#meetoo und die Kunst

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    • #meetoo und die Kunst

      ira schrieb:

      (Eine Notiz am Rande: wann wird sich Brünnhilde der #me too Bewegung anschließen? Und wie ist das mit Erda und was ist mit dem "Weib, das Alberich bewältigt hat"? Man kann darauf warten, daß der "Ring" verboten wird. In Zeiten, in denen Bilder abgehängt und Gedichte, in denen Frauen und Blumen vorkommen, entfernt werden, wäre das nur folgerichtig. Was kann da noch alles auf uns zukommen...)

      Ich habe gestern abend im Siegfried bei Brünnhildes Erweckung auch kurz an die meetoo-Debatte denken müssen. Aber nur kurz, schließlich bedrängt Siegfried Brünnhlide ja nur mit Worten, nicht mit Taten, und er hält ja auch mal den Mund, wenn sie singt, daraus schließe ich, dass er ihr zuhört, was Männer, die übergriffig werden meistens nicht machen. Wir haben hier auch kein Machtgefälle, das ausgenutzt werden könnte, Wahrscheinlich ist Brünnhilde sogar die mächtigere, denn sie hat mehr Wissen. Und wie sie in Kriegenburgs Inszenierung Siegfried am T-Shirt packt und auf den Rücken wirft, lässt darauf schließen, dass sie auch noch ganz schön viel Kraft hat. Also vielleicht eher ein Fall von meetoo unter umgekehrten Vorzeichen. :)

      Über die Sache mit dem abgehängten Bild wird in der Süddeutschen etwas differenzierter berichtet. Man will einen Diskurs anregen und wird das Bild in anderem Kontext wieder zeigen.
      sueddeutsche.de/kultur/kunst-streben-nach-reinheit-1.3849687
    • susakit schrieb:

      Ich habe gestern abend im Siegfried bei Brünnhildes Erweckung auch kurz an die meetoo-Debatte denken müssen. Aber nur kurz, schließlich bedrängt Siegfried Brünnhlide ja nur mit Worten, nicht mit Taten
      Immerhin entblößt er Brünnhilde ihres Schutzes: "brech ich die engende Brünne".
      "Ich bin ohne Schutz und Schirm, ohne Trutz ein trauriges Weib!"
      Und es heißt doch immer "nein" heißt "nein". Und Brünnhilde sagt zunächst mal ganz entschieden "nein".
      Das paßt sehr wohl ins Schema:
      "Laß, ach laß!
      Lasse von mir!
      Nahe mir nicht
      mit der wütenden Nähe!
      Zwinge mich nicht
      mit dem brechenden Zwang,
      zertrümm're die Traute dir nicht! -"

      Und:
      "So berühre mich nicht,
      trübe mich nicht!"
      usw.

      Also, wenn das nicht ein "#meetoo"- Thema ist!
    • JLSorel schrieb:

      Wenn ich das Stück richtig verstanden habe und auf die Musik höre, kommt es am Ende (wenn der Vorhang gefallen ist) zwischen den beiden, wenn überhaupt, zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr
      Das stimmt. Er hat sie rumgekriegt.
      Ich würde ja nicht ausschließen, daß das bei so einigen realen "metoo"-Fällen auch so abgelaufen sein könnte.....
      Zunächstmal wollte Brünnhilde ganz entschieden nicht.

      JLSorel schrieb:

      Eher schon am Ende des ersten Aktes der Götterdämmerung.
      Da definitiv!
    • ira schrieb:

      Das stimmt. Er hat sie rumgekriegt
      Nun, eigentlich hat sie ja schon am Ende der Walküre in Hinblick auf Siegfried Wotan das schützende Feuer abgetrotzt (das Siegfried-Motiv erklingt da ja bereits). Sie hat es also darauf angelegt. Möglich, dass sie ein wenig Angst vor der eigenen Courage bekommt, als Siegfried dann tatsächlich bei ihr auftaucht.

      Aber:

      BRÜNNHILDE:
      sehr innig
      O Siegfried! Dein war ich von je!


      Und das klingt auch nicht eben danach, als habe sie die Situation nicht unter Kontrolle:

      BRÜNNHILDE:
      Ob jetzt ich dein?
      Siegfried! Siegfried!
      Siehst du mich nicht?
      Wie mein Blick dich verzehrt,
      erblindest du nicht?
      Wie mein Arm dich presst,
      entbrennst du mir nicht?
      Wie in Strömen mein Blut entgegen dir stürmt,
      das wilde Feuer, fühlst du es nicht?
      Fürchtest du, Siegfried,
      fürchtest du nicht das wild wütende Weib?
    • susakit schrieb:

      JLSorel schrieb:

      Angst vor der eigenen Courage bekommt, als Siegfried dann tatsächlich bei ihr auftaucht.
      Vielleicht hat sie ja die fleischliche Seite der Liebe nicht bedacht...
      Andererseits wird sie wissen, dass das im Bauch Sieglindes heranwachsende Baby nicht vom Storch gebracht wurde bzw wird. Auch weiß sie laut eigner Aussage, dass Wotan ein edles Geschlecht zeugte. Also zumindest theoretisch ist sie mit diesen körperlichen Vorgängen durchaus vertraut.
    • susakit schrieb:

      Das hat nichts mit meetoo zu tun.
      Das kommt immer auf die Interpretation an.
      Wie schon gesagt: in realiter haben so manche Vorwürfe möglicherweise auch nichts damit zu tun. Oder es liegt der umgekehrte Fall vor.

      susakit schrieb:

      Vielleicht hat sie ja die fleischliche Seite der Liebe nicht bedacht...
      Spätestens da dann schon:

      "Laß, ach laß!
      Lasse von mir!
      Nahe mir nicht
      mit der wütenden Nähe!
      Zwinge mich nicht
      mit dem brechenden Zwang,
      zertrümm're die Traute dir nicht! -"
    • susakit schrieb:

      Es ist ja meistens keiner dabei.
      Das ist ja das Problem, was das Thema so schwierig macht. Siehe "Die Zeit", die die Sache mit Dieter Wedel öffentlich gemacht hat. Jetzt steht man da, und weiß nicht, was zu tun ist. Die Rundfunkanstalten haben keine Unterlagen mehr (außer dem Saarländischen).

      susakit schrieb:

      Er schlägt einen Bogen vom lächerlichen Pontius Pilatus in "Das Leben des Brian" über Dieter Wedel, den "Konzernbudfy, der Affen und Menschen ... vergast" bis zu Donald Trump und Joe Kaeser.
      Von Alexander Gorkov.
      Genial!
      Ja, der Artikel ist herrlich!
    • Für mich beginnt das Ganze eher in der letzten Szene der Walküre. Wotan hätte sich, finde ich, viele andere 'Strafmaßnahmen' für Brünnhilde einfallen lassen können, aber nein, Wagn... äh ich meinte Wotan entschied sich dafür, dass Brünnhilde in einen Schlaf gelegt werden sollte, aus dem sie nur ein furchtloser Held holen kann. Dass es ein furchtloser Held sein muss, ist zwar eine beträchtliche Einschränkung der möglichen Kandidaten - Wotan rechnet natürlich nicht damit, dass es jemanden geben wird, der seines Speeres Spitze nicht fürchtet -, aber letztendlich läuft seine Botschaft auf "Der erstbeste Kerl, der vorbeikommt, kann dich haben." hinaus. Mir fiele wirklich keine einzige (reale) Frau ein, die sich freiwillig so behandeln lassen würde.

      Ich finde, Brünnhilde hat da viel Besseres verdient, sogar Besseres als Siegfried. (Aber da hätte sich ja Wagner eine andere Geschichte zusammenreimen müssen...)
    • Th.E. schrieb:

      Wotan hätte sich, finde ich, viele andere 'Strafmaßnahmen' für Brünnhilde einfallen lassen können
      Wenn er sich nicht von Fricka hätte bequatschen lassen, wären "Strafmaßnahmen" gar nicht nötig gewesen.

      Th.E. schrieb:

      Wotan entschied sich dafür, dass Brünnhilde in einen Schlaf gelegt werden sollte, aus dem sie nur ein furchtloser Held holen kann.
      Wotan erntschied sich lediglich dafür, Brünnhilde einzuschläfern. Auf die Idee mit dem furchtlosen Held, der sich vom Feuer nicht abhalten lassen würde, kam Brünnhilde selbst.