Wiesbaden 2018/2019

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    • The Botanist schrieb:

      Der Spielplan ist online. Schöne Opern und Sängerinnen und Sänger
      Ja, Herr Laufenberg fährt auf, aber alles für die Maifestspiele: DÁrcangelo,Bengtsson,Siri,Kränzle, Behle, Tézier, Lombardi, Schager, Joho...
      Immerhin entgeht das Festspielpublikum dadurch Herrn Ryan

      Und Laufenberg spielt den Dr. Higgins, da kann er ja schon mal üben:

      youtube.com/watch?v=-gA7qq7Ja4U
    • Gestern gab es die Premiere der Meistersinger in der Inszenierung von Bernd Mottl. Die Meistersinger waren in der Inszenierung Fälle fürs Pflegeheim oder zumindest für den Bedarf von Sanitätshäusern (Pflegebett, Gehgestell, Medikamententablett). Irgendwie ging es um den Umgang mit Tradition (Nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme = also der deutschen Kunst). Das liegt durch das Libretto ja auch nicht so fern.

      Für mich war die Inszenierung kein Pflegefall. Soviel überzeugender finde ich die Ideen der Inszenierung von Barrie Kosky in Bayreuth mit den Nürnberger Prozessen und dem Antisemitismus bei Wagner auch nicht. Das Stück mit seinen Schlussversen ist schon recht sperrig zu inszenieren.

      Den meisten Applaus, aber keine Ovationen, bekam Patrick Lange mit dem Orchester, das für mich eine recht ordentliche Leistung ablieferte. Für die Sänger gab es ziemlich gleichmäßigen Applaus. Mir hat mit Abstand am besten Thomas de Vries (Beckmesser) gefallen und Young Doo Park (Pogner) fand ich auch gut. Insgesamt gab es nur freundlichen Applaus (auch für die Inszenierung) und erstaunlich wenige Vorhänge.
    • Am Tag der Einheit gab es mehr Applaus und Jubel.
      Kann mich meinem Vorredner in etwas anschließen, es war immerhin nicht langweilig. Die modernen Bühnenbilder haben mich aber doch gestört, man hat sich per Gehirnwäsche zwar an die Diskerpanz von Bühne und Handlung "gewöhnt", aber ich möchte mich nicht damit abfinden. Ich bevorzuge abstrakt-symbolisch, wenn es sein muss.
      Das Orchester war sehr gut, nur die Vorspiele zum ersten und zweiten Akt klangen mir zu knallig.
      Sehr gut Thomas de Vries als nicht verzeichneter Beckmesser, Marco Jentzsch als Stolzing (hat abgenommen :( ), Oliver Zwarg als Sachs, sehr baritonal, ein paar Bass-Fundamente wären nicht schlecht. Nur Betsy Horne als Eva hat mir nicht gefallen, zu wenig Liebreiz in der Stimme.
      Die Bühne bleibt sauber!
    • Die Inszenierung ist handwerklich sehr gut gemacht, Langeweile kommt tatsächlich nicht auf. Allerdings gab es einiges, was mich doch erheblich gestört hat. Sachs als Tattergreis etwa, der seinen Beruf schon lange aufgegeben hat, ist halt nicht Wagners Sachs. Die Schusterstube im Pflegeheim ist auch nicht mein Ding (erstaunlich dabei, dass Sachs offenbar im Erdgeschoss wohnt, es sei denn, Beckmesser ist ein Fassadenkletterer, sein Zimmer dennoch nur per Aufzug zu erreichen ist...) etc pp.
      Musikalisch war es in der Tat recht ordentlich, insbesondere, was das Orchester anbelangt. De Vries als Beckmesser hat mir persönlich nicht so zugesagt, Zwarg als Sachs sehr solide, wenn auch etwas blass.
      Krasser Ausfall für meinen Geschmack Erik Biegel als David, der sich peinvoll durch den Abend meckerte.
      Schauen wir mal, was die Mannheimer in drei Wochen auf die Beine stellen.
    • JLSorel schrieb:

      Allerdings gab es einiges, was mich doch erheblich gestört hat. Sachs als Tattergreis etwa, der seinen Beruf schon lange aufgegeben hat, ist halt nicht Wagners Sachs.[...] Krasser Ausfall für meinen Geschmack Erik Biegel als David, der sich peinvoll durch den Abend meckerte.
      Kann ich nur unterschreiben. Dass Sachs als einziger aus diesem Seniorenheim ahnt, dass die Meister ihren Zenith überschritten haben und die Pfleger (Lehrbuben) sich über sie amüsieren, war eine gute Idee, aber es war nicht wirklich plausibel, was Eva eigentlich an diesem Pflegefall attraktiv finden könnte. Das bebilderte Vorspiel zum dritten Akt war aber wunderbar melancholisch.
    • Es ist eigentlich schon alles gesagt, aber ich möchte dann doch noch ein paar Worte verlieren und meine Eindrücke von der Premiere schildern.

      Die Inszenierung ist für den ein oder anderen sicher schön anzusehen, zu lachen gab es aber nix. Vielleicht ist das aber auch eine Generationenfrage. Wenn der Versuch unternommen wird lustig zu sein geht das ja meistens schief und so schleppte sich die Personenführungvon Mottlevon Akt zu Akt. Es wirkte auf meine Freunde und mich doch ziemlich banal und sehr ermüdend. Diese Idee mit den wirklich alten Meistersingernund Sachsim Altenheim wäre ganz interessant, wenn sie konsequenter und schärfer gezeigt wurden wäre und nicht von einem peinlichen overactinggeprägt wäre.

      Musiziert wurde auf einem guten Niveau, wobei ich mir vom GMD mehr Mut gewünscht hätte. Alles wirkte sehr kontrolliert und wenig spontan so das man sich nur auf die Sängerinnen und Sänger konzentrieren brauchte. Die Musik aus dem Graben war nur eine nette Beigabe. Sehr schade. Mit Oliver Zwargwar ich nach seinem Baracknun auch mit seinem Sachssehr zufrieden. Sicher und souverän gestaltete er diese Rolle und klang im dritten Akt immer noch ziemlich frisch. Deutlich und mit viel Ausdruck in der Stimme überzeugte er mich. MarcoJentzschals Stolzingmehr als Souverän, wobei hin und wieder ein falscher Ton zu hören war. ErikBiegelhat sich am David mächtig verhoben, mehr möchte ich dazu auch gar nicht sagen. Thomas de Vriesals Beckmesserhat mir mal wieder sehr gut gefallen. Mit welcher Hingabe er singt und spielt ist wirklich toll und macht Spaß. Die andern Rollen waren gut besetzt und fügten sich gut ins Ensemble ein.

      Nicht unerwähnt möchte ich den Chor lassen, der eigentlich der Grund ist sich diese Meisteringernoch einmal anzuhören. Wie deutlich und homogen die Sängerinnen und Sänger klangen war für mich eine kleine Überraschung.
    • Eigentlich lohnt sich ein eigener Meistersinger-Tag...

      Das Presseecho ist gespalten.
      In der FAZ ein Totalverriss (leider nicht online).

      Die FR war dagegen sehr zufrieden:
      fr.de/kultur/theater/oper-jung…lt-in-nuernberg-a-1593156

      Der hr fand es am Ende "merkwürdig traditionell":
      hr2.de/programm/podcasts/frueh…podcast-episode34090.html

      Der "Opernfreund" lobt Sänger und Chor, wirft der Regie aber Haltungslosigkeit vor:
      deropernfreund.de/wiesbaden-12.html

      Der "Neue Merker" ist rundum zufrieden:
      onlinemerker.com/wiesbaden-hes…r-von-nuernberg-premiere/

      Einig sind sich aber alle (außer der FAZ), dass es jedenfalls musikalisch eine runde Sache war.