Saison 2018/2019

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    • Saison 2018/2019

      wiener-staatsoper.at/fileadmin…SV_Kern_2018_2019_low.pdf

      harte Kost teilweise wieder; wirklich hinfahren würden ich nur für die Troyens, wobei die McVicar Produktion ja auch schon mehrere Jahre auf dem Buckel hat (in London war die Premiere 2012);Jovanovich und di Donato sollten aber gut zusammen passen (Altinoglou auch sehr interesseant); die Besetzungen in den Wagner-Opern zeigen sich mal wieder durch abosulte Einfallslosigkeit aus.
    • Zwei weitere Rezensionen:

      Intensives Morden und Singen bei "Tosca" an der Staatsoper
      Dank Piotr Beczała als Cavaradossi ein glanzvoller Abend -
      derstandard.at/2000097741517/I…i-Tosca-an-der-Staatsoper

      Piotr Beczala: Ein fabelhafter neuer Cavaradossi
      Opernkritik: Der Tenor wurde bei seinem Rollendebüt an der Wiener Staatsoper in Giacomo Puccinis "Tosca" bejubelt.
      kurier.at/kultur/piotr-beczala…uer-cavaradossi/400402232
    • Simon Boccanegra, 29.03.2019

      Meine ersten Opernerlebnisse in Wien liegen fast auf den Tag genau 25 Jahre zurück. Damals hat Carlos Kleiber den Rosenkavalier dirigiert. Die Produktion von Simon Boccanegra habe ich zufällig schon einmal vor 11 Jahren mit Leo Nucci in der Titelpartie erlebt. Nun also Placido Domingo, den ich seit seinem Bariton-Debüt etliche Male an der Staatsoper Berlin in dieser Rolle erlebt habe. Dass der Zahn der Zeit an seiner Stimme nagt, ist offensichtlich und wenig verwunderlich. Während des Prologs habe ich noch das Schlimmste befürchtet, aber letztendlich hat er die Kurve gekriegt und mich immer noch als Doge berührt. Insbesondere das Duett mit Amelia im 1. Akt war ein schöner Moment dieser Aufführung. Seine Kurzatmigkeit ist nicht mehr so eklatant wie z. B. bei seinem ersten Macbeth in Berlin. Kwangchul Young, 26 Jahre jünger als Domingo, ist leider nur noch ein Schatten früherer Tage. Das ist bedauerlich. Für mich war der Fiesco immer eine seiner stärksten Rollen gewesen. Im Prolog traten seine Abnutzungserscheinungen mit heftigem Vibrato in der Höhe besonders zu Tage. Erfreulicherweise kam er im weiteren Verlauf des Abends besser zurecht. So geriet auch das Duett mit Gabriele im 1. Akt zu einem schönen Moment. Auf Francesco Meli hatte ich mich besonders gefreut. Seine Stimme ist zwar alles andere als schön, aber ich schätze ihn für seine hervorragende Gesangskultur und seine Zuverlässigkeit. Bei ihm muss man sich um keinen Ton sorgen. Für mich bot er die beste Leistung des Abends. Ein rausgedrückter Ton sei ihm verziehen. Sehr erfreulich war auch die Begegnung mit Eleonora Buratto als Amelia. Ihre Stimme ist vielleicht noch einen Tick zu leicht für die Partie, aber sie hat mit sehr weich geführter Stimme und attraktivem Timbre die Amelia wundervoll berührend gesungen. Einzig im 1. Akt gab es ein oder zwei Stellen, in denen sie ein wenig die Linie verloren hat. Marco Caria hat den Paolo mit gesundem, kraftvollem Bariton gesungen. Besonders attraktiv finde ich sein Timbre allerdings nicht. Das Dirigat von Philippe Auguin war recht breit und unauffällig. Er war den Sängern ein aufmerksamer Begleiter, aber ich habe die Oper schon mit mehr dramatischen Zugriff gehört. Ein Sonderlob geht an das tadellose Orchester.

      Ich bin schon ein paar Jahre nicht mehr in der Wiener Staatsoper gewesen. Ist es normal, dass oben in der Galerie ein bewaffneter Polizist steht oder war das dem Umstand geschuldet, dass es im ersten Teil einige Streitigkeiten mit Touristen auf den Stehplätzen gegeben hatte. Diese waren übrigens nach der Pause überwiegend leer. Vor der Aufführung haben mehrere Frauen direkt vor meinem Platz gestanden. Das hätte heiter werden können, aber das Personal hat da rigoros durchgegriffen.
    • Bedrückender und intensiver hätte die gestrige Premiere von Orest (Manfred Trojahn) nicht über die Bühne gehen können, die mit dem Schrei der Klytaimnestra begann und meinem (inneren) Schrei endete. Schon lange nicht mehr hat mich eine zeitgenösische Oper so in den Bann gezogen wie diese gestern in der Wiener Staatsoper. Das lag vor allem an der gennialen Zusammenarbeit von Boder (Dirigat), Marelli (Regie, Bühne und Licht) und den Sängerinnen und Sängern.

      Die Bühne ist ziemlich reduziert und dunkel/düster. Leicht angerundet und nach hinten verjüngt sie der Raum und erinnert doch ziemlich an ein Schneckenhaus, in dem sich Orest zurückgezogen hat? Den Kostümen nach würde man allerding denken, dass Orest und Elektra in einer Psychiatrie untergebracht sind, so trist und schlicht deren Kostüme, so luxuriöser und schöner die Kostüme der anderen Beteiligten. Welchen Sinn das ergibt, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, nur dahingehend macht es Sinn, das Orest und Elektra ausgebrannte und psychisch kranke Persönlichkeiten sind.

      Dies spielen und singen in Perfektion Thomas Johannes Mayer (Orest) und Evelyn Herlitzius (Elektra). Mayer gelingt eine spannende und packende Rolleninterpretation. Diese gequälte und leidende Seele nicht nur darstellerisch sondern auch gesanglich rüberzubringen ist schon eine große Kunst und aller Achtung wert. Sein Bariton strömt und flutet durch die Staatsoper und erschauert zugleich in den Momenten besonders, an denen sich Orest an seine Mutter erinnert. Herlitzius wie immer ein wahres Bühnentier, da bespringt sie Orest, da schwingt sie das Beil in einer Glaubwürdigkeit, dass es einem gruselt und später sitzt sie verklärt und leer am Bodern. So richtig habe ich es jetzt erst realisiert, dass, wie sie sagte, nun ins "dramatische Mezzofach" gewechselt ist. Durch Mark und Bein geht immer noch ihre Stimme und hinzu kommt eine tolle Mittellage, die einfach nur beeindruckend ist und die Vorfreude auf ihre Amme steigert.

      Thomes Ebenstein (Menelaos), Daniel Johansson (Apollo) und Laura Aikin (Helena) stehen Mayer und Herlitzius in nichs nach. Sie bewältigen allesamt diese enormen Kraftanstrengungen und werden gerechterweise ebenso gefeiert. Besonders hervorheben möchte ich Audrey Luna (Hermione) die mit wunderschöner Stimme in den höchsten Regionen sicher und durchschlagend überzeugte.

      Musikalisch war diese Oper bei Boder in den besten Händen. Nie hat sich das Orchester in den Vordergrund gestellt und die Sängerinnen und Sänger konnten sich wirklich frei entfalten. Lediglich das Intermezzo hätte kraftvoller sein können.

      Alles in allem ein toller und in jeder Hinsicht beeindruckender Opernabend der szenisch wie musikalisch keine Wünsche offen lässt. Eine Reise nach Wien lohnt unbedingt!