Mit Dr. Faust auf dem Brocken

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    • Mit Dr. Faust auf dem Brocken

      Am Abend des vergangenen Samstag hatten sich 268 Verrückte am Bahnhof Wernigerode eingefunden.
      Mit einem Sonderzug der Harzer Schmalspurbahn und reichlich Mephisto-Tropfen ließen sie sich auf den Brocken fahren und wankten dann bei böigem Wind und,dank des aufgewirbelten Frischschnees, gleichsam im Schneesturm in die Brockenbaude.
      Dort erwartete die Truppe nach einem frugalen Abendessen eine Rock-Oper „Faust“ mit den Texten Johann Wolfgang von Goethe in dem mit 1146 m über N.N. höchstgelegenem Bühnenhaus Deutschlands.
      Nun ist meine Affinität zur Rockmusik mehr als begrenzt.Trotzdem war ich angenehm überrascht, wie gut sich die über zweihundert Jahre alten Texte mit den Rock-Klängen arrangiert hatten.
      Natürlich hatte der Librettist und Komponist des Spektakels mit seiner Inszenierung auch die Möglichkeiten genutzt, insbesondere dem Mephisto-Darsteller eine hohe Bühnenpräsenz mit seinem Rocker-Falsett zu verschaffen, indem er fortwährend ein diabolisches Grinsen einsetzten konnte und dabei nicht mit obszönen Gesten sowie lasziven Zischeln und Schlürfen sparen musste.
      Dieser Mephisto von Falko Illing lebt aus, was seinenTeufelskollegen auf vielen Theaterbühnen abgeht: Die kindliche Lust an dem, was Goethes Textvorlage eigentlich vorgibt.
      Das Spiel der übrigen Agierenden war von recht unterschiedlicher Qualität, obwohl alle mit rechter Freude bei der Sache waren.
      Der Faust von Christian Venske bleibt etwas blass, das Gretchen Manuela Markewitz ein Musical-Hochdruck-Sopran, dessen Schicksal in seiner Entwicklung kaum logisch erscheint.
      Rudolf Volz hat sich zweifelsfrei mit Goethes Faust auseinander gesetzt, nur haben es seine Regieeinfälle schwer, sich gegen mittelmäßige schauspielerische Leistungen und halbherzig choreographierte Show- und Tanzeinlagen zu behaupten.
      Eine Ausnahme: Die überzeugende Marthe, die mit ihrer Notgeilheit sogar den Teufel beschämt.
      Eine besondere Erwähnung verdient die Bühnentechnik.
      Die Komposition und Inszenierung stammt vom Jahre 1997 und tingelt seit dem, zunächst an den historischen Faust-Orten Auerbachs Keller,Felsenbühne Rathen und Weimar, durch dieLande.
      Seit 2006 hat sich die Rock-Oper den Brocken erobert.
      Zur Live-Musik möchte ich mich nicht äußern. Freundesprechen von gepflegtem Hardrock. Nichts Extravagantes; alles geeignet für ein Publikum, dem die Nach-Deep-Purble-Ära zu modernistisch ist.
      Ich habe nicht die Absicht, mich in diesem Metier zu vertiefen.
      Kurz nach Mitternacht brachte dann der Mephisto-Express eine ermüdete Gesellschaft wieder nach Wernigerode zurück.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thomathi ()