Die Johannes-Passion mit Philippe Herreweghe

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    • Die Johannes-Passion mit Philippe Herreweghe

      Das Gedenken der Stadt Dresden an die Feuerstürme des Februar 1945 sollte eigentlich im 73. Jahr in ruhigeres Fahrwasser gelangen.
      Auch weiß ich aus eigener Familie, meine Frau, 1939 hier geboren, mit der rechten Hand am Kinderwagen der Schwester sowie mit der anderen Hand bei der Großmutter ist als Fünfjährige durch die brennende Stadt geführt worden. Sie hat jahrelang harte therapeutische Arbeit leisten müssen, um das Kindheitstrauma zu bewältigen.
      Leider wird aber das Erinnern an das Geschehen von rechten Kräften für ihre verhängnisvollen Zwecke missbraucht.
      Auch steht noch immer der Verdacht des „Verschwörungstheoretikers“ Guido Knopp in der Diskussion.
      Deshalb war es eine Notwendigkeit, dass die sächsische Staatskapellein in diesem Jahr auf den massiven Chor- und Orchestereinsatz verzichtet hat und Philippe Herrreweghe mit dem“Collegium Vocale Gent" mit den Gedenkkonzerten betraut hat.
      Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion, ansonsten in Sachsen mit der geballten Stimmkraft der Thomaner oder Kruzianer gewohnt, wurde von zwanzig Chorsängern und einem Aufgebot junger Solisten als eine zutiefst berührende Erzählung zu Gehör gebracht.
      Gewählt hatte man die zweite Fassung von 1725, die mit ihren Chorfassungen die zweifelsfrei interessanteste der bekannten Varianten der Johannespassion ist.
      Gerade aus diesen Gründen war die Entscheidung für diese Form des Erinnerns besonders glücklich.
      Herreweghes Bach-Auffassung ist nüchtern, seine Sprache direkt und sein Dirigat straff, so dass er seine Solisten, den Chor und die Dresdner Musiker aufs glücklichste vereinte.
      Der vergleichsweise kleine Chor, für jede Stimmengruppestehen fünf Sänger auf dem Podest und die sechs Gesangssolisten waren stimmlich in hervorragender Verfassung.
      Herausragend allerdings der wunderbare Altus von Damien Guillon.
      Nach der Generalprobe habe ich mir die Passion im Konzert und als Aufzeichnung der MDR-Kultur-Direktübertragung unter Kopfhörer angehört.
      Dabei vermittelte die Aufzeichnung, offenbar auch dank derTontechniker, einen geringfügig komplexeren Eindruck, selbst wenn der unmittelbare Kontakt mit den Agierenden fehlte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thomathi ()