Chemnitz Der neue Ring 2018

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    • Sonnabend Premiere "Siegfried" in Chemnitz. Nahtlos davor hörte ich Donnerstag und Freitag die 5. von Gustav Mahler (Nelsons/Gewandhausorchester), da lauschte ich dann wenig ergriffen diesem banalen Mist, den Wagner da zusammen geschustert hat. Simpelst gestrickte Musi, die man auch Ralph Siegel zutrauen kann, auch beim 50. Wiedersehen die gleiche langweilige Nummer mit dem kaputten Schwert, der Wurm, der nie kommt, ich habe mich durch die ersten beiden Akte gequält. Allerdings war ich nicht der einzige, besonders die Sänger litten offenbar unter den gleichen Empfindungen, besonders leid tat mit Arnold Bezuyen, den man als Mime verpflichtet hatte. Ich denke nicht, dass er sich diese Rolle freiwillig ausgesucht hatte ... Fafner war bis zu seinem Ableben der beste Sänger ...

      Aber zurück zum Anfang: Der Regisseurin Sabine Hartmannshenn ist das Opus schlichtweg zu kurz, es gibt noch ein musikfreies Vorspiel auf dem Theater, bei dem schwarz eingemümmelte Komparsen zwischen Nebel und Säulen herumwabern, dann kommt eine schwanger aussehende Frau zu Fall und Mime schlachtet sie kurzerhand ab, um dann mit dem Messer aus ihrem Körper einen Säugling heraus zu schneiden. Vielleicht war dies auch ein mißglückter Kaiserschnitt, da bin ich nicht vom Fach ...Der Säugling wächst und wächst, wie selbst der Dümmste es erkennen darf, weil - welch kreativer Lichtblick, aus den Kulissen immer größer werdende Variationen dieses Winzlings auftauchen. Und dann geht es los mit dem Stück, es gibt einen herrlich großen Bären, und Sänger mit kleiner Stimme. Wenigstens darf der Alberich vor seiner Höhle eine Frau vergewaltigen (plötzlich mal was los), und als Zuschauer staune ich nicht schlecht über die Kostüme (Susana Mendoza): Das Waldvögelein sieht aus wie Humperdincks Sandmännchen, für dessen Bekleidung leider kein Geld mehr da war, die Helden tragen über ihren freien und tätowierten Oberkörpern Mäntel oder Westen. Und manchmal hat man auch das Gefühl, ein wenig Wildwest auf der Bühne zu sehen, Wotan als Indianerhäuptling (vielleicht), Erda als Mambo (vielleicht). Besonders toll der weiße Brustpanzer von Brünhilde, den XXLrosinengroße Nippel garnieren. Nach dem zweiten Akt waren wir, enttäuscht von der Akustik, vom Rang ins vordere Parkett umgezogen (stark hörbare Verbesserungen), leider mußte ich dann iriitiert immer wieder auf diese Dinger glotzen, was möglicherweise nicht der weibliche Blick auf die Inszenierung sein kann.

      Es ist nicht alles schlecht schlecht. Besonders im dritten Akt, wenn es endlich auch erträgliche Musik gibt. Da verschwinden die Bäume imiitierenden Säulen im Schnürboden, die Bühne ist leer, und zwischen Christiane Kohl und Daniel Kirch (sehr spielfreudig) entwickelt sich ein sehr genaues, spannendes Spiel. Sehr ergreifend, wie Wotan vorher noch einmal von Brünhilde Abschied nimmt. Die Idee, dass Siggi den dritten Akt über sein Schwert nicht am Mann hat (auch nicht in der Wotanszene), fand ich interessant, bis das Ding dann irgendwann gegen Ende von Brünhilde ohne Erklärung vom Boden aufgehoben wurde. Sehr stimmungsvoll die Lichtgestaltung, sehr mager der Beifall. Dass ein einzelner Wutbürger dann nicht nur auf das Regieteam, sondern auch auf die Kompasen mit einem kuhartigen BuhMuh losging, war so traurig wie der gesamte Abend ...

      Nach dem starken Rheingold, einer sehr langweiligen Walküre nun ein Siegfried, den ich mir nicht noch einmal antun werde. Im Dezember schließt sich der Ring mit der Göda ... Zu den Sängern möchte ich nichts weiter ausführen, im Rang habe ich wie oben geschrieben wenig gehört (was nicht an einem zu lauten Orchester lag), nach dem Umsetzen klang alles deutlich besser, und ich weiß nicht, welcher Eindruck letztlich zählen kann ...

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von opernwahn ()

    • opernwahn schrieb:

      da lauschte ich dann wenig ergriffen diesem banalen Mist, den Wagner da zusammen geschustert hat. Simpelst gestrickte Musi, die man auch Ralph Siegel zutrauen kann

      Da haben Sie wohl die Ironietaste vergessen.
      Daß Sie von dieser offensichtlich idiotischen Inszenierung verärgert sind, rechtfertigt allerdings nicht, den "Siegfried" runterzumachen. Schauen Sie ihn sich halt mal in der Bayer. Staatsoper an.
      Allein das Vorspiel zum 3. Aufzug beispielsweise gehört zum Großartigsten, was Wagner geschrieben hat.
    • Ach ne, Ira, ist dies jetzt einer Leseschwäche geschuldet? Hab ich nicht geschrieben, im dritten Akt käme Musik dazu? Hat Richard nicht selbst gemerkt, dass er nach Akt 1&2 so nicht weiter machen kann? 15 Jahre Abstand, bis der dritte Akt gemeißelt war? Sie brauchen mir München nicht empfehlen, gehört bei den 50 Siegfried-Vorstellungen, die ich gesehen habe, dazu.Und deswegen darf ich auch schreiben, dass Akt 1&2 auch gut bei der Augsburger Puppenkiste ins Repertoire genommen werden dürfen. Und nebenbei: es ist wirklich so, Susakit: ich bekomme den Trauermarsch aus der 5. nicht aus dem Kopf, für das Schmiedelied ist auf der Gehirnfestplatte mome :D ntan kein Platz frei ...
    • opernwahn schrieb:



      Nach dem starken Rheingold, einer sehr langweiligen Walküre nun ein Siegfried, den ich mir nicht noch einmal antun werde. Im Dezember schließt sich der Ring mit der Göda ... Zu den Sängern möchte ich nichts weiter ausführen, im Rang habe ich wie oben geschrieben wenig gehört (was nicht an einem zu lauten Orchester lag), nach dem Umsetzen klang alles deutlich besser, und ich weiß nicht, welcher Eindruck letztlich zählen kann ...
      Nun muss ich auch noch zum Chemnitzer Ring fahren!
    • opernwahn schrieb:

      Ach ne, Ira, ist dies jetzt einer Leseschwäche geschuldet? Hab ich nicht geschrieben, im dritten Akt käme Musik dazu?
      Ich habe keine Leseschwäche (ganz im Gegenteil habe ich mir angetan, was Sie da von sich gegeben haben), aber bei Ihnen hakt es mit der Erinnerung dessen was Sie geschrieben haben (kein Wunder bei dem Wust).
      Sie schrieben nicht, "es käme Musik hinzu", sondern, "wenn es endlich auch ERTRÄGLICHE Musik gibt".
      Sic:

      opernwahn schrieb:

      Besonders im dritten Akt, wenn es endlich auch erträgliche Musik gibt.
      Daher meine Bemerkung bzgl. des Vorspiels zum 3. Aufzug.
    • opernwahn schrieb:

      Nahtlos davor hörte ich Donnerstag und Freitag die 5. von Gustav Mahler (Nelsons/Gewandhausorchester), da lauschte ich dann wenig ergriffen diesem banalen Mist, den Wagner da zusammen geschustert hat. Simpelst gestrickte Musi, die man auch Ralph Siegel zutrauen kann
      Ralph Siegel spielt ganz sicher in derselben Liga:
      songcontest.ch/lieder/2003-deutschland-lou-let-s-get-happy/
    • opernwahn schrieb:

      in den Folgejahren wohl eine Überdosis abbekommen
      Lieber opernwahn, danke für die Info. Meinen ersten "Siegfried" erlebte ich 1993 an der Deutschen Oper. Da "Siegfried" mein Favorit im "Ring" ist (klingt ja wie boxen :D ) kann ich sehr gut verstehen, daß Sie ihn quasi in medizinischen (Über) Dosen inhaliert haben. So eine Überdosis lasse ich mir auch gefallen! Mit Ihren 50 "Siegfrieden" kann ich allerdings nicht mithalten....ich komme nur auf läppische 16 ^^ Ihnen einen schönen Feiertag!