Staatskapelle Berlin/Christoph von Dohnanyi, 22.01.2018

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    • Staatskapelle Berlin/Christoph von Dohnanyi, 22.01.2018

      Bei der Aufzählung besonders erfahrener Dirigenten wird er oft vergessen: Ja, Christoph von Dohnanyi gibt noch vereinzelt Konzerte; daß er im März die Salome in Berlin übernimmt, wurde hier schon gemeldet.
      Nach dem gestrigen Konzert sind meine Erwartungen wieder höher: obwohl er sichtbar gealtert ist (dirigiert im Sitzen), haben wir doch den typischen Dohnanyi: runder Klang, sehr gute Detailarbeit, somit großartiges Zusammenspiel der Solisten, keine künstichen Forcierungen: so kannten wir ihn (besonders mit dem Cleveland Orchestra).Bei Bartok, Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, konnte man diese Tugenden bewundern. Absolut durchhörbar gespielt, hörte man, wie sich die Motive durch die Instrumentengruppen bewegten.Forcierungen klangen immer "logisch", nicht mit Dirigentengewalt erzeugt. Die Akustik der Staatsoper passte hier ideal, vom 2. Rang aus klang alles sehr transparent und durchhörbar (so war es auch im Oktober mit den Wiener Philharmonikern).
      Der Brahms war eine Offenbarung: so viele Details habe ich noch nie in einer Zweiten gehört. Und die Jubelausbrüche bei Brahms klingen unter Dohnanyi nie aufgesetzt oder dröhnend. Man mag einwenden, daß hier keine Strukturierung durch den Dirigenten zu vermerken war, jedoch bewegt sich die Sinfonie im Rahmen ihrer eigenen Logik: man muß eben genauer hinhören, um alle musikalischen Stränge zu verstehen, nicht nur die Lauten, Offensichtlichen. Das machten das Dirigat Dohnanyis und die phantastisch ihm folgende Staatskapelle möglich.

      Ein Konzert in der Staatsoper ist eben ein besonderes Erlebnis: wir haben hier nicht die spezielle Konzert-Atmosphäre der Philharmonie; alles wirkt etwas direkter und intimer. Das muß man berücksichtigen, wenn man über die Akustik im Hause urteilt. Übrigens scheinen die Sichtverhältnisse so katastrophal zu sein, daß Besucher im 3. Rang das ganze Konzert stehend verfolgten.