John Lundgren

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    • John Lundgren

      Zu Gast beim IBS
      Die Münchner Opernfreunde

      John Lundgren

      Von der Arbeit mit Schwerkriminellen zu Alberich und Wotan

      Der schwedische Sänger stammt aus einer Kleinstadt zwischen Stockholm und Göteborg. Er erhielt als Kind Klavier und Trompetenunterricht und sang später im Schulchor. Der Chorleiter wurde auf seine Stimme aufmerksam und vermittelte ihm Gesangsunterricht bei einem Opernsänger. Bei diesem stand bereits in der zweiten Stunde Leporellos Registerarie auf dem Programm. Anders als bei seinem früheren Instrumentalunterricht machte John Lundgren beim Singen schnell große Fortschritte, was ihn dazu motivierte, dies zu seinem großen Hobby auszubauen. Er war fortan in den verschiedensten Bereichen als Sänger aktiv, vom Kirchenchor über Musicals bis hin zur Volksmusik.
      Nach Abschluss des Gymnasiums durchlief er eine Offiziersausbildung beim Militär und absolvierte ein Hochschulstudium „Soziale Arbeit“. Anschließend arbeitete er bereits mit 24 Jahren in der Position eines Abteilungsleiters 3 Jahre lang mit Schwerkriminellen, bevor er beschloss, sein Hobby zum Beruf zu machen.
      John Lundgren besuchte eine auf das Konservatorium vorbereitende Musikschule und bewarb sich erfolgreich bei den Opernstudios in Göteborg, Stockholm und Kopenhagen. Seine Wahl fiel schließlich auf Kopenhagen, da dessen Opernhaus die stärkste internationale Ausrichtung aufwies. Noch während seiner Ausbildung wurde der Bariton fest in das Ensemble des Opernhauses in Kopenhagen übernommen, wo er 15 Jahre lang blieb.
      Da man ihm von Anfang an prophezeite, dass er später einmal die großen Rollen in den Opern Richard Wagners singen werde, beschäftigte sich John Lundgren zunächst mit dem italienischen Fach und sang darin im Laufe der Zeit sämtliche großen Bariton Partien. Mit dem Schritt in die Freiberuflichkeit vollzog der Sänger erfolgreich den Wechsel ins Wagner Fach, in dem er sich nun „zu Hause“ fühlt.
      An der Bayerischen Staatsoper ist John Lundgren in dieser Saison als Alberich in „Der Ring des Nibelungen“ engagiert. In dieser Rolle gab er vor einigen Jahren sein Ring Debüt am Opernhaus in Genf. Der Bariton beschreibt die Figur des Alberich als einfachen Mann, der immer ehrlich zu sich selbst ist. Zunächst geht es Alberich nur um Sex, vielleicht auch um Liebe; als ihm beides verwehrt bleibt, strebt er nur noch nach Reichtum und Macht. Als Alberich setzt John Lundgren etwa 80 Prozent seiner Stimme für den charakterlichen Ausdruck und nur rund 20 Prozent für den Schönklang ein. Letzterer ist allerdings nach Überzeugung des Sängers auch in dieser Rolle schon deshalb unverzichtbar, weil selbst in der negativsten Persönlichkeit zumindest gewisse positive Anteile gefunden werden können. Hingegen wäre ein solches Verhältnis von Ausdruck und Schönklang als Wotan dem Publikum allein schon wegen des Umfangs der Partie nicht zumutbar, wie John Lundgren hinzufügte. Er hat die Rolle des Göttervaters inzwischen schon in mehreren Ring Produktionen verkörpert und wird diese in Zukunft überwiegend singen. Als deren größte gesangliche Herausforderung empfindet der Bariton den Weckruf „Wache, Wala!“ des Wanderers im „Siegfried“ - dies freilich neben dem Umfang und der Diversität der musikalischen Anforderungen der Partie.
      Seit einigen Jahren singt John Lundgren regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen, wo er sein Rollendebüt als Wotan in „Die Walküre“ gab als erster Schwede seit 65 Jahren auf dem Grünen Hügel in dieser Rolle, wie er nicht ohne Stolz anmerkte. Große Faszination üben die Richard Wagner Festspiele auf ihn vor allem dadurch aus, dass dort alljährlich die Experten der Wagner Musik zusammenkommen und man als Sänger in deren Wissen geradezu „baden“ kann. Da sich John Lundgren in Bayreuth rundum wohl fühlt, freut er sich sehr darüber, dass er dort auch in den kommenden Jahren eingeladen ist und etwa erneut den Walküre Wotan sowie den Holländer singen wird.
      Auch an die Bayerische Staatsoper wird der sympathische Sänger in den nächsten Jahren immer wieder zurückkehren, unter anderem im Frühjahr 2019 mit einem Ausflug ins italienische Fach als Scarpia.

      Wir freuen uns darauf!

      Martina Bogner

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