"La Cenerentola", WA 2018

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    • "La Cenerentola", WA 2018

      25.03.2018

      Die etwas überraschende Wiederaufnahme dieser Oper (soweit ich mich erinnere, wurde sie bereits 2015 'zum letzten Mal!' gespielt) war Anlass genug, diese schon per se zauberhafte Oper wieder einmal anzuschauen – umso mehr, als dass Keith Warners ebenso frische wie erfrischende Inszenierung immer wieder Spaß macht: sie zeigt, wie man mit vergleichsweise geringen Mitteln eine Handlung knapp drei Stunden am Laufen hält, ohne dass sich Ermüdungserscheinungen einstellen.
      Rossini hat seiner Oper ohnehin die märchentypischen Elemente genommen und stattdessen eine turbulente Handlung im Stil der Commedia dell'arte geschaffen, in der mit Ausnahme der Titelrolle alle Personen eher holzschnittartig, aber nicht unbedingt unliebenswürdig daherkommen: der Prinz, der um der Erbfolge Willen heiraten muss, aber von seiner Zukünftigen so gerne geliebt werden möchte; der weise Erzieher des Prinzen, der alles in die richtigen Bahnen lenkt; der Kammerdiener, der 'König für einen Tag' spielen darf und das weidlich auskostet...
      Weil das aber alles zu einfach wäre, hat Warner noch eine weitere Ebene in seine Inszenierung eingezogen: es verschwimmen Traum und Wirklichkeit, wenn die Marionetten einer kleinen Bühne plötzlich zum Leben erwachen und die Handlung 'in echt' weiterführen oder wenn die Kutsche und die goldenen Türen des Palastes viel kleiner sind als im richtigen Leben (''Alice im Wunderland'' lässt grüßen...). Sehr hübsch und sehr tiefenpsychologisch ist auch die Szene mit den Schuhen während der Ouvertüre...

      Die musikalische Seite fiel etwas gemischt aus. Julia Dawson, von der wir ja wissen, dass sie Stimme hat, spielte hinreißend, klang aber zuweilen unangemessen leise. Gleiches gilt für die wunderbar zickigen Stiefschwestern (Louise Alder und Anna-Katharina Tonauer). In früheren Vorstellungen war das definitiv nicht so; kann es sein, dass, weil der weit und hoch geöffnete Bühnenraum die höheren Töne mangels Refelektionsfläche sowieso teilweise verschluckt, sich das zudem auf bestimmten Plätzen besonders unschön bemerkbar macht? Bei den Herren trat dieses Problem nämlich nicht auf: Mikheil Kiria war ein schönstimmiger, absolut komischer Don Magnifico (der für meinen Geschmack ein bisschen bedrohlicher hätte sein dürfen); Iurii Samoilov gab einen Dandini, wie man ihn sich besser kaum wünschen könnte, und Thomas Faulkners wohlklingender Alidoro war weitaus deutlicher der Strippenzieher im Hintergrund, als das Libretto vermuten lässt. Lediglich Martin Mitterrutzer als Don Ramiro blieb trotz seines elegant-beweglichen Tenors stimmlich und darstellerisch etwas blass (wobei diese Rolle ja im Grunde auch die blasseste ist... Und weil Angelina das am Ende erkennt, kletter sie nicht zu ihm auf den viel zu großen Thron, sondern bleibt, nunmehr ganz erwachsen und selbstbewusst, allein auf der noch leeren Bühne ihres neuen Lebens, das sie sich nun neu einrichten wird.)
      Leider patzte der Herrenchor immer mal wieder, besonders deutlich bei seinem ersten (Backstage-)Einsatz.

      Trotz dieser kleinen Mängel freute mich die Entdeckung, dass im Spielplan die Anmerkung „Zum letzten Mal“ inzwischen in „Zum letzten Mal in dieser Spielzeit“ abgeändert wurde.
      ... Wunder warten bis zuletzt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Asteria ()

    • Danke für den Bericht. Ich habe es dieses Mal nicht geschafft, aber es gibt ja anscheinend Hoffnung auf eine erneute Wiederaufnahme.
      Das mit der schlechten Bühnenakustik war schon anderen aufgefallen:

      "Die eher lyrischen Stimmen (gerade die der Dawson) leiden unter einem ärgerlichen Spezifikum von Warner-Inszenierungen: einer viel zu tiefen, hoch oben und hinten viel zu offenen Bühne ohne ausreichende Reflexionsflächen. Gerade wenn die Sänger im hinteren Teil des Bühne agieren, gehen sie akustisch regelrecht unter. Immer wieder sieht man dann zwar an den Mundbewegungen der Sänger, daß offenbar gerade Unmengen an Text in rasender Geschwindigkeit bewältigt werden, jedoch bleibt allzu viel davon auf der Bühne kleben, überwindet nur mit Mühe den Orchestergraben und kommt nur gedimmt im Zuschauerraum an. So hatte Warner auch in seinen Frankfurter Inszenierungen von „Hänsel und Gretel“ und „Falstaff“ die Sänger immer wieder ins akustische Abseits gestellt. Es ist erstaunlich, daß einem solchen Könner seines Fachs der akustische Aspekt seiner so gut durchdachten Regiearbeiten offenbar unwichtig ist."

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