Ring 2018

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    • Nach 2x Rheingold auf unterschiedlichen Plätzen:
      Vorweg: Es ist erstaunlich wie groß die Kartennachfrage auch noch am Abend vor der Vorstellung ist. Bei früheren Ringzyklem oder Einzelvorstellungen war es wesentlich leichter, noch eine Karte zu bekommen.
      Zur Sache: Petrenko wird immer schneller: 2.15 incl. des gefühlt endlosen stummen Vorspiels. An den Bewegungschor werde ich mich nicht mehr gewöhnen können. Er stört immer mehr je öfter man die Aufführungen sieht. Es quietscht und keucht und wirkt oft lächerlich. Warum Petrenko so hetzt - worunter in der 1.Aufführung insbesondere die Rheintöchter zu leiden hatten - erschließt sich nicht. Gewiß, Wagner war gegen schleppende Tempi. Aber von früher 2.40, 2.35( nicht Petrenko), über 2.25 ( so das Programmheft) auf jetzt ca. 2.15 ist damit nicht zu begründen. Shitstormgewärtig wage ich es: Thielemann macht es anders und diese Interpretation ziehe ich vor. Da atmet die Musik. Hier gibt es zwar auch einige berührende Momente, meist aber keucht nicht nur der Bewegungschor, sondern auch die Musik - allerdings auf höchstem Niveau.
      Gesungen wurde durchweg sehr gut, wobei der optisch kaum wiedererkennbare Wotan von Koch mir seit seinem Bayreuther Wotan immer gefällt, obwohl er eigentlich nicht die vertraute Wotanstimme hat. Edel besetzt die Riesen , Alberich. Mime und Erda. Der Loge von Norbert Ernst hat mir - wohl im Gegensatz zur Publikumsgunst - nicht recht zugesagt. Er hat einige prägnante Stellen verschenkt ( zB " durch Raub" - auch da hat Petrenko sehr schnell weiterdirigiert), und konnte bei seinem vielen Text und dem rasanten Tempo stimmlich nicht recht überzeugen.
      Trotz meiner Mäkelei: Natürlich hat mich die Musik wieder gepackt, überwältigt. So soll's ja sein. Darauf ist man ja " süchtig ".
    • tomdirigent schrieb:

      Shitstormgewärtig wage ich es
      Zu dieser Aufführung kann ich nichts sagen, aber ganz generell gesehen ist für mich Petrenko durchaus nicht der Gott am Dirigentenhimmel, als der er grundsätzlich gehandelt wird. Vor allem auch bei den Kritikern.
      Ich hatte schon einige Male (auch hier) an ihm etwas auszusetzen. Natürlich

      tomdirigent schrieb:

      auf höchstem Niveau.
      Also, tomdirigent, tun Sie sich keinen Zwang an ;)

      (Beispiel: heute Vormittag kam im BR die "Rosenkavalier"-Suite, dirigiert von Mariss Jansons. Für meinen Geschmack deutlich besser als die Lesart von Petrenko)
    • tomdirigent schrieb:

      Petrenko wird immer schneller:
      Sein schnelles Dirigat hat mir in Bayreuth schon nicht gefallen. Alles zusammen genommen hat mir seine musikalische Interpretation allerdings schon zugesagt.
      @Th.E. So unterschiedlich können Geschmäcker sein. Mir ist nämlich ein Rheingold von Levine oder Knappertsbusch lieber. Wenn ein Rheingold, wie das von Petrenko, so schnell und zügig dirigiert wird, packt mich diese großartige und spannende Musik viel weniger. Ich habe dann das Gefühl, die Musik in ihrer Gänze nicht auskosten zu können.
    • Das Rheingold gestern also. Ich habe meine Zyklus-Karten übers Forum gekauft und sie gestern vor der Vorstellung übernommen. Es gab ein Missverständnis: ich musste zweimal den Zyklus kaufen. Die übrigen Karten hatte ich schon weiterverkauft, bevor ich die Traube der Kartensuchenden vor der ersten Türe erreicht hatte. Soviel zur Nachfrage.
      Der Platz war akustisch extrem ungünstig: 3. Rang Mitte Stehplatz. Hier kommen die Singstimmen überdeutlich an, vom Orchester aber werden viele Frequenzen durch den Überhang der darüberliegenden Galerie abgeblockt, sodass man einen Klang wie durch Watte gedämpft erhält. Deshalb will und kann ich nicht allzuviel vom Dirigat sagen, es ist einfach nicht genug angekommen. Ich habe sehr viel sehr leises gehört, zu viel für einen Wagner, Petrenko hatte anscheinend einen seeeehr sängerfreundlichen Tag. Zu schnell war es mir nicht, und ich habe auch bei den Sängern keine Probleme mit dem Tempo feststellen können. Oder hat John Lundgren sich deshalb so extensiv in den Sprechgesang geworfen? Er wurde jedenfalls mehr gefeiert als Wolfgang Koch, was ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Ein guter Sänger, aber als Alberich hat mir eben Wolfgang Koch oder auch Thomas Konieczny besser gefallen. Beiden gelang die Charakterisierung mit den Stimmfarben besser, Lundgren hatte vor allem beim Fluch zu viel Noblesse in der Stimme.

      Wolfgang Koch war tatsächlich optisch nicht wiederzuerkennen mit der weißen Haarpracht und dem Bart. Aber an der lässigen Handbewegung, mit der er zu Beginn seine Schuhe von sich wirft, dann doch. Es sang den Wotan sehr ausdrucksstark, schön phrasierend und mit viel Mut zum Piano (dank Petrenko kein Problem) aber ohne göttliche Kraft. Wobei es mir beim Rheingold-Wotan immer schwer fällt, diese göttliche Kraft zu erkennen, auch szenisch. Sie bleibt eine Behauptung: die Welt muss er sich erst noch gewinnen, ein Frauenheld, abhängig von Loge, den er für die schmutzigen Arbeiten braucht... Offensichtlich hatte Koch auch Probleme mit der in der Nibelheim Szene extrem steilen Bühne, da setzte er seine Schritte mit deutlicher Vorsicht - er wird's soch nicht im Knie haben?
      Norbert Ernst als Loge hat mir ganz gut gefallen. Er hatte m.E. die richtige Mischung aus Sprechgesang und schönen Bögen gewählt. Ebenfalls gut Markus Eiche als Donner, etwas weniger hat mir Dean Power als Froh gefallen. Er hat eine sehr schöne lyrische Stimme, die mit den Wagner-Partien vielleicht doch überfordert ist. Oder er glaubt, Wagner mit zuviel Druck signen zu müssen.Schon als Steuermann im Tristan hatter er in beiden von mir besuchten Vorstellugnen kleine Kiekser, gestern ebenfalls.
      Der Mime von Wolfgang Ablinger-Sperrhacke sehr gut, ich frage mich, ob er im Siegfried gut von Stefan Vinke zu unterscheiden sein wird.
      Die Riesen luxuriös besetzt mit Alexander Tsymbalyuk als Fasolt und Ain Anger als Fafner. Tsymbalyuk mit seinem tiefschwarzen, samtigen Bass weckte vor allem in seiner Trauer um Freia Mitgefühl. So ein junger, hübscher Riese und dann auch noch so eine Stimme...
      Womit wir beim weiblichen Peronal wären: von den Damen hat mich außer Okka von der Damerau als Erda keine so wirklich beeindruckt. Sie waren alle nicht schlecht, aber das war's. Unsere Okka ist immer wunderbar, weich strömend, bruchlos Register wechselnd, bitte mehr und größere Rollen!
      Kriegenburgs Konzept vom "kollektiven Erzählen" überzeugt mich hier im Rhiengold am meisten, zusammen mit einigen Szenen in Siegfried. Die vielen jungen Körper, die in wogenden Bewegungen den Rhein lebendig werden lassen - ich habe kein Keuchen gehört, Quietschen schon, wenn der Bühneboden sich öffnet, und lächerlich finde ich es auch nicht. Ich würde es gerne mal vom Parkett aus sehen, könnte mir vorstellen, dass manche Szene da noch eindrücklicher wirkt, weil man das "Making of" nicht so mitbekommt, wie von den Rängen.

      Fazit: Gute bis sehr gute Ensemble-Leistung, standortbedingt blieb aber der Wagner-Sog aus.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von susakit ()

    • tomdirigent schrieb:

      Warum Petrenko so hetzt - worunter in der 1.Aufführung insbesondere die Rheintöchter zu leiden hatten - erschließt sich nicht.
      Vielleicht denkt er an Wagners Satz: "Wenn ihr Kerls wärt, würdet ihr das Rheingold in zwei Stunden machen!"
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Der 2. Artikel (Haenchen) ist sehr interessant. Danke, Asteria!
      Wir hatten im alten Forum ja eine Diskussion über die Dauer der Aufführungen in Bayreuth.
      Die Bemerkung Wagners das "Rheingold" betreffend war wohl gemeint im Sinne von "ein bißchen zügiger bitte". Ziemlich schnell waren Suitner und Böhm. Am langsamsten Levine und Furtwängler.
    • Das finde ich auch interessant:

      Zitat:
      "Es ist allgemein bekannt, daß die besondere und viel gelobte Akustik von Bayreuth eigentlich nur wirklich im Parsifal voll funktionsfähig ist. In den frühen Stücken, die für andere Bühnen komponiert wurden und auch im Ring der von viel dichteren Strukturen lebt, als Parsifal, vor allem auch in Meistersinger ist man sich bewußt, daß die Bayreuther Akustik durchaus nicht das Ideal ist, da sie die Kontrapunktik dieser Werke verwischt."

      Ich habe schon immer gefunden, daß der Deckel bei den "Meistersingern" geradezu verfehlt ist.
    • ich werde mal schauen, ob ich nach der Serie einen Gesamtbericht schreibe. Derzeit würde ich mich allerdings auch auf die Seite derer stellen, für die das Rheingold (und auch der Ring insgesamt) vielleicht nicht Petrenkos überzeugendstes Dirigat ist. Mir ganz persönlich fehlt da doch etwas das Gefühl für die Mystik, Atmosphäre und den Fluss des Stückes. Da ist mehr der Zugriff doch etwas zu forsch und zu kantig. Ist aber für mich keine neue Erkenntnis (siehe auch Bayreuth oder der letzte Ring in München), dass ich durch die vielen Nagano-Ringe gerade bei diesem Stück meine Ohrwascheln noch nicht auf Petrenko umstellen konnte. Ist also meckern auf höchschtem Niveau.

      Sängerisch bin ich auch dabei, dass Ernst beim Applaus zu Gut wegkam (für mich eher ein Mime denn ein Loge). Lundgren und Koch sind schon sehr gut gegeneinander besetzt.