Parsifal Met 2018 - KFV, Herlitzius, Nikitin, Pape, Nezet-Seguin

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    • Nachdem the botanist bereits ueber die erste Auffuehrung der Parsifal Serie berichtet hat, wuerde ich gerne noch meine Eindreucke der letzten Auffuehrung der Serie teilen. Der Parsifal war nicht der Grund meiner Reise, sondern vielmehr ein interessantes Beiwerk. Insofern waren meine Erwartungen nicht unermesslich hoch, zumal ich KFV als Parsifal bisher bewusst gemieden habe und Herlitzius mir als Kundry nicht immer gefallen hat. Vielmehr war ich gespannt auf die Inszenierung. In diesem Punkt wurde ich auch nicht enttaeuscht. Ich hatte bisher noch nichts von ihr gesehen und den gegebenen Raum fuer Assoziationen habe ich sehr genossen. Schon im Vorspiel, wenn die durch das Quellwasser von der Welt der Frauen getrennte Gralsgemeinschaft pulsierend im Kreis, wie etwas gebaehrend, die Verbundenheit und Abgeschiedenheit darstellt, freut man sich auf den weiteren Abend. Mir hat dieser szenisch viel Freude bereitet.
      Nezet Seguin bot ein zartes, fein nuanciertes, sensibles Vorspiel, welches die Spannung trotz der doch arg langsamen Tempi halten konnte. In gleicher Weise hielt er diese Spannung und Sensibilitaet ueber den Abend hinweg, was einen herrlichen Fluss und Sog entstehen liess. Man muss sich freilich drauf einlassen wollen und das kostet manchmal ein wenig Kraft, aber insgesamt ein interessantes Dirigat mit eigener Handschrift. Das Orchester konnte dies ueber den Abend mithalten und so war der Abend auch orchestral die reinste Freude.
      Die Nachricht, dass die Stimme von KFV voller und dunkler geworden ist, hatte meine Vorfreude eigentlich doch ein wenig steigern lassen, aber das war fuer mich ein Irrlaeufer. Ich kann mit ihm in der Rolle nichts anfangen. Diese leichte schlanke Stimme passt fuer mich zum Parsifal gar nicht. "Erlöse, rette mich
      aus schuldbefleckten Händen!", ist eigentlich bei jedem Saenger ein Moment hoechster Intensitaet. Wenn solche Momente ganz bewusst falsettartig gefluestert werden, erreicht mich von diesem Moment des Flehens nichts. Es aergert mich eigentlich geradezu enorm.
      Gut getan hat dieses zarte Dirigat, die szenische Neueinstudierung mit dem Regisseur und KFV als Partner hingegen Frau Herlitzius, die fuer mich eigentlich immer gefaehrlich wird, wenn man sie enfach laufen laesst. Oftmals zu ueberdramatisch, hat sie mir Dienstag gefallen. Ein wenig reduziert und bewusster im Spiel, bemueht die Stimme schlank zu halten, bot sie eine gute Kundry. Man hoert natuerlich in jedem Ton, dass Sie seit Jahren ihre Stimme verausgabt und ueberstrapaziert hat, aber als Gesamtpaket passte es an diesem Abend gut fuer mich und es gab sehr intensive Momente mit ihr.
      Pape hatte leider keinen herausragenden Abend, sondern ging teilweise im Orchester unter, aber eintauschen moechte man ihn trotzdem nicht. Mattei hat mir als Gurnemanz ausgesprochen gut gefallen und ich wuerde ihn gene nochmals in der Rolle hoeren.
      Insgesamt ein interessanter Opernabend zum Aergern und Freuen.
    • Chevalier de la Force schrieb:

      Vielmehr war ich gespannt auf die Inszenierung. In diesem Punkt wurde ich auch nicht enttaeuscht. Ich hatte bisher noch nichts von ihr gesehen und den gegebenen Raum fuer Assoziationen habe ich sehr genossen. Schon im Vorspiel, wenn die durch das Quellwasser von der Welt der Frauen getrennte Gralsgemeinschaft pulsierend im Kreis, wie etwas gebaehrend, die Verbundenheit und Abgeschiedenheit darstellt, freut man sich auf den weiteren Abend. Mir hat dieser szenisch viel Freude bereitet.
      Patrick Bahners hat sich 2013 eingehende Gedanken gemacht:
      blogs.faz.net/central/2013/03/…-parsifal-an-der-met-109/

      Wenn ich mich recht erinnere, habe ich das 2013 im alten Forum schon mal eingestellt. Es hat mich sehr beeindruckt.
    • Chevalier de la Force schrieb:

      . "Erlöse, rette mich
      aus schuldbefleckten Händen!", ist eigentlich bei jedem Saenger ein Moment hoechster Intensitaet. Wenn solche Momente ganz bewusst falsettartig gefluestert werden
      Furchtbar, was Sie da schildern! Und dafür gibt man noch Geld aus... ich kaufe mir ja auch keinen Anzug, der mir nicht gefällt. Herzlichen Dank übrigens für Ihren Bericht. Sehr gute Ergänzung zu dem von The Botanist.
    • Schambes schrieb:

      Es hat mich sehr beeindruckt.
      Und es beeindruckt mich beim erneuten Lesen wieder.

      Leider habe ich die Produktion nicht live gesehen, aber damals 2013 die Kino-Übertragung, im Münchner Gloria, das die bestmögliche Akustik zu bieten hat. Diesen "Parsifal" fand ich immens ergreifend (viel mehr als die Version von Stefan Herheim in Bayreuth) und als die DVD rauskam, habe ich sie mir sofort zugelegt. Die Besetzung mit Jonas Kaufmann, René Pape, Peter Mattei, Katarina Dalayman und Evgeny Nikitin dürfte kaum zu toppen sein.
      Ganz besonders beeindruckt war ich von der Amfortas-Darstellung des Peter Mattei. Atemberaubend. Ich glaube, ich hatte noch nie so einen grandiosen Amfortas, dessen Leiden einen zutiefst anrührte und der dabei noch so zu Herzen gehend schön sang:

      Zitat:
      "Peter Mattei als Amfortas überwältigt durch unmenschlichen Schönklang, eine Noblesse, die in der Ritterrepublik ein Skandal ist."