Nach Yundi die "Sinfonia domestica"

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    • Nach Yundi die "Sinfonia domestica"

      Das Klavierkonzert in A-Dur KV 488, in der Zählung des Komponisten das siebzehnte, vollendete Wolfgang Amadeus Mozarts 1786 . Es gehört zu den „sinfonischsten Konzerten“ Mozarts.
      In seinem 3. Symphoniekonzert spielte die StaatskapelleDresden das Konzert mit dem chinesischen Pianisten Yundi (eigentlich: Li Yundi) unter der Leitung des Gastdirigenten Alan Gilbert.
      Yundi, Jahrgang 1982 gehört eigentlich zu den etablierten Pianisten, auch wenn er nicht das Glamouröse eines Lang Lang oder Daniil Trifonov vor sich her trägt.
      Das A-Dur-Klavierkonzert haben wir nun mehrfach im Konzert erleben dürfen und von Tonträgern und Konzertmitschnitten in einer Fülle von Interpretationen hören können.
      Wenn man aber im Dresdner Konzert etwas Außergewöhnliches erwartet hatte, so wurde man enttäuscht. Der Solist bot eine technisch ausgezeichnete Leistung, ließ aber einen eigenen Stil vermissen. Alan Gilbert versuchte zwar bereits in der Probe im ersten und dritten Satz etwas Schwung in das Geschehen zu bringen.
      Aber in letzter Konsequenz blieb eine Aufführung, die sich zwar in der Fülle des bereits Gehörten behaupten kann, aber nicht heraus ragt.
      Aber letztlich ist meine Meckerei eine auf hohem Niveau,denn die einfüllsame Zugabe des Yundi kompensierte das Vermisste.
      Im zweiten Konzert-Teil stand die seltener gespielte, dafür aber öfter mit Häme bedachte „ Sinfonia domestica“ von Richard Strauss von1902/03 auf dem Programm.
      Eigentlich sollte man über Proben Stillschweigen halten. Deshalb nur so viel, dass sich „Klangkörper“ und Dirigent bei der Beprobung des Finales zunächst recht schwer taten.
      Mit dem Einsatz von exakt 100 Musikern hatte der Komponist ein sinfonisches Selbst- und Familienportrait,eine Rhapsodie über sein Familienleben und sein Heim geschaffen.
      Vier pausenlos ineinander übergehende Teile spiegeln die Idee des Familienlebens wider:
      Im ersten Teil: Der Papa (F-Dur) kommt müde und etwas mürrisch von einer Reise, aber letztlich gemütlich, die Mama (H-Dur) zeigt sich lebendig und graziös und der Bubi (d-Moll) als Gemisch beider, aber eher dem Vater ähnelnd.
      Der zweite Teil, das Scherzo, über das Glück der Eltern und der dritte Teil, das Adagio, ein Wiegenlied.
      Kennt der Probenbesucher nun bereits das Finale, so schleppen sich für ihn diese drei Teile in ihrer glücklich-schlichten Sphäre etwas gemächlich, denn mit dem vierten Teil entfesseln Dirigent und Orchester die Situation mit der Schilderung einer bewegten Liebesnacht und einem lustigen Streit nach dem Aufstehen am folgenden Morgen; nach dem Probenerlebnis eine weitere Erkenntnis bezüglich der Qualität des „Klangkörpers“ der sächsischen Staatskapelle.
      Mit der verkappten Viersätzigkeit der Komposition hatte sich Strauss dem Vorwurf einer Rückkehr zur „absoluten Musik“ ausgesetzt, was er allerdings energisch zurückwies.
      Auch die Merkwürdigkeit, dass der Komponist diesen Einsatz des Riesenorchesters für ein eigentlich persönlich-spießiges Thema gewählt und fast gleichzeitig die lasziv-dekadente „Salome“ bearbeitet hat, sollte erwähnt werden.

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