Berliner Philharmoniker Jansons/Trifonov am 27.01.2018

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    • Berliner Philharmoniker Jansons/Trifonov am 27.01.2018

      Die Papierform versprach einen Ausnahmeabend: Die Philharmoniker dirigiert von Jansons (bekommt man im Moment recht selten), Interpret im Schumann-Klavierkonzert Daniil Trifonov. Ein Gipfeltreffen sozusagen.
      Dann im Schumann-Konzert die Enttäuschung (im Vergleich zu den Erwartungen). Trifonov ist sicher ein Ausnahmepianist, unwahrscheinlich virtuos, unglaublich energisch, aber hier mußte er sich auf ein Werk einlassen, das vom Dialog Klavier-Orchester lebt. Trifonov präsentierte aberwitzige Tempi; zwar lebt das Schumann-Konzert von Extremen - das aber nicht um jeden Preis und schon gar nicht um den Preis der Selbstdarstellung des Pianisten auf Kosten von Werk und Orchesterbegleitung. Pollini hat im Oktober gezeigt, wie es eigentlich sein muß.
      Einzelne Tempi wurden extrem gedehnt, dann in eine Höllenfahrt umgewandelt. Jansons hat sich wohl entschlossen, das Orchester dabei völlig zurückzunehmen, zumindest gab es am dritten Tag keine Probleme in der Koordination (außer dass Herr Ottensamer technische Probleme mit seinem Instrument hatte und kurz von der Bühne musste). Leider wurde das ganze Werk, besonders der Orchesterpart, unter Wert verkauft - es hat überhaupt nicht berührt. Im Nachhinein ist auffällig, dass beim Beifall viel differenziert wurde : Trifonov :Ja, Jansons : heftig, besonders nach dem Bruckner.

      Der stellte im zweiten Teil den guten Eindruck wieder her: diese Aufführung der Sechsten war Jansons erster Bruckner mit den Berlinern. Damit führte sich Jansons hier als hervorragender Bruckner-Dirigent ein : immer waren die Strukturen und Stränge der Sinfonie vernehmbar, nie forcierte Jansons künstlich, immer wieder liessen sich hervorragende solistische Details entdecken: ein Bruckner zum Neuentdecken.

      Hoffen wir, dass das frischgebackene Ehrenmitglied der Philharmoniker uns noch viele eindrucksvolle Abende beschert, er ist immer herzlich willkommen; ich bedauere sehr, dass es nicht (1999 schon und vor 3 Jahren) zu einer engeren Zusammenarbeit gekommen ist.