Turandot - Deutsche Oper

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    • Turandot - Deutsche Oper

      Der Gesamteindruck am 03.03.2018 war nach dem 2. Akt stärker als am Ende der Oper. Alexander Vedernikov dirigierte das Orchester in einen Puccini-Rausch, auch wenn der Motor in der Chorszene vor dem Auftritt des Kaisers mal mächtig ins Stottern gekommen ist. Stefano La Colla sang von Beginn an mit Volldampf. Ich mag den Sänger, aber im Laufe des Abends klang die Stimme immer flacher, was insbesondere in seiner Arie zu hören war. Die hat man schon besser gehört. Den besten Eindruck des Abends hat Cristina Pasaroiu als Liu mit schöner Stimme und feinen Piani. Ein guten Eindruck hat auch Albert Pesendorfer als Timur hinterlassen. Die Minister waren u.a. mit Attilio Glaser und vor allen Dingen Dong-Hwan Lee hochkarätig besetzt. Und Ricarda Merbeth? Ich kann beim besten Willen nicht sagen, ob das gut oder schlecht war. Zu Beginn klangen die Töne glucksig. Ich kann nicht sagen, ob sie dann in die Spur gekommen ist oder meine Ohren. Dann fand ich es stellenweise hervorragend, aber auch im dritten Akt musste ich erst wieder bei ihr reinfinden. Merkwürdiger Fall!
    • Seit Bekanntgabe des aktuellen Saison-Spielplans hatte ich mich auf das Rollendebüt von Anna Smirnova gefreut. Für ihre Verhältnisse hat sie die Partie recht verhalten gesungen. Im Endergebnis war das nicht fulminant, aber gut. Im März gibt es drei weitere Aufführungen mit ihr. Ich bin gespannt, ob es da eine Entwicklung gibt. Stefano La Colla sang wie gewohnt mit Volldampf und schleuderte die Spitzentöne nur so raus. Allerdings klngen diese überwiegend weiss und nicht immer sauber. Das hatte mich bei seinem Manrico in der Staatsoper erheblich gestört, beim Kalaf weniger. Dabei ist er durchaus auch zu differenziertem Gesang in der Lage. In der Publikumsgunst ganz oben standen jedoch nicht die Gast-Stars, sondern Ensemble-Mitglied Meechot Marrero bei ihrem Rollendebüt als Liu. Im 1. Akt klang sie noch ein wenig dünn, aber insgesamt hat sie die Rolle mit ihrer wunderschönen Stimme sehr anrührend gestaltet und hat Piani serviert, wei man sie nicht alle Tage hört. Der Timur ist sicher eine kleine Rolle, aber was man aus ihr machen kann, habe ich vor 30 Jahren bei Ghiaurov und Talvela erlebt. Andrew Harris hinterließ keinen nachhaltigen Eindruck. Herausragend unter den Ministern wa, wie schon in der letzten Spielzeit, Dong-Hwan Lee. Die bisherigen Auftritte von Andrea Battistoni fand ich hervorragend. Am Freitag hatte ich jedoch den Eindruck, dass sein mit stoischer Ruhe aufwenig zelebrierter Dirigierstil nicht dazu geführt hat, dass der Laden zusammen gehalten hat. Es hatte etwas von Komik, dass parallel zu seinen ausladenden Bewegungen in den Chorszenen und der Ministerszene eine Hand aus dem Souffleurkasten zu sehen war, die mit kurzer, prägnanter Zeichengebung ein anderes Stück zu dirigieren schien. Insgesamt war die Aufführung ordentlich, aber nichts Besonderes.
    • Die Aufführung gestern war deutlich besser als die im Februar. Einerseits war Anna Smirnova in Rolle der Turandot angekommen und sang eine beeindruckende Prinzessin. Nach der Vorstellung am Sonntag geht es für sie nach Wien, ebenfalls als Turandot. Andererseits war Martin Muehle mit kraftvoller Stimme und Bombenhöhe ein überragender Kalaf. Ebenfalls verbessert und sehr anrührend hat Meechot Marrero die Liu gesungen. Neu dabei war Simon Lim als ordentlicher Timur. Wozu man allerdings bei den zahlreichen guten Bässen im Ensemble einen schwächeren Gast braucht, erschließt sich mir nicht ganz. Unter den weiteren Protagonisten ragte Minister Samuel Dale Johnson heraus. Zum gefühlt ersten Mal seit Peter Gougaloff hieß der Kaiser nicht Peter Maus, sondern Clemens Bieber. Der von zahlreichen Schülern gefeierte Dirigent Andrea Battistoni, der eigentlich zu den von mir besonders geschätzten Dirigenten zählt, trug mit teilweise recht breiten Tempi und plötzlichen Tempowechseln dazu bei, dass, wie schon im Februar, nicht immer alles zusammenlief. Dennoch war das insgesamt ein lohnender Opernabend.
    • Gestern hat mir das Dirigat von Andrea Battistoni ausgesprochen gut gefallen. An die stellenweise sehr breiten Tempi hatte ich mich vielleicht gewöhnt. Auch das Zusammenspiel zwischen Orchester und Bühne klappte diesmal weitgehend reibungslos. Nach dem ersten Akt gab es ein deutliches Buh, am Ende gleich mehrere, bei den Solo-Vorhängen allerdings keins. Ansonsten decken sich meine Eindrücke mit denen vom 28.03.2019.
    • Meine Eindrücke fußen lediglich auf der gestrigen Vorstellung, decken sich aber in weiten Teilen mit der Meinung des geschätzten Kapellmeisters. Ich habe streckenweise den rechten Fuß in den Boden gedrückt in der Hoffnung, daß Andrea Battistoni etwas mehr Gas gibt. Besonders gefallen hat mir Martin Muehle als hervorragender Calaf, sehr anrührend die Liù von Meechot Marrero.
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      Nach der gestrigen Turandot musste ich daran denken, was wohl vor 30 Jahren im Haus passiert wäre. Da hätte niemand bei solchen zum Teil desolaten Leistungen "Bravo" gerufen, sondern es wäre ein Buhgewitter, vor allem über den Tenor, niedergegangen. Ob man Fioronis Inszenierung für gelungen hält oder nicht, darüber darf man gerne streiten, wahrscheinlich aber nicht über die musikalische Seite eines Repertoireabends wie diesem. Was Stefano La Colla dem Publikum anbietet ist ein Geschrei auf Messers Schneide und ein Konzertabend ohne jegliche Spielbeteiligung. Auch nicht eine einzige Geste oder Mimik konnte ich dem Mann entnehmen. Andrew Harris` Timur ein auf alt getrimmter eher junger Bass mit flackerndem Tremolo, viel zu hoch timbriert und mühevoll in der Charakterzeichnung. Die für mich traurigste Szene, bei der Timur den Tod Lius beklagt, ging hier völlig unter. Das lag vielleicht auch an dem seltsamen Sopran Meechot Marreros, noch jung und viel zu zaghaft, eher dunkel timbriert und schlussendlich mit dem größten Schlussapplaus wohl trotzdem ein kleiner Lichtblick. Anna Smirnova hat die Physis für die Turandot nicht, da ist wenig ehrfurchtgebietend, auch nicht in der Stimme. Sie singt vor allem die hohen Lagen mit einem etwas breiten Vibrato meist zielsicher, das Metallische geht ihr allerdings komplett ab. Chor und Orchester wirkten manchmal wie von einem anderen Planeten. Oft gab es verfrühte Einsetzer aus dem Graben (Violine, Piccolo), dann wieder hatte der Chor Mühe mit den breiigen Tempi, die John Fiore wohl besser gefallen als ein Zupacken und genaueres Ausloten dieser Partitur. Fazit: Eine meiner schlimmsten Turandots überhaupt und Anlass für meinen Begleiter, der die Oper nicht kannte, zu sagen: "Wie kann man sich so ein langweiliges Werk mehr als einmal anschauen?" Ich konnte ihm aus der gestrigen Erfahrung heraus und aus seiner Wahrnehmung überhaupt nicht widersprechen. Das Publikum applaudierte kurz - und wie immer machten Studenten Stimmung, als seien sie in der Bar jeder Vernunft. Dieses undifferenzierte Verhalten trägt nicht wirklich dazu bei, den Sängern das zu geben, was sie an diesem Abend, zumindest teilweise, verdient haben, nämlich ein eindeutiges Zeichen der Ablehnung ihrer Leistung.
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      Kapellmeister Storch schrieb:

      Seit Bekanntgabe des aktuellen Saison-Spielplans hatte ich mich auf das Rollendebüt von Anna Smirnova gefreut. Für ihre Verhältnisse hat sie die Partie recht verhalten gesungen. Im Endergebnis war das nicht fulminant, aber gut. In der Publikumsgunst ganz oben standen jedoch nicht die Gast-Stars, sondern Ensemble-Mitglied Meechot Marrero bei ihrem Rollendebüt als Liu. Im 1. Akt klang sie noch ein wenig dünn, aber insgesamt hat sie die Rolle mit ihrer wunderschönen Stimme sehr anrührend gestaltet und hat Piani serviert, wei man sie nicht alle Tage hört.
      Für mich war das gestern mit Smirnova ähnlich. Eine verhaltene Turandot mit wenig Kälte, aber ich hab ihr nix vorzuwerfen. Vom Hocker gerissen hat mich das nicht. Meechot Marrero hat Piani, die man kaum hört. Das ist mir zu zaghaft und auch ihr Timbre ist nicht wirklich mein Geschmack. Aber das ist eben - Geschmacksache ^^

      Beitrag von Monaco ()

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