Il Trovatore - DOB

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    • Il Trovatore - DOB

      Eine sehr erfreuliche Angelegenheit war der Trovatore am 15.02.2018. Eine vorzügliche Visitenkarte gab Elenea Stikhina bei ihrem Hausdebüt als Leonore ab (an der Staatsoper hat sie bereits Anfang des Jahres die Mimi gesungen). Ihre recht voluminöse Stimme spricht in allen Lagen gleich gut an. Die Sopranistin, die 2016 den Publikumspreis bei Domingos Operalia gewonnen hat, erhielt zu Recht den meisten Beifall. In Murat Karahan stand ihr einer der derzeit gefragtesten Manricos zur Verfügung. Seine Stimme strahlt nicht unbedingt, klingt jedoch sehr annehmbar und ist mit einer Bombenhöhe gesegnet. Spätestens mit der famos gesungenen Stretta hat er seine Klasse unter Beweis gestellt. George Petean klang zu Beginn ein wenig abgenutzt in der Höhe, sang sich jedoch im Laufe des Abends frei und gab letztendlich einen vorzüglichen Luna. Judit Kutasi, bis Ende der Spielzeit noch Ensemblemitglied, komplettierte ein sehr gutes Sängerquartett. Ievgen Orlov fiel als Ferrando deutlich ab und klang recht ältlich, während Matthew Newlin als Ruiz eine Luxusbesetzung war. Am Pult bot der hochgehandelte Giacomo Sagripanti ein sensibles, aber dennoch zupackendes Dirigat.
    • Die gestrige Aufführung konnte mich nur wenig überzeugen. Ich hatte mir Karten gekauft weil ich Maria Agresta und Anita Rachvelishvili gern hören wollte - letztere war den Besuch auch voll und ganz wert, eine großartige Sängerin, die stimmliche Schönheit und Ausdruck wunderbar verbinden kann (kleiner Seitenhieb gegen die entweder-oder-Debatte in der parallelen Rigoletto-Diskussion). Alles andere war bestenfas ordentlicher Repertoire-Betrieb. Für Frau Agresta war Angel Meade als Leonora mit einer gerade in der Höhe doch recht blechernenen Stimme eingesprungen, die selten den Eindruck machte, dass sie weiß worum es geht. Die Vorschusslorbeeren, die es hier für sie gab, kann ich nicht verstehen. Ebenso Simone Piazzola (Luna) - ein großer Langweiler vor dem Herrn. Und Murat Karahan beeindruckt als Manrico wenn es laut und dramatisch wird, aber wenn es das nicht ist, dann war es eher stimmlich traurig. Enttäuscht war ich auch vom Dirigenten Giacomo Sagripanti. Ich fand das doch sehr haudrauf musiziert, wenig Finesse und im ersten Drittel hatte er auch Mühe, den Laden zusammenzuhalten. Der Chor war nicht mal Repertoireniveau, oder nur schlimmstes. Das war absolut nicht in Ordnung, was die da abgeliefert haben an Klapperei.
      Die Inszenierung von Neuenfels, ich gestehe es, habe ich zum ersten Mal gesehen, ich hatte allerdings den Eindruck, dass ich da eher nur Rudimente sehe. Schade, manches machte den Eindruck dass es mal interessant gewesen sein könnte. (Wobei (Achtung, jetzt Klatsch und Tratsch) sich Neuenfels am Montag als Zuschauer beim Theatertreffen derart aufgeführt hat - großer Abgang mitten im Stück - dass man eigentlich auch keine Lust hatte, sich je wieder eine Inszenierung von ihm anzusehen.)
      Kleine Ergänzung: Marco Mimica als Ferrando sang Piazolla locker an die Wand. Bravo!
    • Friedrich schrieb:

      Enttäuscht war ich auch vom Dirigenten Giacomo Sagripanti. Ich fand das doch sehr haudrauf musiziert, wenig Finesse und im ersten Drittel hatte er auch Mühe, den Laden zusammenzuhalten. Der Chor war nicht mal Repertoireniveau, oder nur schlimmstes. Das war absolut nicht in Ordnung, was die da abgeliefert haben an Klapperei.
      Die Deutsche Oper bringt im Mai 10 verschiedene Opern, das ist dann natürlich klassisches "Repertoireniveau".
      Das gerade der Chor, der das ja auswendig und mit szenischen Abläufen abliefern muss, da nicht alles aufnahmereich präsentiert, ist verständlich.
      Dafür gibt es jetzt eine große Auswahl an Inszenierungen und Sängern.
      In der Form bringt das in Deutschland gerade noch die Bayerische Staatsoper bei den Festspielen.
      Allerdings ist die was Chor und Orchester angeht, sowohl bei der Anzahl der Stellen, als auch der Bezahlung wesentlich besser aufgestellt.
      Das ist immer eine Gratwanderung, und irgendwann ist es vielleicht besser, weniger zu spielen, aber nach der Aktivität hier im Forum, scheint es ja zumindest interessant zu sein.
    • Musikante schrieb:

      Allerdings ist die was Chor und Orchester angeht, sowohl bei der Anzahl der Stellen, als auch der Bezahlung wesentlich besser aufgestellt.
      Die Anzahl der Stellen will ich als Argument noch gelten lassen (die vielen unterschiedlichen Opern im Mai auch), die Bezahlung aber nicht. Man kann auch auf Schlag singen wenn man weniger Geld verdient. Ich arbeite selbst in einem Bereich, wo es vergleichbare Arbeitgeber in anderen Bundesländern gibt, die für die gleiche Stelle besser zahlen. Ich würde, wenn meine Arbeitsqualität kritisiert werden würde, nicht darauf hinweisen, dass ich notwendigerweise nur schlechte Qualität abliefern könne, da es vergleichbare Positionen gibt, die besser bezahlt seien.
      Davon unabhängig kann es der Chor der Deutschen Oper ja oft wesentlich besser.
    • Musikante schrieb:

      Das gerade der Chor, der das ja auswendig und mit szenischen Abläufen abliefern muss, da nicht alles aufnahmereich präsentiert, ist verständlich.
      nein, das ist es eigentlich nicht, denn alle arbeiten ja im Tarif und sind davor geschützt mehr zu proben oder mehr auf der Bühne zu stehen als sonst auch. Ver.di schützt da die Verdi-Musiker. Einmal abgesehen davon sprechen wir hier nicht von überkomplexen Partituren von Messiaen oder Zimmermann, sondern von Verdi. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht gerade unüberwindlich. Schließlich gilt natürlich auch noch was Friedrich geschrieben hat.
      Ich würde mal eher denken, es ist ein Motivations- und Identifikationsproblem, denn da alle im Tarif abgesichert sind, passiert niemanden etwas, wenn es nicht klappt.
      Was auch eine Erklärung für den seit Jahren generell bescheidenen Zustand des Chores ist.
    • Gundryggia schrieb:


      Ich würde mal eher denken, es ist ein Motivations- und Identifikationsproblem, denn da alle im Tarif abgesichert sind, passiert niemanden etwas, wenn es nicht klappt.
      Was auch eine Erklärung für den seit Jahren generell bescheidenen Zustand des Chores ist.
      Das ist ein bisschen kurz gesprungen, finde ich. Oder besitzt der NV Bühne für den allseits geschätzte Chor der Stuttgarter Staatsoper (und viele andere guten Chöre) keine Gültigkeit?
    • Da weiß ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll...
      Im Maskenball - Thread mutmaßt Maestro, ob die vielen verschiedenen Rollen zur Zeit für Harteros vielleicht dazu führten, dass sie erst spät auf Betriebstemperatur kam.
      Ich denke als Künstlerin dürfte sie in ihrer Arbeitseinstellung ziemlich unangreifbar, geradezu vorbildlich sein.
      Also der Zusammenhang im gleichen Zeitraum viele verschiedene Stücke zu spielen, ist schwieriger, als wenige, sollte doch allen verständlich sein.

      Gundryggia schrieb:

      Musikante schrieb:

      Das gerade der Chor, der das ja auswendig und mit szenischen Abläufen abliefern muss, da nicht alles aufnahmereich präsentiert, ist verständlich.
      nein, das ist es eigentlich nicht, denn alle arbeiten ja im Tarif und sind davor geschützt mehr zu proben oder mehr auf der Bühne zu stehen als sonst auch.
      Wenn es mehr verschiedene Stücke gibt, aber der Tarifvertrag (und die 24h, die ein Tag hat) die maximale Zahl von Vorstellungen und Proben vorgeben,
      ist klar, dass es für die vielen verschiedenen Werke keine zusätzlichen Proben geben kann.
      Ich weiß ja nicht, wer hier in musikalischen Gruppen aktiv ist, aber ungeprobte Werke vorzuführen, ist schwieriger als ausführlich eingeübte.
      Wer hätte das gedacht.
      Koordinationsprobleme zwischen Graben und Bühne sind da genau der Klassiker.
      An den meisten Opernhäusern in Deutschland sind im Monat so zwischen 4 und 5 verschiedene Werke üblich.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Musikante ()

    • Ich war nun doch auch bereits am Mittwoch im Trovatore und fand die Vorstellung insgesamt sehr erfreulich. Von meinem Platz aus konnte ich gut den Dirigenten Giacomo Sagripanti beobachten. Er hatte den Laden voll im Griff. Sicher musste er mal den Chor einfangen, mal den Manrico antreiben, aber es haben immer wenige klare Zeichen genügt um wieder auf Kurs zu kommen. Sagripanti gehört zu den besten Dirigenten, die sich in den letzten Jahren hier in der Bismarckstr. vorgestellt haben. Das Publikum wusste die Leistungen der Sänger recht gut einzuschätzen. Die Reihenfolge Rachvelishvili, Meade, Mimica, Karahan und Piazzola kann ich so ungefähr unterschreiben. Klar ist, dass Anita Rachvelishvili die herausragende Leistung des Abends bot. Ihr Auftritt war ein großes Ereignis. Angela Meade hat mir trotz der von Friedrich angesprochenen Abstriche sehr gut gefallen. Die zweite herausragende Leistung des Abends bot jedoch Marko Mimica als Ferrando. Diese Rolle habe ich selten so gut gesungen gehört. Murat Karahan sang den Manrico zuverlässig und in der Stretta sehr gut. Man mag sich die Rolle glanzvoller gesungen wünschen, kann jedoch froh sein, dass in Karahan einer der derzeit führenden Rollenvertreter zur Verfügung stand. Ich freue mich aber auf den Herbst, wenn Sartori an der Staatsoper die Rolle singt. Bei Simone Piazzola hatte ich den Eindruck, dass die Stimme an Volumen gewonnen, an Noblesse jeoch verloren hat. Geblieben ist ein recht emotionslos wirkender Vortrag. Da ich mir jeoch weder Fortune, noch Murray zurückwünsche, ist dies Jammern auf hohem Niveau. Alexandra Ionis klang als Inez interessant, aber vielleicht schon zu reif, während Burkhard Ulrich als Ruiz das Rätsel um seinen Gesang in der Heliane gelöst hat: die Stimme war nicht für die Rolle verstellt, sondern scheint sich in einer Krise zu befinden. Für mich war es kein verschenkter Abend. Leider kann ich am Samstag nicht bei der letzten Vorstellung dieser Produktion dabei sein.
    • Ich habe Fortune zwischen 1985 und 2001 mehrfach als Luna gehört. Ich war zwar nicht in dieser Aufführung, habe ihn aber auch in derselben Spielzeit gehört. Die Aufnahme klingt besser als ich ihn in Erinnerung habe. Gestört hat mich bei ihm, dass seine Stimme kein edles italienisches Timbre hatte und oft recht gaumig klang. Damit stehe ich sicher nicht alleine da. Unbestritten sind sicher seine Zuverlässigkeit im Repertoire-Betrieb und eine Bombenhöhe.