Staatstheater Kassel

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    • Da sich jetzt alles nur noch um Fußball zu drehen scheint, habe ich mich dazu entschlossen, den Empfehlungen meiner Freunde zu folgen und bin die Reise nach Kassel angetreten. Hier gab es eine sensationelle Aufführung von Tristan und Isolde. Ich habe schon zahlreiche gute, mittelmäßige, sehr intensive und hervorragende Aufführungen dieser Oper erleben dürfen und den Satz von Wagner (…nur mittelmässige Aufführungen können mich retten! Vollständig gute müssen die Leute verrückt machen…) nie nachvollziehen können, bis gestern. Ich bin selten so sprachlos und so niedergeschlagen aus einer Oper gekommen. Mir fehlen eigentlich immer noch die Worte, versuche das erlebte aber einmal zusammenzufassen.

      Im Zentrum dieser Aufführung stand eindeutig der Dirigent Constantin Trinks. Seine Interpretation des Werkes war eine für mich sehr schlüssige, da nie zu langsam, nie zu schnell und nie langweilig musiziert wurde. Gleich zu Beginn und nach wenigen Takten horchte ich auf und vernahm ein sehr transparentes und glühendes Vorspiel. In vollkommener Schönheit präsentierten sich die Streicher und zogen mich mit hinein und erzeugten Spannung von Anfang bis Ende. So umsichtig wie Trinks dirigierte und die Sängerinnen und Sänger begleitete, danke ich ihn auch dafür, dass er (anders wie CT) weniger Pathos in die Musik hinein brachte und die Enden nicht unnötig in die Länge zog. Nach fast 5 Stunden entschwebte die Musik zum Liebestod in eine unirdische Sphäre und ich wusste, dass war etwas ganz besonderes. Da ich das Staatsorchester Kassel nie zuvor gehört habe, kann ich nun nicht beurteilen ob es an Trinks liegt oder die in Kassel immer so toll spielen. Alles in allem bescherte Trinks dem Publikum einen festspielwürdigen Abend, der noch lang nachhallen wird.

      Ann Petersen gab die Isolde. Ihre Stimme muss man mögen und ist Geschmackssache wie ich finde. Mich persönlich beeindruckte sie gleich zu Beginn mit „Wie lachend sie mir Lieder singen“. Hier zeigte Petersen wie viel Wut und Demütigung in Isolde steckt und schleuderte alle Spitzentöne in herrlichem fortissimo hinaus. Unter so viel Adrenalin blieb die Stimme den ganzen ersten Akt allerdings so und wurde im zweiten wieder leiser und wunderbar jugendlich-dramatisch. Am Ende überzeugte sie mit einem bezaubernden Liebestod.

      Völlig zufrieden war ich auch mit dem Tristan von Michael Weinius. Ein vielversprechender Heldentenor mit durchschlagender Kraft der sich auch gut zurücknehmen kann. Besonders im zweiten Akt überzeugte er mich und selten habe ich einen so liebenden, zarten und gefühlvollen Tristan erlebt. Im zweiten Akt gab es wieder Dank der beiden Titelhelden und Trinks natürlich einen mitreißenden Sog der dramatisch von Markes erscheinen unterbrochen wurde. Ich habe Andreas Bauer schon einige Male in Frankfurt erlebt, aber nie so gut gehört wie gestern als Marke. Eine tolle Ausdruckskraft und wunderbare Textverständlichkeit runden seinen eindringlichen Vortrag ab.

      Ulrike Schneider (Brangäne), Hansung Yoo (Kurwenal) und alle anderen, die es wert wären zu nennen, fügten sich erstklassig in das Ensemble ein und setzten den Abend die Krone auf.