Statt Radu Lupu Rudolf Buchbinder

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    • Statt Radu Lupu Rudolf Buchbinder

      Der aus Kolumbien stammende derzeitige Chefdirigent des hr-Rundfunksymphonieorchesters Andrés Orozco-Estrada hatte zu Generalprobe undAufführung des 5. Symphoniekonzertes der Staatskapelle geladen.
      Ich hatte mich auf das Wiedersehen mit unserem Capell-Virtuos der Saison 2013/14 Radu Lupu und seiner Interpretation des Mozart-Klavierkonzertes C-Dur KV 467gefreut. Aber der betagte Meister hatte wegen einer Erkrankung abgesagt.
      An seiner Stelle hat uns dann Rudolf Buchbinder in gewohnter Weise mit einer einspielungsreifen Darbietung verwöhnt. Buchbinder hat recht häufig mit dem Orchestersowohl in Dresden als auch auf Konzertreisen auch das KV 467 musiziert. Einige der Konzerte hatte er auch als Dirigent-Solist vom Klaviersessel geleitet. So konnte eigentlich nichts schief gehen.
      Entstanden war das Konzert im Februar 1785 unmittelbar nach dem etwas hektischen Klavierkonzert D-Moll KV 466 unter enormen Zeitdruck,wirkt aber deutlich ausbalancierter.
      Das Orchester beginnt das Allegro maestoso mit heroisch–majestätischem Gestus, das dem Solisten eine lyrisch nachdenkliche Übernahme erlaubt. Buchbinder nutzte die Möglichkeit zu reichen virtuosen Episoden.
      Der zweite Andante-Satz gehört zu den bekanntesten des Mozartischen Schaffens. Auf einem schwebenden Streicher-Hintergrund entwickelten Solist und ausgewählte Instrumente einander ergänzende Klangfarben.
      Mit dem Rondo-Finale „Allegro vivace“ führte uns Solist und Orchester mitten in den Wirbel des Lebens. Sprühende Freude und Lebendigkeit veranlassten die Hörer zu stürmischem Jubel für den im Hause beliebten Pianisten.
      Vor dem Klavierkonzert hatten die Programm-Macher eine Fingerübung von Giacomo Puccini aus dessen Zeit als Schüler eines Konservatoriums „Preludio sinfonico“ in A-Dur angeordnet.
      Interessant allenthalben dass hier bereits Klang-Fetzen zuhören waren, die später in seinen Opern zum Teil tragende Melodien wurden. Auch spürte man Anklänge seiner späteren Tonsprache, aber ansonsten als Stück kaum für ein repräsentatives Konzert geeignet.
      Unklar war mir auch geblieben, warum Orozco-Estrada in derProbe derartig viel Probenzeit auf den Puccini verwendet hat, ohne dem Stück letztendlich zu nützen. Es klang am Abend einfach flach.
      Das Hauptwerk des Abends sollte Hektor Berlioz „Symphonie fantastique“ op. 14 mit dem Untertitel „Episode aus demLeben eines Künstlers“ von 1830 sein.
      Die Komposition umfasste fünf Sätze mit angeblich erklärenden Titeln.
      Nun muss ich gestehen, dass ich die Symphonie fantastique letztmalig vor einigen Jahrzehnten erlebt und mir vor der Probe keine Einspielung angehört hatte, so dass ich in der Probe auch nicht vom Gebotenen sonderlich irritiert war.
      Aber auf dem abendlichen Konzertpodium schleppten sich die Träumereien (Largo,Allegro agitato e appassionato), Ein Ball (Allegro non troppo) und die Szenenauf dem Lande (Adagio) merkwürdig zerfasert über die 40 Minuten.
      Irgendwie gelang es Andrés Orozco-Estrade nicht, die Musikerstraff zusammen zuhalten.
      Lediglich sehr schöne solistische Einlagen insbesondere von der Klarinette, den Flöten und Oboen ließen aufhorchen.
      Erst mit dem Gang zum Richtplatz (Allegro non Troppo) in g-Moll und dem Traum einer Sabbatnacht (Larghetto-Allegro) nahm die Orchesterdarbietung Fahrt auf und begann die Hörer aus einer gewissen Lethargie zu holen und damit den Abend für mich versöhnlich zu Ende zu bringen.
      So dass letztlich Orchester und Dirigent doch noch zu einem akzeptablen Beifall kamen.
      Seltsamer weise hatte mich der Berlioz in der Probe noch eher als am Konzertabend angesprochen, obwohl da auch ziemlich unorthodox agiert worden war.
      Nun sollte man über Proben möglichst nicht berichten. Aber über eine Proben-Szene sei gelästert:
      Ursprünglich waren die beiden Toten-Glocken zur Begleitung des Künstlers zum Schafott auf dem Podium unter den vier! Paukern aufgestellt und bestimmten durchdringend das Klangbild. So wurde zunächst auf dem Podiumnach einem dem gewünschten Effekt dienenden Platz gesucht.
      Der sollte dann hinter dem oberen Bühnentürl gefunden werden,gefiel aber nicht.
      Kräftige junge Männer wuchteten dann die massiven Teile zumRampen-Zugang, dort wo sonst Dirigent und Solist heraus treten. Daselbst wurde zunächst mit Sicht zum Dirigenten versucht, dann mit einen zum Teil zugezogenen Vorhang experimentiert bis dann der fast komplett zugezogene Vorhang zu den ausreichend gedämpftenTotenglocken-Klängen und so zur befriedigenden Lösung führte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thomathi ()