Berliner Philharmoniker Petrenko/Wang am 13.04.2018

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    • Berliner Philharmoniker Petrenko/Wang am 13.04.2018

      Seit seiner Wahl im Jahre 2015 hat Petrenko erst zwei Programme mit den Philharmonikern einstudiert! Das gestrige Programm war sehr ungewöhnlich, ging den bekannten Repertoire-Bravourstücken aus dem Weg. Wollte er Vergleiche noch vor dem Antritt vermeiden?
      Die Programmgestaltung bewirkte, daß die erwartete Kartenschlacht gar nicht erst eintrat; für alle Abende gab es noch Einzelkarten.
      Das Programm begann mit dem Poem "La Peri" von Dukas. Schon dort konnte man die Qualitäten Petrenkos im "tänzerischen" Bereich bewundern: leichte, federnde Rhythmik, sanfte Übergänge, die Solisten atmen und "tanzen" mit. Ein Stück, das durchaus Längen besitzt, wirkte ohne Ausnahme interessant.
      Im zweiten Teil dann das Dritte Prokofiew-Klavierkonzert mit der faszinierenden Solistin Yuja Wang. Durchaus ein Bravoustück für den Solisten, aber eben nicht nur. Frau Wang, optisch mediengerecht aufgestylt, lieferte technisch eine Vorstellung ab, die einen staunen ließ, jedoch übernahm den Part der Doppelbödigkeit Petrenko mit dem Orchester. Dieser Kontrast war aber durchaus wikungsvoll.
      Im letzten Teil dann die Vierte Sinfonie von Franz Schmidt, ein Stück, das die Philharmoniker seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt haben. Vielleicht ist es Petrenkos "Taktik", uns neue, weniger bekannte Welten zu eröffnen? Ich kann mir vorstellen, daß diese Sinfonie unter einem anderen Dirigenten zur Tortur geraten wäre - hier brach der Spannungsfaden niemals ab.

      Petrenko ist ein Meister in der Durchsetzung der Rhythmik - das sieht man ihm auch körperlich an, ebenfalls scheint er perfekt zu sein im Formen von Klangbildern, in der Strukturierung der Stücke, wobei er immer auf technische Perfektion (z.B. bei Übergängen und Einsätzen) achtet.

      Keine der Entscheidungen der Philharmoniker für einen neuen Chefdirigenten war unumstritten (sogar bei Abbado, bei Rattle auf jeden Fall), somit besteht neben einem Risiko immer eine große Chance auf etwas Neues. Ich meine, mit Petrenko besteht diese Hoffnung.