"Werther", WA 2017

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    • "Werther", WA 2017

      08.12.2017

      Was für einen Höllenlärm so ein Bühnenschnee macht, hatte ich tatsächlich bisher nie wahrgenommen (oder es vergessen). Jedenfalls wird Charlottes verzweifeltes Umherirren im Schneesturm auf der Suche nach Werther von einem steten Prasseln begleitet...

      Die Wiederaufnahme einer der schönsten und emotional anrührendsten Opern Massenets fand vor erschreckend unausverkauftem Haus statt (für die übrigen Vorstellungen sieht es auch nicht viel besser aus). An mangelnder Bekanntheit des Werks kann es ja wohl nicht liegen; aber ich hatte schon früher den Verdacht, dass das französischen Repertoire in Frankfurt nicht so recht zieht – keine Ahnung, warum das so ist. Speziell bei „Werther“ kann man zumindest nicht Willy Deckers Inszenierung die Schuld geben: die ist (im positiven Sinn des Wortes) gediegen und erzählt in abstrakt-einfachen, klaren Bildern die traurige Liebesgeschichte von Werther und Charlotte. Mir persönlich ist das Ganze allerdings ein bisschen zu statisch geraten, und die fast völlig leere Bühne funktioniert auch nur bedingt. Möglicherweise sind in den zwölf Jahren seit der Premiere auch einfach viele von den ursprünglichen Details verloren gegangen. Die Ausstattung verlegt die Handlung in die Entstehungszeit der Oper und gemahnt eher an E.T.A. Hoffmann als an Goethe – dazu später mehr.

      Musikalisch wurde der Abend von den Frauen dominiert – allen voran von der großartigen Julie Boulianne als Charlotte. Von Massenet ohnehin zur eigentlichen Hauptperson aufgebaut, überstrahlte sie die Handlung mit ihrer klaren, wohlklingenden Stimme, die in allen Lagen gleichermaßen gut ansprach, und überzeugte durch warmherziges Spiel, soweit die Inszenierung, die sie eher zu einer statuenhaften Erscheinung macht, das zuließ.
      Charlottes kleine Schwester Sophie wird in der aktuellen Serie von Louise Alder gesungen; sie spielt diese Rolle – halb unbefangenes Kind, halb unglücklich verliebte junge Frau – sehr glaubhaft und verleiht jeder Facette dieser Rolle auch stimmlich überzeugende Präsenz.
      Die Herren der Schöpfung fielen dagegen ein wenig ab. Sebastian Geyer in der undankbaren Rolle des Albert sang streckenweise mit ungewohnt gepresster Stimme, machte aber die Wandlung dieser Figur vom liebevollen Verlobten zum eifersüchtigen, Werthers Selbstmord bewusst begünstigenden Fiesling deutlich.
      Attilio Glaser, der zur allgemeinen Überraschung diese Rolle von Mario Chang übernommen hat, sang die Titelpartie. Im großen und ganzen gebe ich dem Alten Frager Recht:

      Alter Frager schrieb:

      Schönes Material, aber noch ausbaufähig.
      Wir hörten eine nicht unschöne, kraftvolle Stimme mit sicherer Höhe – was allerdings vorzugsweise in den Forte- und Mezzoforte-Passagen zutraf; alles unterhalb dessen war beeinträchtigt von einem Vibrato, das von hier nach da und wieder zurück reichte. Außerdem fehlt der Stimme (noch?) ein bisschen Wärme und Ausdruck; mich zumindest ließ sie sogar in der Gänsehaut-Szene 'Lorsque l'enfant revient d'un voyage avant l'heure' seltsam unberührt.

      Die kleinen Rollen waren gewohnt solide besetzt: Franz Mayer als Amtmann, Barnaby Rea als Johann und Peter Marsh als Schmidt. Die beiden Letzteren geisterten als böse, wenn auch meist stumme Kommentatoren durch die Szene und verliehen mit ihrer skurrilen Erscheinung dem Ganzen die schwarzromatische Note, die noch dadurch verstärkt wurde, dass sämtliche Personen mit Ausnahme Werthers konsequent in düsterem Schwarz, manchmal durch fröhliches Nachtblau (oder war das nur ein Beleuchtungseffekt?) aufgehellt, unterwegs waren.

      Über das Dirigat von Lorenzo Viotti bin ich mir nicht ganz im Klaren – es war ohne Zweifel sängerfreundlich, aber für mein Empfinden ein bisschen zu schlank und zu sachlich; Massenet lebt ja nun einmal (auch) vom schwelgerischen Klang.
      "Mir ist kein solcher Fall nicht bekannt" - sagte einer, der schon wissen wird, warum...
    • The Botanist schrieb:

      Der Diktator hat gesprochen! Wenn Sie meine Meinung nicht interessiert, dann lesen Sie meine Beiträge einfach nicht.
      Das finde ich jetzt nicht nett besonders in der Adventszeit. Diktatoren sind schon andere Kaliber. Sie nehmen sich eindeutig zu wichtig. Ich teile viele Meinungen mit Rheingold. Er widespricht wenigstens öfters Ira, wahrscheinlich weil er ihr Gepappel nicht mehr lesen kann.
    • Schneefall schrieb:

      The Botanist schrieb:

      Der Diktator hat gesprochen! Wenn Sie meine Meinung nicht interessiert, dann lesen Sie meine Beiträge einfach nicht.
      Das finde ich jetzt nicht nett besonders in der Adventszeit. Diktatoren sind schon andere Kaliber. Sie nehmen sich eindeutig zu wichtig. Ich teile viele Meinungen mit Rheingold. Er widespricht wenigstens öfters Ira, wahrscheinlich weil er ihr Gepappel nicht mehr lesen kann.
      Wenn jemand zu mir sagt, ich soll meine Meinung für mich behalten, ist das eine Meinungsdiktatur.