Trittico, Petrenko, De Beer, Koch, Westbroek, Jaho, Maestri et al

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    • Sie war eins mit ihrem Spiel ;). War (aufgrund der Premierenanspannung?) vielleicht einen Ticken zu viel - aber es reichte dadurch mit zum größten Einzelapplaus unter den Sängern. Ach und ein Buh gab es: Nach O mio babbino caro - wobei ich mir nicht sicher bin, ob es dem einsamen Scherzkeks zu klamaukig war oder das einfach ein kleiner Protest gegen den kurzen Zwischenapplaus war (da hätte der Herr eher gegen den Auftaktapplaus zu Beginn von Gianni Schicchi protestieren können...). Ansonsten: ein großer Publikumserfolg, Suor Angelica ging an die Substanz, bei der Bewertung von Gianni Schicchi bin ich eher bei Franziska Stürz bei Fazit...
    • br-klassik.de/aktuell/news-kri…-kirill-petrenko-100.html

      "Zumal die Hauptrolle von einer fantastischen Sängerdarstellerin verkörpert wird: der jungen albanischen Sopranistin Ermonela Jaho."

      "Eva-Maria Westbroek als Giorgetta hat ein unruhiges, aber ausdrucksstarkes Timbre."

      Genau (wörtlich) mein Eindruck (s.o.).

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    • Wann gab es das in den letzten Jahren, dass eine Produktion sowohl szenisch als auch musikalisch voll überzeugt und dass obwohl die Produktion szenisch zunächst einmal eher unscheinbar daherkommt.

      So unscheinbar ist es aber auf den zweiten Blick nicht was Lotte de Beer und ihr Team anbieten, sondern eine sehr reduzierte Fokussierung auf die Personen der Geschichte, wobei, was in der Natur der Sache liegt, Gianni Schicchi deutlich quirliger und lebendiger daherkommt als Tabarro und Suor Angelica. Bei Tabarro und Suor Angelica vertraut de Beer ganz auf die vorzüglichen Sängerdarsteller sowie auf die komprimierte Dramatik der Stücke. Bei Gianni Schicchi zeichnet sie eine wunderbar überdrehte Slapstickkomödie, die gerade deswegen so gut funktioniert, weil sie der Komödie noch eine Runde draufsetzt (bsp. bei der Notarszene als sich Schicchi nicht gerade wie ein Sterbender bewegt). Insgesamt eine sehr kompakte, kurzweilige und in sich geschlossene Produktion für die drei Werke. Eine der besten Produktionen der letzten Jahre.

      Kirill Petrenko wählt für alle drei Werke einen sehr klaren, völlig unpathetischen Ansatz. Großes Pathos in der Angelica vermisst man genauso wie eine überdrehte Spritzigkeit beim Schicchi. Stattdessen wie fast immer bei Petrenko eine sehr präzise, unprätentiöse Herangehensweise mit einem guten Gespür für die Extreme der Partitur. Gerade die Zwischenspiele in Tabarro und Angelica klingen fast schon wie eigene Stücke, die Sänger werden von ihm nie zugedeckt, sondern können sich wunderbar entfalten. Allerdings werden sie wie üblich von Petrenko auch sehr gefordert. Nicht ganz überraschend sind daher einige SängerInnen auch deutlich überzeugender als in anderen Rollen oder Produktionen, die vielleicht nicht ganz so geprobt waren.

      Das gilt bsp. für Yonghoon Lee und Eva-Maria Westbroek. Natürlich war Lee wie immer recht laut unterwegs und auch Westbroeks Tremolo war hörbar. Dennoch wirkten sie erstaunlich differenziert und passten perfekt in de Beers Inszenierung und Petrenkos musikalisches Konzept. Dass Wolfgang Koch über eine so gute italienische Stilistik verfügt, ist nicht wirklich überraschend, trotzdem aber sehr überwältigend. Alleine die Wut, mit der er Giorgetta verflucht und dann innerlich zerrissen auf Luigi wartet, ist grandios.

      Auch Ermonela Jaho hat wie nicht ganz üblich mit kleinen Registerproblemen und einer deutlich metallisch gewordener Stimme zu kämpfen. De Beer und Petrenko gelingt es sehr gut, Jaho zu fokussieren und ihr darstellerische Kraft so zu kanalisieren, dass auch ihr sonst so gern vorhandenes Overacting kaum merkbar ist. Eine sehr starke und berührende Leistung einer wunderbaren Sängerdarstellerin. Dennoch stand sie etwas im Schatten von Michaela Schuster als autoritärer und dämonischer Principessa. Wie sie Angelica die Unterschrift abnötigt, dass ist schon große Schauspielerkunst.

      Bleibt also noch der Schicchi. Dieser ist sehr homogen besetzt. Alle Sänger agieren auf einem ausgeglichen hohen Niveau. Sehr wohltuend ist, dass auch o mio babbino caro sehr zügig und schnell dirigiert wurde. Der Buhruf für Frau Feloa war so auch völlig unnachvollziehbar. Dass Ambrogio Maestri die Szene dominiert, dürfte nicht überraschen. Allerdings wird er auch unterstützt von einem sehr starken Ensemble, unter anderem mit Pavol Breslik als absoluter Luxusbesetzung als Rinnucchio.

      Bleibt ein sehr starker Abend ohne Mäkeleien. Ist doch auch mal schön

      Maestro
    • Reinhard J. Brembeck war im SZ-Feuilleton auch sehr angetan, vor allem von Petrenko und Ermonela Jaho. Westbroek und Breslik erwähnt er nicht.
      Leider ist der Artikel nicht frei einsehbar:

      Klamotte gegen Klangerotik
      Mit Puccinis selten gezeigter Oper "Il trittico" spielt Kirill Petrenko im Münchner Nationaltheater das ganze Spektrum der Gefühle aus

      "Die mit Abstand am stürmischsten gefeierte Sängerin aber war Ermonela Jaho als Klosterschwester Angelica. Jaho ist eine zierliche Erscheinung, die in Gestik und Gesang mit dem Schicksal einer durch Klostermauern von ihrem Kind Getrennten hadert. Ermonela Jaho setzt zerbrechlich feine Kantilenen in den Raum, warm in der Tongebung, sicher in der Höhe und überaus menschlich. Als sie vom Tod ihres Kindes erfährt und Suizid begeht, ist jedem im Saal zum Heulen zumute. Und Jahos Stimme entfaltet in der Sterbeszene ein jenseitiges Klangelysium, das die Wundererscheinung ihres toten Kindes tatsächlich glaubhaft macht."

      sueddeutsche.de/kultur/puccini…ik-1.3796622?reduced=true