Uraufführung "Lunea" in Zürich

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    • Uraufführung "Lunea" in Zürich

      Es ist eigentlich schon zu spät, darüber zu berichten, denn die Vorstellung gestern war die letzte der Uraufführungs-Serie. Aber vielleicht, oder hoffentlich, wird sie in einer der kommenden Spielzeiten wieder aufgenommen.
      Keine Oper, sondern Musiktheater, bestehend nicht aus einzelnen Akten, sondern aus 23 "Lebensblättern", Szenen aus dem Leben des Dichters Nikolaus Lenau, von Heinz Holliger komponiert und von ihm selbst dirigiert. Das Libretto besteht nur aus original Prosatexten, Gedanken, Aphorismen, die Lenau auf Zetteln notiert hat in einer Zeit, als er von seiner Krankheit, vermutlich Syphilis, schon beeinträchtig war. Zum Teil zusammenhanglose Wortfetzen, Phantasien. Und Christian Gerhaher singt und spielt diesen Mann am Rande des Wahnsinns und dann dem Wahn verfallen so unbeschreiblich echt, dass man glaubt, man erlebte Lenau selbst auf der Bühne. Sa-gen-haft! Die Gestik, die Mimik, der Ausdruck in der Stimme - mir fehlen die Worte. Ich liebe den sensiblen Gerhaher als Liedsänger und als Wolfram und als Wozzeck (und ich weiß, dass man ihn als Darsteller oft kritisiert), aber das gestern hat alle positiven Erwartungen übertroffen. Und dazu die überwältigende Musik. Normalerweise kann ich mit zeitgenössischen Kompositionen nicht so viel anfangen, aber das war eindrucksvoll. Eine Klangfülle aller Schattierungen, von zartesten, fast melodiösen Tonfolgen, bis zum ohrenbetäubenden Drama, das das Gewitter widerspiegelt, das sich im Kopf Lenaus nach seinem Schlaganfall vermutlich abgespielt hat. Genial dazu Homokis Regie: Jede Bewegung der Sänger exakt auf die Musik abgestimmt, zum Teil fast pantomimisch, in der Bewegung erstarrend. Spannende und witzige Orchestrierung: Ein riesiges Arsenal an Schlagwerk, Kontrabassklarinette (ich wusste bisher nicht, dass es die gibt), Glasharfe, eine Peitsche und eine Papiertüte . Intelligentes, schlichtes Bühnenbild: Enger Raum mit schwarzen Wänden, nach jedem der 23 "Blätter" schiebt sich eine schwarze Wand durch das Bild und nahezu geräuschlos wird währenddessen dahinter umgebaut. Wenn es wieder aufgenommen wird, unbedingt hinfahren. Und die Videos und Fotos auf der Webseite der Oper ansehen, auch wenn es momentan schon zu spät ist: opernhaus.ch/spielplan/kalendarium/lunea/season_11232/