Elektra , DOB, 19.10.2017

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    • Elektra , DOB, 19.10.2017

      Neue Besetzung in der Elektra an der DOB, die man zuletzt mit Stemme und Herlitzius erleben konnte, diesmal Frau Forster in der Titelrolle. Vom Einspringer am Pult, Ulf Schirmer, kann ich nur Positives berichten: es wirkte alles viel ausgeglichener als bei Runnicles, der hier in der Elektra zwischen gut und sehr schlecht schwankte. Etwas mehr Spannung, etwas mehr angezogene Tempi hätte man sich gewünscht, man weiß allerdings auch nicht, wie kurzfristig er eingesprungen sein mag.
      Forster hat mir gefallen (Immerhin vergleichen wir hier mit zwei führenden Rollenvertreterinnen), sie war textverständlich, sängerisch eindrucksvoll und (wichtig): sie versuchte aus ihrer Rolle in dieser Inszenierung etwas zu machen. Ich weiß nicht, ob die Regisseurin hier noch mal Hand angelegt hat, Forster brachte zumindest für mich neue Nuancen ein, die es bei Herlitzius und Stemme in dieser Produktion nicht gab. Besonders die ruhigen Stellen (der Monolog) beeindruckten, da das hyperaktive Gehopse der Herlitzius dort immer etwas vom Thema wegführt (die Chereau-Produktion des letzten Jahres ist da ein Sonderfall). Eine wirklich intelligente Rollengestaltung mit etwas Humor.
      Tobias Kehrer ist in der Rolle des Orest weiter gewachsen: auch er steht auf der Habenseite dieser Vorstellung. Als Kytämnestra gab es zuletzt Soffel und Meier an der DOB, in dieser Produktion darf Soffel mehr beeindrucken. La Meier fand ich zuletzt hier (nicht in der Chereau-Produktion) eher blass. Soffel widersteht dem Klischee von der keifenden Alten, singt ihre Rolle, differenziert - man leidet mit. Leider empfinde ich hier die Darstellung der Klytämnestra einfach zu eindimensional im Vergleich zum Chereau. Alison Oakes hatte es leicht: ihre Vorgängerin in der Rolle der Chrysothemis war Manuela Uhl. Trotzdem fand ich die Gestaltung sängerisch eher durchschnittlich. Es war etwas mehr zu hören als in ihrer Salome, sie ist sehr bemüht, aber das war es dann schon.
      In den weiteren Rollen oft schrille Töne und Ungenauigkeiten, leider hat Clemens Bieber als Aegisth nicht den Beifall bekommen, den er verdient.
      Auch wenn diese Inszenierung nicht ganz schlecht ist, kommen doch beim wiederholten Sehen die szenischen Widersprüche bzw. Mängel deutlich zum Vorschein. Leider kein Vergleich zum Chereau, bei dem man förmlich auf der Stuhlkante saß, um kein Detail zu verpassen. Musikalisch aber ein lohnender Abend.
    • Gast1 schrieb:

      Tobias Kehrer ist in der Rolle des Orest weiter gewachsen
      Es ist für mich die absolut falsche Entscheidung, diesem wirklich schwarzen Baß den Orest singen zu lassen!!! Ein Beispiel von Inkompetenz. Tobias Kehrer, wenn er denn öfter Orest singt, wird sich seine einmalige Tiefe wegsingen - und es gibt weiß Gott momentan keine Riesenauswahl an schwarzen Bässen- und dann ist seine Stimme nichts Besonderes mehr. Jammerschade daß man mit einer großen und noch relativ jungen Sängerhoffnung so umgeht. So kann man Stimmen auch kaputt machen.
    • maestro schrieb:

      Also Groissböck hat den Orest häufig gesungen, hat seiner Tiefe nicht wirklich geschadet
      Übrigens nicht nur Groissböck, sondern auch Sotin, Hotter, Böhme, Crass und Pape, um nur einige zu nennen. Orest ist eine klassische Bassbaritonpartie, die immer schon (auch) von Bässen gesungen wurde. Kehrer ist für mich von der Stimmfarbe her auch nicht wirklich ein genuiner „schwarzer Bass“ à la Gottlob Frick oder Fritz Hübner. Seinen Osmin fand ich tatsächlich in der Tiefe begrenzt, glaube allerdings kaum, dass das am Orest lag. Auf lange Sicht sehe ich Kehrer eher nicht in den ganz tiefen Partien seines Faches und traue ihm, wenn alles gut geht, in etwa 10 Jahren als Philipp, Boris oder Gurnemanz eine ähnlich große Karriere wie Pape zu.
    • Heerrufer schrieb:

      ähnlich große Karriere wie Pape zu.
      Ich hoffe nur, daß Kehrer seiner Karriere das hinzufügt, was Pape uns vorenthält: Ochs, Morosus, La Roche. Daß Pape den Sachs nicht singt, läßt die Karriere für mich nicht vollständig sein. Und was Frick oder Hübner betrifft, da gebe ich Ihnen recht. Warten wir also ab, wie Kehrer sich entwickelt. Ein große Nachwuchshoffnung ist er allemal.
    • Eduard19 schrieb:

      Ich hoffe nur, daß Kehrer seiner Karriere das hinzufügt, was Pape uns vorenthält: Ochs, Morosus, La Roche. Daß Pape den Sachs nicht singt, läßt die Karriere für mich nicht vollständig sein. Und was Frick oder Hübner betrifft, da gebe ich Ihnen recht. Warten wir also ab, wie Kehrer sich entwickelt. Ein große Nachwuchshoffnung ist er allemal.
      Dass Pape den Ochs bisher (und wohl auch in Zukunft) nicht singt, verwundert mich jetzt nicht so wahnsinnig, zum einen, da bei Pape die Extremtiefe nicht die große Stärke ist, um es mal vorsichtig auszudrücken und zum anderen, weil er sich bisher nicht unbedingt als überragender Komiker hervorgetan hat. Selbst seinen Figaro fand ich immer ziemlich hüftsteif, Leporello war auch nicht seine Partie, da ist er sehr schnell zum Giovanni gewechselt. An einen Osmin wäre gar nicht zu denken gewesen.
      Was die anderen beiden Werke angeht sind die in Berlin das letzte Mal Anfang der 90er zu Premierenehren gekommen - beides Mal hieß der Bass Siegfried Vogel. Dass an einem Berliner Opernhaus bald „Capriccio“ oder „Die schweigsame Frau“ kommt, halte ich doch für unwahrscheinlich, zur Zeit besteht die Strausspflege ja vornehmlich darin, in Jahresfrist neue Salomes zu produzieren, wobei sich hier wie dort ja nicht mal der GMD für die Prinzessin von Judäa interesssiert...
    • Heerrufer schrieb:

      Was die anderen beiden Werke angeht sind die in Berlin das letzte Mal Anfang der 90er zu Premierenehren gekommen - beides Mal hieß der Bass Siegfried Vogel. Dass an einem Berliner Opernhaus bald „Capriccio“ oder „Die schweigsame Frau“ kommt, halte ich doch für unwahrscheinlich, zur Zeit besteht die Strausspflege ja vornehmlich darin, in Jahresfrist neue Salomes zu produzieren, wobei sich hier wie dort ja nicht mal der GMD für die Prinzessin von Judäa interesssiert...
      Mit Siegfried Vogel hat wohl einer der letzten Komödianten, die die "Sträusse" bedienten, die Bühne verlassen. Sein Ochs, von einer brachialen Bäuerlichkeit und aber auch von derbem Charme und Humor geprägt, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Sie haben völlig recht: gibt es keine Sänger mehr für La Roche und Morosus oder können die Herrren Regisseure mit einem "Capricchio" nichts anfangen? Salome und Elektra - das hängt einem langsam zum Halse raus. Mit den beiden und mit "Tristan" ist dann vor allem in der Staatsoper schon alles gemacht. Achja, und natürlich "Parsifal". Traurig.
      Auch was Pape betrifft haben Sie recht, er ist kein Komödiant. Das Wort Komiker würde ich sowieso nicht gebrauchen wollen. Pape war als "Boris" eine Offenbarung, hier liegt seine Stärke.