"Tosca" mit Christian Thielemann in Dresden

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    • "Tosca" mit Christian Thielemann in Dresden

      Für die Spiegelung des Opernprogramms der Salzburger Osterfestspiele im Spielplan der Semperoper mit Christian Thielemann hatte man in diesem Jahr nicht, wie in den vergangenen Jahren, die Festspiel-Inszenierung von Michael Sturminger übernommen, sondern auf die Hausinszenierung des Johannes Schaaf von 2009 zurück gegriffen.

      Eigentlich sollte aber zumindest die Besetzung der Hauptpartien von den Osterfestspielen übernommen werden. Aber seit dem April 2017 ist Anja Harteros von der Besetzungsliste verschwunden und durch die Dresdner Stamm-Tosca aus Kanada Adrianne Pieczonka ersetzt worden.

      Die Inszenierung von Johannes Schaaf dürfte vielen Opernfreunden bekannt sein, denn sie ist, wenn auch mit Unterbrechungen seit 2009 im Spielplan des Hauses. Auch dürfte sie dem intimen Charakter des Hauses besser angepasst sein, als der doch etwas überladene Bühnenaufbau von Renate Martin und Andreas Donhauser im Salzburger Festspielhaus.

      Der Inszenierung merkt man auch an, dass Schaaf ursprünglich beim Fernsehen und später im Schauspiel gearbeitet hat.Er erzählt die Geschichte was im Text und in den Noten steht.Gerade so viel Details, dass man dem Verlauf gut folgen kann ohne die Beziehung zur Musik zu vernachlässigen.

      Zumindest ich habe weder die Tiefgaragen-Knallerei, noch die Kinder-Malstunde zu“ wie sich die Bilder gleichen“, die Tablets bei den Scarpia-Bürokraten und vor allem die Kindersoldaten vermisst.

      Die Staatskapelle mit dem Dirigat Christian Thielemann klingt natürlich im Semperbau kompakter und eleganter als im Salzburger Festspielhaus. Es bleibt doch deutlich, dass ihr „Dresdner Klang“ auf die akustischen Bedingungen des Hauses abgestimmt ist. Das war deutlich mehr als simple Gesangsbegleitung. Zum Gefühl in der Komposition Puccini bleibt immer eine gewisse angenehme Distanz, nie wird es sentimental. Auch wird nicht auf ein dramatisches Auftrumpfen verzichtet, aber alles in der Dramaturgie des Komponisten, bei der die Melodik im Vordergrund steht.

      Es wäre ungerecht, die Floria Tosca der Adrienne Pieczonka gegen die Salzburger Tosca aufzuwiegen. Auf jeden Fall war sie anders und auch individueller. Die Regie und vor allem die Kostümbildnerin haben die Dresdner Tosca mehr als ein einfaches Mädchen vom Lande und weniger als die Primadonna angelegt. Erst in den Auseinandersetzungen mit Scarpia wächst sie zum Charakter.

      Dank der kleineren Bühne konnte Frau Pieczonka ihre Stimme und ihr Spiel frei entfalten. Besonders ergreifend ihr Gebet „Nur der Kunst, der Liebe weiht ich mein Leben“ im 2. Akt, für das sie auch (eigentlich den Ablauf des Geschehens störenden) Szenenapplaus erhielt.

      Dem Mario Cavaradossi von Aleksandrs Antoņenko kam auch das kompakte Haus mit der guten Klangentwicklung zu gute. Auch kennt er Haus und die Inszenierung bestens, hat er doch bereits 2009 die Premiere gesungen.

      Musikalisch besonders beeindruckend im dritten Akt der Abschiedsgesang des Cavaradossi und das Liebesduett.

      Der Scarpia von Ludovik Tézier charakterisiert stimmgewaltig den skrupellosen Despoten, differenziert in seiner Brutalität und sinnlichen Gier.

      Viel Freude bereitete der lockere Mesner von Matteo Peirone.

      Für die übrigen Partien waren die Repertoire-Sänger des Hausensembles bzw. des „Jungen Ensembles Semperoper“ sowie ein Knabensopran aus dem Kreuzchor eingesetzt.

      Der Chor und der Kinderchor des Hauses boten die inzwischen gewohnte Qualität.

      Auch wie bei von Christian Thielemann inzwischen üblich: Überwiegend Besucher von Außerhalb, so dass die Tiefgarage angenehm leer blieb und der Fahrzeugabfluss ungewöhnlich ruhig verlief.

      Vorher aber noch der stürmische stehende Beifall für den Dirigenten, das Orchester und vor allem Adrienne Pieczonka, Aleksandrs Antonenko und Ludovik Tézier.
    • Danke, lieber thomathi, das ist gerade im Vergleich mit Salzburg sehr interessant.

      thomathi schrieb:

      Er erzählt die Geschichte was im Text und in den Noten steht.Gerade so viel Details, dass man dem Verlauf gut folgen kann ohne die Beziehung zur Musik zu vernachlässigen.
      Das gibt es ja nur noch selten, daß ein Regisseur die Geschichte inszeniert, wie sie im Text und in den Noten steht. Und auch nicht so detailversessen ist, daß man von der Musik abgelenkt ist. Wunderbar!

      thomathi schrieb:

      Musikalisch besonders beeindruckend im dritten Akt der Abschiedsgesang des Cavaradossi und das Liebesduett.
      Ich fand auch in Salzburg, daß das "E lucevan le stelle" Antonenko sehr gut gelungen ist.
      Das war nicht zu erwarten, denn besonders den 1. Akt hat er mehr oder weniger verdorben.

      thomathi schrieb:

      Zumindest ich habe weder die Tiefgaragen-Knallerei, noch die Kinder-Malstunde zu“ wie sich die Bilder gleichen“, die Tablets bei den Scarpia-Bürokraten und vor allem die Kindersoldaten vermisst.
      Damit haben Sie die ärgerlichsten "Sturminger-Details" benannt. ;(
    • Ich bin immer noch total geflasht von der Aufführung gestern. Bis auf Parsifal habe ich keine Oper so oft gehört wie Tosca. Und dann stellt sich Christian Thielemann ans Pult und macht die Oper zu einem ganz neuen Erlebnis. Unglaublich, welche süßlichen Klänge er mit der überragenden Staatskapelle in die Semperoper gezaubert hat. Und dennoch hat es auch an dramatischer Wucht nicht gefehlt. Den Sängern war Thielemann ein genialer Begleiter. Ich habe sicher schon bessere Besetzungen als gestern erlebt, und dennoch war ich rundum zufrieden. Überragend fand ich Ludovic Tézier, der den Scarpia mit noble und dennoch kernigem Bariton sang. Auch wenn die Stimme von Adrienne Pieczonka stellenweise in der Höhe gescheppert hat, war ihre Tosca von absolutem Format. Aleksandr Antonenko wirkte bei seiner Auftrittsarie zunächst wie ein Fremdkörper. Auch wenn ihm andere Rollen besser liegen sollten - ich denke an seinen tollen Dick Johnson -, war der Rest durchaus auf der Habenseite. So kraftvoll gesungen hört man den Cavaradossi nicht alle Tage! Ein toller Oper Nachmittag!