Rigoletto - Deutsche Oper

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    • Rigoletto - Deutsche Oper

      Die Vorstellung gestern war zwar schlecht verkauft, dafür aber deutlich interessanter als der Ballo einen Tag zuvor. Ich bin kein Fan von Simon Keenlyside im italienischen Fach, aber sein Rigoletto gestern war ganz großes Kino. in der bescheuerten Inszenierung, in der Rigoletto zu Beginn als Lametta-Hase rumlaufen muss, sah er ohne Hasenkopf ein wenig wie Mick Jagger auf Koks aus und wirbelte auch so über die Bühne. Mit seinem virilen Bariton setzte er ein absolutes Glanzlicht. Ein weiteres Highlight war Albina Shagimuratova als Gilda. Mit etwas eigentümlicher, trompetenhafter Tongebung war sie für mich eine echte Entdeckung. Stephen Costello war ein ordentlicher Herzog. Im Laufe des Abends empfand ich allerdings die Mühe, mit der er sich zu hohen Tönen hingearbeitet hat, als ermüdend. Bei Tobias Kehrer hatte ich zuletzt den Eindruck, dass seine stimmliche Entwicklung stagniert. Sein Sparafucile ist und bleibt jedoch eine absolute Attraktion.So durfte er sich über wesentlich mehr Beifall freuen als die ebenfalls gute Judit Kutasi, die als Maddalena und als Giovanna zu gefallen wusste. Die Nebenrollen waren auch wieder vorzüglich besetzt. Herausragend war wiederum Derek Welton als Monterone. Guillermo Garcia Calvo hat mit viel Zug dirigiert. Ich fand die Tempi stellenweise aberwitzig schnell, so dass hier und da der Raum zum Atmen gefehlt hat.
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Mit seinem virilen Bariton setzte er ein absolutes Glanzlicht.
      Da muß er sich aber sehr stark weiterentwickelt haben. Mit dem Adjektiv "viril" habe ich ihn eigentlich noch nie in Verbindung gebracht (möglich ist allerdings, daß die männliche Einschätzung diesbzgl. von der weiblichen differiert ;) ). Und auch nicht mit "Glanzlicht". Ich empfand ihn mehrheitlich als reichlich blaß, so z.B. auch als Macbeth. Auch seine Bühnepräsenz wirkte auf mich eher als etwas minderbemittelt. Jedenfalls kein Sänger, der sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sobald er die Bühne betritt.
      Aber, so wie ich das sehe, fanden ja auch Sie ihn in der gestrigen Aufführung besser als sonst.
    • auch wenn es nichts zur Sache tut, weil ich die Vorstellung nicht gesehen habe (das geht Ira aber genauso;-)), aber Keenlyside gefällt mir normalerweise gerade deshalb sehr gut, weil er eben nie sich selbst spielt, sondern immer die jeweilige Rolle, und sich daher so gut wie kaum ein anderer Sänger auch bei Repertoireaufführungen der Intension der jeweiligen Produktion folgt, in der er gerade auftritt. Kein Showman, sondern bescheiden, ernst und ausdrucksstark; einfach nur ein fantastischer Sängerdarsteller (egal ob als Germont, Wozzeck, Giovanni oder Wolfram).

      Leider hat er seiner Stimme, wie auch bsp. Tezier oder Hampson, keinen Gefallen mit dem Wechsel in das Verdifach getan. Gut zu hören, dass er wieder bei Stimme ist (der Macbeth in München wirkte doch in der Attacke noch etwas angestrengt)
    • Ich war in der ersten Vorstellung dieser Rigoletto-Serie: Keenlyside hat sich wirklich um Kopf und Kragen gespielt, das war extrem beeindruckend und fast schon besorgniserregend. Aber auch stimmlich zitterte ich etwas mit ihm, denn einige Höhen klangen schon recht spröde und angestrengt oder er ersparte sie sich gleich ganz. Habe ihn zuletzt vor 5 Jahren gesehen und er wirkt wirklich alt geworden (vor allem auch optisch), auch die Stimme hat an Volumen verloren. Dennoch war das einfach ein herausragendes Rollenportrait.
      Shagimuratova war für mich das stimmliche Highlight der Aufführung. Was für eine Stimme! Gestochen klare Koloraturen, die Töne aber immer sehr rund und mit unfassbar viel Strahlkraft in der Höhe.
      Costello ließ sich ansagen (Allergie), die Höhe klang aber so dünn wie immer, ansonsten strömte die Stimme in der Mittellage sehr frei und hatte viel Schmelz. Welton, Kehrer und Kutasi im Ensemble zu haben, ist einfach ein Glücksfall. Garcia Calvo hatte große Probleme den Laden zusammenzuhalten und hat mich nicht überzeugt.
    • Das ist erfreulich.

      Allerdings scheint ja, nach sakros Beschreibung, die Stimme nicht ganz intakt gewesen zu sein:

      sakrco schrieb:

      Aber auch stimmlich zitterte ich etwas mit ihm, denn einige Höhen klangen schon recht spröde und angestrengt oder er ersparte sie sich gleich ganz. Habe ihn zuletzt vor 5 Jahren gesehen und er wirkt wirklich alt geworden (vor allem auch optisch), auch die Stimme hat an Volumen verloren.
      Trotz allem konnte er wohl überzeugen:

      sakrco schrieb:

      Dennoch war das einfach ein herausragendes Rollenportrait.
      Was mich etwas wundert, denn die beschriebenen stimmlichen Einschränkungen würden mich persönlich schon stören.
    • ira schrieb:



      sakrco schrieb:

      Dennoch war das einfach ein herausragendes Rollenportrait.
      Was mich etwas wundert, denn die beschriebenen stimmlichen Einschränkungen würden mich persönlich schon stören.
      Die beschriebenen stimmlichen Mängel habe ich ja zur Kenntnis genommen, jedoch war Keenlysides darstellerische Leistung derart intensiv und berührend, dass ich im Gesamtpaket darüber hinweghören konnte. Denn wie er diese Partie mit seiner Mimik, Körperlichkeit, Textbehandlung und (eingeschränkten) stimmlichen Mitteln gestaltete, war eine exzeptionelle Leistung.

      Zumal seine Abendverfassung in der zweiten Vorstellung anscheinend wohl besser war.