Wiesbaden 2018/2019

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    • Am Sonntag gab es bei den Maifestspielen den Tannhäuser. Diesmal mit Andreas Schager statt Lance Ryan, Betsy Horne als Elisabeth statt Sabina Cvilak und Albert Pesendorfer statt Young Doo Park als Landgraf Hermann. Natürlich war Andreas Schager eine deutliche Verbesserung, aber auch Betsy Horne gefiel mir ausnehmend gut (Sabina Cvilak hatte mit auch schon gefallen).


      Am Donnerstag gab es die Meistersinger. Mit Michael Volle statt Oliver Zwarg als Sachs, Thomas Blondelle satt Marco Jentzsch als Stolzing, Johannes Kränzle statt Thomas de Vries als Beckmesser, Günther Groissböck statt Young Doo Park als Pogner und Daniel Behle statt Erik Biegel als David. Sängerisch waren die Meistersinger bei den Maifestspielen gegenüber der Premiere auf einem anderen Niveau (mit Ausnahme von Thomas de Vries, der mir als Beckmesser sehr gut gefallen hatte und von Johannes Kränzle nicht in den Schatten gestellt wurde).


      Dem Aufpreis für die Maifestspiele trauere ich in Hinblick auf die Umbesetzungen nicht nach. Die Kartenpreise bewegten sich für das Gebotene in seriösem Rahmen.
    • Die Meistersinger von Nürnberg, 30.05.2019

      Es ist schon bewundernswert, was das Hessische Staatstheater zu den Mai-Festspielen für Besetzungen auf die Bühne stellt. So stand dem GMD Patrick Lange in den Hauptrollen eine fast komplett neue Mannschaft zur Verfügung. Ob das ein Grund für manch merkwürdigen Einsatz war, ob die Schuld beim Dirigenten oder bei den Sängern lag, vermag ich nicht zu sagen. Patrick Lange hat die Oper recht flott nach vorne dirigiert. Positiv ist mir im Orchester das Solo-Cello aufgefallen, während das Solo-Horn kein Festspiel-Niveau hatte. Für mich war es eine große Freude Michael Volle nach vielen Jahren mal wieder als Hans Sachs erlebt zu haben. Er hat die Rolle insgesamt sehr souverän gesungen und vor allen Dingen textlich toll gestaltet. Gespannt war ich auch auf das Rollendebüt des "Berliners" Thomas Blondelle als Stolzing. Seine Probleme in der Höhe sind nicht neu. Zwei Akte lang konnte er sich dennoch gut aus der Affäre ziehen, im 3. Akt jedoch wurde seine ansonsten gute Leistung gemindert. Auch als Typ kam er erfreulich erfrischend daher. Gleiches gilt übrigens auch für Betsy Horne als Eva, die insgesamt ebenfalls erfrischend rüberkam, jedoch in der Höhe ein paar unschöne Töne hatte. Günther Groissböck war als Pogner eine Luxus-Besetzung, auch wenn er nicht so stark war wie bei seinem Gurnemanz in Berlin. Johannes-Martin Kränzle ist ein Wahnsinnstyp. Wie er sich in jeder Rolle neu erfindet, ist große Klasse. Dass ihm in der Höhe ein bis zwei Töne fehlen, kaschiert er sehr geschickt. Sein Beckmesser hatte großen Unterhaltungswert und war insbesondere im Zusammenspiel mit Volle ein Genuss. Auch Daniel Behle als David hatte einen insgesamt sehr unterhaltsamen und überzeugenden Auftritt bevor er in der nächsten Spielzeit in Dortmund den Lohengrin singen wird. Margarete Joswig fiel als umherwirbelnde Magdalene stimmlich ab. Ein Kuriosum in der Meisterriege war für mich als Berliner Reiner Goldberg als Ulrich Eisslinger.
      Die Inszenierung von Bernd Mottl ist sehr kurzweilig und zeigt auf berückende Art und Weise, wie sich das Rad der Generationen dreht. Während Pogner blind ist und auf seinen Rollator angewiesen ist und wie alle anderen Meister im Altersheim seinem Tod entgegensieht, ist Sachs, ebenfalls im Heim, der Einzige, der sein Handwerk noch versteht. Sehr berührend fand ich die Dia-Show, die Sachs sich zu Beginn des 3. Aktes angesehen hat: seine verstorbene Frau, seine Geschäftsaufgabe, den Abriss des Gebäudes, in dem sein Geschäft einmal gewesen ist. Im selben Haus wie das Altersheim ist die Gaststätte Alt-Nürnberg, die im 2. Akt von außen und im 1. Akt sowie auf der Festwiese (hier Festsaal) von innen gezeigt wird. Das ist so aus dem Leben gegriffen, als wäre man selbst schon einmal dort gewesen.
    • Rigoletto, 31.05.2019

      Ich freue mich immer wieder, wenn ich Ludovic Tézier mal wieder live erleben kann. Im Anschluss an die Meistersinger bot sich diese Gelegenheit nun zum Abschluss der Mai-Festspiele. Bei Ludovic Tézier verschmelzen eine kernige Stimme und ein balsamischer Vortrag zu einer wunderbaren Einheit. Der 2. Akt wurde mit seiner Arie und dem Duett mit Gilda so auch zum Höhepunkt des Abends. Cristina Pasaroiu hat mir wieder mit insgesamt schöner Stimme und sicheren Koloraturen gefallen. Nur die obersten Töne klingen bei ihr immer ein wenig steif. Ioan Hotea hat 2015 zusammen mit der durchstartenden Lise Davidsen den 1. Preis beim Operalia-Wettbewerb sowie den Zarzuela-Preis gewonnen. Meiner Meinung nach ist er derzeit bei Rossini und Donizetti besser aufgehoben, zumal seine Stimme doch sehr dünn klingt. Er bekommt zwar alle Töne, hat mir aber in der Höhe nicht gefallen. Seine Stimme klingt in der Mittellage recht angenehm, in der Höhe eher quäkig. Zahlreiche Schluchzer waren auch nicht unbedingt ein Prädikat. Dennoch kommt auch seine Karriere (er ist 29) ganz gut in Fahrt (Wien, München, London). Sehr positiv ist mir Young Doo Park als Sparafucile aufgefallen. Silvia Hauer hat die Riege der Hauptrollen gut komplettiert. Will Humburg hat mit einem flotten und differenzierten Dirigat für einen guten Rahmen gesorgt.