lassen kann. Und es wird dann einfach nicht schlüssig dargestellt, dass der Tarnhelm Siegfried nicht mehr unsichtbar macht, sondern ihn in Gunthers Gestalt verwandelt. WIR wissen das, weil wir es halt wissen, aber der uninformierte Zuschauer weiß es eben nicht.

      RagnarDanneskjoeld schrieb:

      Nebenbei verstehe ich immer noch nicht, warum eine Frau im Nachthemd am Frühstückstisch eine Schlampe ist.
      Das verstehe ich auch nicht, das habe ich aber so auch nicht gesagt. Aber da Sie ja offensichtlich auch in der Vorstellung waren, schildern Sie doch einmal Ihre Eindrücke. Ich bin sehr gespannt. :)