Fabians Blog

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    • Mit "rettender Gnade" meinte ich ja auch, dass es gerade nur die Musik ist, die mich zu dieser Oper hinzieht. Sie ist ja immerhin das, was das sog. Libretto einigermaßen zusammenhält. Und, wie ich finde, sollte man das Krenek auf jeden Fall zugutehalten. Aber wenn es um Geschichte, Ideologie oder "großes" Theater geht, würde ich sicher woanders suchen, da kann ich Ihnen zustimmen.
      Garstig glatter
      glitschriger Glimmer!
      Wie gleit' ich aus!
      Mit Händen und Füßen
      nicht fasse noch halt' ich
      das schlecke Geschlüpfer!
      Feuchtes Naß
      füllt mir die Nase:
      verfluchtes Niesen!
    • Katzenmueller schrieb:

      Der Mann ist einfach gut. Man muss seine Meinung nicht teilen, aber man muss ihm lassen, dass er sie immer sehr schlüssig begründet, ohne trocken zu werden, und überhaupt gut schreiben kann.
      Man muss ihm allerdings nicht alles abnehmen: Er schreibt: " Zunächst ist diese für einen ausgewachsenen Baßbariton geschrieben, für einen Wotan im Escorial." Im El Escorial befinden sich zwar die Überreste von Karl V, gebaut wurde der aber erst nach dessen Tod. Wer die Porträts kennt, die Tizian von Karl und Franz I gemacht hat, käme niemals auf die Idee, ausgerechnet Karl als Wotan zu bezeichnen. Wenn man bedenkt, dass die Oper kurz vor Karls Tod spielt, dann würde man eher von dem "Gichtkranken von Yuste" sprechen.
      Was mir auch nicht gefallen hat: "Das ist eine Geschichtsstunde der ganz drögen Sorte, langatmiges katholisches Erbauungsgeschwätz ohne jedweden Ironiefilter."
      Ob die Konflikte, die sich damals anbahnten, und mindestens bis zu Westfälischen Frieden andauerten, für irgendeine Partei erbaulich waren, muss doch wohl bezweifelt werden. Ironisch durch den Kakao ziehen kann man es natürlich, wäre aber nicht mein Ding, dann lieber einen anderen Stoff wählen.
    • Zwischenrufer2 schrieb:

      "ausgewachsenen Baßbariton
      Naja, Krenek weigert sich, von den Chören abgesehen, in der Partitur konkrete Stimmlagen anzugeben (auch wenn es im neuen Wikipedia-Eintrag anders heißt):
      i.imgur.com/ER1vTCK.png
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      das schlecke Geschlüpfer!
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    • Zwischenrufer2 schrieb:

      Man muss ihm allerdings nicht alles abnehmen
      Das sollte man nicht. Ehe man irgendwelche Informationen aus zweiter Hand weiterverwendet, sollte man sie ohnehin immer an einer Quelle prüfen, die sich als verlässlich erwiesen hat. Hier handelt es sich um einen journalistischen Text (eine Kritik), nicht um einen historischen.

      Der »Wotan im Escorial« bezieht sich übrigens auf das Stimmfach, nicht auf die Figur. Ob man bei solchen Benennungen historisch und geographisch exakt sein muss, ist eine andere Frage.

      Aber es stimmt schon: Der Stil der Beiträge Fabians zeichnet sich durch eine gewisse heitere Schlampigkeit (etwas hübsche ausgedrückt: Nonchalance) aus. Allerdings betrifft diese so weit ich das beurteilen kann, nie die Substanz der Sache (also die Aufführung, das Stück, die Darsteller usw.), sondern eher marginale oder ergänzende Punkte. Ich vermute, dass durchaus Absicht dahinter steckt. Das kann man nun freilich mögen oder nicht.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Katzenmueller ()

    • Katzenmueller schrieb:

      Der »Wotan im Escorial« bezieht sich übrigens auf das Stimmfach, nicht auf die Figur.
      Fabius geht wohl davon aus, dass zu einem gewaltigen Reich nur ein Herrscher mit einer gewaltigen Stimme passt. Dabei ist Karl V, auch in dieser Oper, ein armer, getriebener, und eher gehemmter Mensch. Bo Skovhus hat das auch sehr überzeugend verkörpert. Seine Frise hat mir allerdings nicht gefallen. :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zwischenrufer2 ()

    • Nun, ja. Andere Kritiker haben die Partie mit Gurnemanz verglichen. Solche Vergleiche hinken meistens sehr.

      Was mich übrigens viel mehr verwundert: Kein Kritiker und auch sonst niemand schreibt darüber, dass dieser historische Bilderbogen aus der Zeit Karls V. und die Ausbreitung seines großen Plans eines Weltreichs unter dem Zeichen des Kreuzes einen sehr wesentlichen Punkt einfach auslässt. Welcher das ist, springt sofort ins Auge, wenn man das Personenverzeichnis liest: Las Casas taucht nicht auf. Las Casas taucht in einem Stück über das Weltreich Karls V. nicht auf! Las Casas! Nicht vorhanden. Ich verstehe nicht, dass dieser Punkt, der mich seinerzeit bei der Beschäftigung mit diesem Stück ganz fassungslos gemacht hat, nach wie vor keinen interessiert.
      Wobei man auf Las Casas vielleicht verzichten könnte (seine überragende Persönlichkeit könnte den Titelhelden in den Schatten stellen, ihm jedenfalls einiges an Sympathie abgraben), aber damit hängt eben zusammen, dass die ungeheuren Verbrechen, mit denen dieses Weltreich (unvollständig) erbaut wurde, einfach verschwiegen werden. Die Nahezu-Ausrottung Mittel- und Südamerikas, die viehische Ermordung hunderttausender Unschuldiger, die Zerstörung ganzer Kulturen, von denen heute nur noch so spärliche Reste vorhanden sind, dass man sie mühsam rekonstruieren muss, die Vernichtung der Maya-Literatur und damit ihrer Schrift durch katholische Priester usw. usf. - das alles ist keiner Erwähnung wert. Pizarro kommt zwar in einer Fußnote vor, es wird auch erwähnt, dass an seinen Schätzen Blut klebt, aber das ist nicht so schlimm, weil die Reichtümer der Verbreitung des Wahren Glaubens dienen werden, damit die armen Wilden auch das Christentum bekommen und den Geist der wahren Liebe Christi spüren können.
      Es fällt allem Anschein nach keinem auf, die ungeheuerlich das ist. Man nimmt die Behauptung, dass ein katholisches Weltreich etwas Erstrebenswertes wäre, einfach hin. Natürlich ergötzt man sich daran, wie ungeheuer aktuell es ist, wenn die Deutschen erklären, dass sie keine Weltbürger sein wollen. Da haben wir sie ja, die nationalistischen Kleingeister, die Karls großes Werk zum Scheitern gebracht haben! Genau wie heute... - Da stehen also die bösen AfD-Leute und sonstigen Nationalisten in Europa gegen ein Reich, das auf der rücksichtslosen Ausplünderung und Zerstörung zweier Kontinente und der Mord an zahllosen Menschen basiert. Die Deutschen haben immerhin die Wahl. Die Bewohner Mittel- und Südamerikas konnten wählen, die ganze Wucht der christlichen Nächstenliebe zu spüren und durch Feuer und Schwert ihr Leben (und natürlich - darum ging es ja - ihr Hab und Gut) zu lassen, oder sich in die Arme der gütigen Mutter Kirche zu werfen und in den Bergwerken oder sonstigen Produktionsstätten der Spanier zu verrecken.

      Kein Wort darüber, weder im Stück, noch in den Rezensionen, noch sonst irgendwo. Ist dieses unendliche Leid und diese Anhäufung schlimmer Verbrechen wirklich vollkommen egal, wenn nur Musik dazu spielt und irgendwelche Artisten hübsche Hüpfereien veranstalten?
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Katzenmueller schrieb:

      Las Casas taucht nicht auf. Las Casas taucht in einem Stück über das Weltreich Karls V. nicht auf! Las Casas! Nicht vorhanden. Ich verstehe nicht, dass dieser Punkt, der mich seinerzeit bei der Beschäftigung mit diesem Stück ganz fassungslos gemacht hat, nach wie vor keinen interessiert.
      Er interessiert natürlich sehr wohl. Würde aber ob seiner Bedeutung die Oper sprengen. Was wollen Sie denn da noch alles hineinquetschen?

      Wer sich mit Las Casas beschäftigen will, dem empfehle ich:
      "Las Casas vor Karl V." von Reinhold Schneider. Sehr lohnenswert.
    • Katzenmueller schrieb:

      Pizarro kommt zwar in einer Fußnote vor, es wird auch erwähnt, dass an seinen Schätzen Blut klebt, aber das ist nicht so schlimm, weil die Reichtümer der Verbreitung des Wahren Glaubens dienen werden
      Dass das nicht so schlimm sei, habe ich nicht mitbekommen, wohl aber, dass die Spanier dem Kaiser die Schätze nicht für seine Kriegszüge zur Verfügung stellen wollten.