Ein betörender Alban Berg im 4. Symphoniekonzert

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    • Ein betörender Alban Berg im 4. Symphoniekonzert

      Im Februar 1935 übermittelte der amerikanische Geiger Luis Krasner Alban Berg den Auftrag, für seine Europatournee im Folgejahr ihm ein Violinkonzert in Zwölfton-Technik zu komponieren.
      Der Komponist war zwar mitten in der Arbeit zur „Lulu“, benötigte aber dringend die ausgelobten 1500 Dollar, sagte deshalb zu.
      Zunächst entstanden aber nur einige Skizzen, so wahrscheinlich die „Kärntner Volksweise-Ein Vogelauf´m Zwetschgenbaum“.
      Im April 1935 starb dann die Tochter von Alma Werfel und Walter Gropius Manon. Das Ehepaar Berg war mit den Werfels befreundet und der fast fünfzig jährige Alban wohl in die achtzehn jährige Schönheit vernarrt gewesen.
      Der Schmerz über den Verlust, gleichsam als Versuch einerTrauerbewältigung, brachte Berg zur Weiterführung der Arbeit am Violinkonzert als eine Art Requiem zum “Dem Andenken eines Engels“.
      Im 4. Symphoniekonzert der Saison 2017/18 der sächsischen Staatskapelle war die Geigerin Isabelle Faust eine ideale Interpretin dieses ergreifenden Werkes. Mit ausdrucksstarken melodischen Linien entwickelte sie große raumfüllende Töne. Die Schwierigkeiten, die sich beim Hören von Zwölf-Ton-Musik häufig einstellen, traten weniger zutage.
      Die verästelten Kantilenen der Kombination differenzierter Tonarten zeugten von hoher Meisterschaft der Solistin. Es blieb zeitweilig der Wunsch nach der Wohltat einer führenden klaren Melodie. Das aber hatte der Komponist der Solistin verweigert.
      Auch die Begleitung durch das Orchester, Daniel Harding hatte die musikalische Leitung für den erkrankten Robin Ticciati übernommen, erlaubte kaum Erholung.
      Mit dem Bach-Motiv „es ist genug“ löste Isabelle Faust nur zum Teil ihre eigene Anspannung, so dass die deprimierende Wirkung der Darbietung im Raum blieb, zumal die Kurtag-Zugabe einer ungarischen Melodie im gleichen Duktus geblieben war.
      Mich hatte die Wirkung des Violinkonzertes besonders erwischt, da ich am Vormittag des Konzert-Tages einen lieben Freund aus jüngeren Tagen, dessen Freundschaft über die Jahrzehnte stabil geblieben war,zu Grabe tragen und seine Tochter und Enkelin trösten musste.
      Die im zweiten Konzertteil gebotene 4. Symphonie G-Dur von Gustav Mahler hatte ich schon ambitionierter erleben dürfen. Es war eine solide „Handwerksarbeit“des Ur-Briten Harding. Orchester und Dirigent kennen sich seit längerem, sodass es keine Verständigungsprobleme gab. Es war eigentlich alles in Ordnung,aber eben handwerklich und ohne große Emotionen.
      Der Brite mit den italienischen Genen Ticciati wäre wohl besser am Platze gewesen.
      Zum versöhnenden Abschluss gestaltete sich aber das Sopransolo mit den Versen aus des Knaben Wunderhorn. Die glasklare wundervoll-ruhige Stimme der Schweizerin Regula Mühlemann bot einen uneingeschränkten Hörgenuss ohne Fehl und Tadel.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von thomathi ()

    • Hallo Thomathie, ich fand den Berg ja auch nicht schlecht, allerdings nur die ersten 5 Minuten, dann flachte bei mir die Spannung ab. Mit meinen sicherlich beschränkten Kenntnissen der 12-Tonmusik fehlten mir danach ein paar neue Ideen, ich hatte irgendwie das Gefühl, permanent einem ziemlich gleich klingenden Klang ausgesetzt zu sein. Überhaupt nicht langweilig, aber auch nicht wirklich mitreißend. Ich weiß nicht, ob es an Ihrem subjektiven Bachground an diesem Abend lag, (oder eher meinem), mich hat der Engel zumindest nicht betört. Was mich dagegen genervt hat;: die Zugabe. Wozu muss so etwas überhaupt abgeliefert werden? Warum kann ich dann nicht einfach mit der Stimmung des Violonkonzertes in die Pause gehen? Und ganz grundsätzlich: warum braucht eine Mahlersinfonie überhaupt eine Ergänzung? Zuletzt, bei dem Lied von der Erde, hätte ich auch auf den Arvo Pärt verzichten können. Nicht, weil er schlecht war, sondern einfach zu viel. Das MDR-.Sinfonieorchester hatte im letzten November Mahlers 9. im Gewandhaus gespielt, vornweg gab es noch einen Mozart (!), da sind wir dann erst nach der Pause gekommen. Im Juni wird in Halle die 7. aufgeführt - und mit einer Uraufführung angereichert. Vielleicht liegt es an meinem zunehmenden Alter: ich bestelle in Restaurants keine Menüs mehr, allyoucaneat-Buffets tören mich ab. Weil mit der simple Hauptgang reicht. Allem anderen liegt die Tendenz zur Übersättigung zu Grunde. Und somit zum Übergewicht. Zum Glück hat CT für seine 3. im nächsten Monat nicht noch eine Vorspeise ausgesucht.
    • opernwahn schrieb:

      ich fand den Berg ja auch nicht schlecht, allerdings nur die ersten 5 Minuten, dann flachte bei mir die Spannung ab.
      Was mich dagegen genervt hat;: die Zugabe. Wozu muss so etwas überhaupt abgeliefert werden? Warum kann ich dann nicht einfach mit der Stimmung des Violonkonzertes in die Pause gehen?
      Ich habe großes Verständnis für Vielhörer, die Schwierigkeiten mit dem hören von Zwölftonreihen haben und dann im Konzertverlauf abschalten.
      Dazu werden zu selten Zwölfton-Reihen zu Gehör gebracht.
      Mir war aber am Berg-Violinkonzert besonders faszinierend, wie der Komponist g-Moll-, D-Dur-,a-Moll sowie E-Dur-Klänge auffächert und miteinander verschachtelt und Isabelle Faust damit tolle Wirkungen erzielte.
      Sie ist schon eine erfahrene und intelligente Interpretin des Alban-Berg-Konzertes.
      Die Zugabe fand ich auch absolut deplatziert, da diese die deprimierende Stimmung nur noch konservierte. Offenbar war aber Frau Faust selbst so angegriffen, dass keine fröhliche Melodie folgen konnte.
      Andererseits sah sie sich angesichts des Beifalls nicht in der Lage, dem Zugabe-Wunsch des Auditoriums nicht zu entsprechen.
      Ich hätte mir gewünscht, dass dem Konzert kein Beifall und vor allem keine Zugabe gefolgt wären.
      Aber zumindest in Dresden ist es Usus, dass ein Gast-Solist sich seine Gage auch verdienen muss und eben ausgequetscht wird. Da wird ebengeklatscht, selbst wenn der Delinquent eigentlich nicht mehr kann.