Landestheater Niederbayern

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    • Landestheater Niederbayern

      Das Landestheater Niederbayern hat den Spielplan für die Saison 2018/19 vorgestellt. Vielleicht auch überregional von Interesse ist, dass über die kommenden vier Spielzeiten erstmal in Niederbayern ein Ring geschmiedet werden soll. Im Frühjahr 2019 geht es los mit Rheingold - Regie wird vermutlich wieder Intendant Stefan Tilch führen, der zusammen mit GMD Basil Coleman schon einen sehr beachtlichen Tristan auf die Bühne gebracht hat.

      Diese Saison kommt außerdem noch ein Holländer in gleicher Konstallation, der auch kommende Saison nochmal aufgenommen wird. Also viel Wagner in Passau und Landshut, was aus vielen Gründen für so ein kleines Haus durchaus ein Wagnis ist.

      br.de/nachrichten/niederbayern…ers-niederbayern-100.html

      pnp.de/lokales/stadt_und_landk…theater-Niederbayern.html


      Daneben werden die erfolgreichen Barock- und Belcanto-Reihen mit Ariodante und Anna Bolena fortgesetzt. Außerdem kommt Nabucco, erstaunlicherweise wohl erstmals an diesem Haus.
    • Noch etwas, Reingold, nur zu Ihrer Info. Ich gebe Ihnen normalerweise auf Ihre Bemerkungen - die ja auch zugegebenermaßen manchmal ganz witzig sind - nie ein Dislike. Auch nicht auf Ihre Konter. Ich finde, man kann sich auch mal ein wenig zoffen, ohne gleich rot anzulaufen. Sie aber anscheinend nicht. Dann ziehe ich nach. Auf das rote Ding da drücken kann ich nämlich auch.
    • Ich war einmal im Tristan, in Passau. Ich kenn auch das Haus und seine Entwicklung über die vergangen gut 30 Jahre ganz gut. Ich fand den Tristan durchaus beachtlich. Klar, wenn man größere Häuser als Maßstab nimmt wird man vieles kritisieren können. Und ja, man kann auch fragen, ob ein so kleines Haus unbedingt den Ring spielen muss.

      Aber ich halte es aus verschiedenen Gründen durchaus für berechtigt, mal so etwas "Verrücktes" zu wagen. Heldenbariton hat im Tristan eine gewisse Überforderung festgestellt. Nun ja, das kann ich auch bestätigen, halte das aber auch für normal und nicht per se schlecht. Ist die Überforderung ein Wunder, wenn hier Wagner praktisch nie gespielt wird. Wer als Niederbayer Wagner live hören will muss mindestens nach München, Regensburg oder Linz reisen. Es ist doch durchaus legitim, die Werke eines der wichtigsten Opern-Komponisten auch mal abseits der großen Hochburgen zu präsentieren. Und das Interesse und die Offenheit des Publikums war ja durchaus da. Ich wage sogar zu behaupten, dass man in den großen Metropolen kaum mal so viele „Neulinge“ in eine Wagneroper verirren. Viele davon, meiner Beobachtung nach, mit echtem Interesse und dem Willen, sich auf das Unbekannte mal einzulassen.

      Sicher sind und werden das keine exemplarischen Musteraufführungen, aber immerhin wurde eine nicht geringe Zahl von Musikinteressierten mal mit dem Tristan konfrontiert. Und der Wagner-Freund kann man eines seiner Lieblingswerke vor seine Haustüre und live hören. Und zwar durchaus in einer sehr achtbaren Form, das sind keine Laienauffürhungen. Ja, man muss manchen Kompromiss machen - in Passau muss man in die Dreiländerhalle ausweichen, weil das wunderschöne, aber winzige barocke Opernhaus in jeder Hinsicht zu klein für diese Werke ist. In den Graben passen gerade mal knapp 50 Musiker. Angesichts einer Event-Halle für bis zu 5000 Menschen ist es naheliegend, dass man die Sänger verstärken musste. Was ich schade fand, aber es war auch nicht besonders störend.

      Das Orchester, dass nur ca. 45 feste Musiker hat. musste natürlich durch viele Aushilfen verstärkt werden, dennoch waren es im Tristan immer noch gut und gerne 20 Streicher zu wenig für einen richtig ausbalancierten Wagnersound, der die Dreiländerhalle angemessen gefüllt hätte - aber das ist am Ende halt eine Kostenfrage. Dass Basil Coleman nicht Kirill Petrenko ist muss man wohl auch nicht betonen. Ein besserer Dirigent hätte sicherlich auch aus dem Orchester noch mehr rausholen können. Aber dennoch hat Basil Coleman im Tristan eine Leistung vollbracht, die ihm kaum jemand zugetraut hätte.

      All diesen Abers zum Trotz war die Aufführung für mich durchaus gelungen, ja ich hab sie sogar genossen, war zum Teil richtig gut in der Musik drin und habe großen Respekt für alle Beteiligten. Ich werde mir sicher auch den Ring und wahrscheinlich auch den Holländer anhören. Übrigens waren meiner Meinung nach die Abstriche, die man als Hörer machen musste auch nicht viel größer als wenn man an diesem Haus eine Verdi- oder Mozart-Aufführung besucht. Das Orchester hat sich sehr positiv entwickelt. Wer mal eine Aufführung in den 80er Jahren besucht hatte und das Orchester heute hört wird es nicht wiedererkennen, das ist eine andere Welt.

      Der Tristan, das weiß ich von einigen Musikern, war eine unheimliche Motivation für die meisten Musiker, ein großes Highlight in ihrem oft wenig erfüllenden Alltag. Das ist ein Stück, das die meisten Musiker nur in dieser einen Produktion in ihrer Karriere spielen werden. Ein besonderer Ansporn, mal wieder richtig zu üben, an seine Grenzen zu gehen, rauszukommen aus der Routine. Und es ist etwas, was jeden mit Stolz und Freude erfüllt, wenn man es gut bewältigt hat. Auch etwas, woran das ganze Orchester wachen kann. Noch vor 15, 20 Jahren wäre es ziemlich ausgeschlossen gewesen, an einen Tristan auch nur zu denken. Und wer weiß, wie das Orchester klingen wird, wenn man 2022 bei der Götterdämmerung angekommen sein wird. Es wird sicher nicht zum Schaden für das Niveau des Orchesters sein und wird auch die Operetten-, Mozart- oder Verdi-Abenden besser machen.

      Übrigens ist die etwas überhebliche Haltung manches Großstädters den Niederbayern gegenüber nicht angebracht. Aber lang leben die Vor- und die Pauschalurteile - und wenn man sich dabei überlegen führen kann, dann dient es doch einem guten Zweck :) Nix fia unguad!

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von ulisse ()

    • Lieber Ulisse.

      stimme Ihnen voll zu: wenn ich auf Operabase nachschlage, was jenseits der großen Zentren noch an Wagner gespielt wird, wird mir schlecht. Das führt zu einen Jet-Set, der mit austauschbaren Besetzungen und Produktionen Wagner zu Event macht, das nur noch an großen Häusern möglich ist. Aber auch ein gutes "Provinzorchester" braucht die Erfahrungen mit Wagner und Strauss und wie will man denn Publikum, das nicht in die Metropolen reist, mit Wagner bekannt machen.

      Wenn die Breite wegfällt (was ja sichtbar schon geschehen ist), kommt es zu einer Uniformierung des Erlebnisses. Eigentlich gehört auch die Erfahrung, dass mal was schief geht, auch zum Theatererlebnis (anders als CD).
    • ulisse schrieb:

      Ich war einmal im Tristan, in Passau. Ich kenn auch das Haus und seine Entwicklung über die vergangen gut 30 Jahre ganz gut. Ich fand den Tristan durchaus beachtlich. Klar, wenn man größere Häuser als Maßstab nimmt wird man vieles kritisieren können. Und ja, man kann auch fragen, ob ein so kleines Haus unbedingt den Ring spielen muss.
      Ich kenne Tilch noch von der Uni her, habe mit ihm und Waltraud Meier hin und wieder Pizza gegessen und gehe davon aus daß er weiß was er tut. Er hat durchaus seine Kontakte in die weite Opernwelt, konnte Leute nach Landshut locken die ansonsten an Häusern wie München arbeiten. Und so ein Highlight in der Landshuter Theatergeschichte kann man durchaus mal riskieren. (Nebenbei finde ich es reichlich unverschämt anzunehmen, das niederbayerische Publikum sei mit Wagner überfordert, ich nehme stark an daß die Leute in der Gegend den Namen schon mal gehört haben und wissen daß das schon ein anderes Kaliber ist als der "Vogelhändler"...)
    • ulisse schrieb:

      Es ist doch durchaus legitim, die Werke eines der wichtigsten Opern-Komponisten auch mal abseits der großen Hochburgen zu präsentieren.
      Aber allerdings!
      Danke Ulisse und Gast1 für Ihre Plädoyers.
      Obwohl Münchnerin, habe ich mich doch öfter mal bei "kleineren" Bühnen getummelt, weil gerade das reizvoll ist, zu sehen, was die zuwege bringen. Und bin zu dem Schluß gekommen, daß das oft erstaunlich ist und sehr respektabel. Z.B. war ich einige Male in Nürnberg oder Augsburg, wo ich einen hervorragenden "Tristan" erlebt habe, der mir von der Inszenierung her viel besser gefallen hat als der in München. Natürlich sind die Stimmen kleiner, aber das sind die Häuser ja auch.
      Und auch an den "Tannhäuser" in Wels denke ich mit Freude zurück oder an den "Ring" in Erl.
    • ulisse schrieb:

      Und ja, die Aussage von Tilch fand ich auch etwas seltsam
      Mein Gott, das war halt ein Wortspiel. Und natürlich ist dieser "Ring" als erstes für Niederbayern gedacht, die sind ja am nächsten dran.
      Im übrigen: wenn es um die Stadt Landshut geht, mehr Provinz als Bayreuth ist das auch nicht. Landshut war immerhin mal eine der wichtigen Hauptstädte Bayerns. Und man denke nur an die berühmte "Landshuter Hochzeit", die als historisches Fest noch heute alle 4 Jahre begangen wird.
    • Ähnliches kann man für Passau auch sagen. Passau hat ein wesentlich längere Geschichte als München oder Berlin. In seiner größen Ausdehnung ging die Diözese Passau bis nach Ungarn. Der Wiener Stefans-Dom wurde als Tochterkirche des Passau Stefans-Dom erbaut und von Passauer Bischof geweiht.

      In Passau wurden wohl auch wesentliche Teile des Nibelungenlieds geschrieben - ein Grund mehr, hier gerade den Ring mal zu spielen. Der Name Nibelungen ist auch noch heute allgegenwärtig in Passau. Und der Passau Wolf im Wappen der Stadt geht wohl auf Bischof Wolfger von Erla zurück, der ebenfalls eng mit den Nibelungenlied verbunden ist.

      damals.de/de/13/Alle-Spuren-fu…5&cp=1&action=showDetails

      pnp.de/lokales/landkreis_freyu…oss-Wolfstein-kommen.html

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von ulisse ()

    • ira schrieb:

      Z.B. war ich einige Male in Nürnberg oder Augsburg, wo ich einen hervorragenden "Tristan" erlebt habe, der mir von der Inszenierung her viel besser gefallen hat als der in München.
      Ich stimme Ihnen zu, dass man an mittelgroßen Häusern oftmals guten Wagner hören kann. Die Inszenierungen sind dort oft ansprechender, da sie eben für und mit einem richtigen Ensemble produziert werden und nicht dem üblichen Sängerzirkus, wo der Dirigent dann erst zur Bühnenorchesterprobe anreist.
      Der Verweis auf Augsburg und insbesondere Nürnberg hinkt jedoch. Beide sind finanziell, personell und auch repertoiretechnisch weit besser aufgestellt als das erwähnte und wirklich kleine Passau. Nürnberg ist seit ein paar Jahren sogar Staatstheater; sowohl Augsburg als auch Nürnberg spielen regelmäßig Wagner. Da darf man dann mehr erwarten.