"Das Rheingold", WA 2018

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    • "Das Rheingold", WA 2018

      Wagalaweia, ihr Lieben! Ich hatte doch tatsächlich (die Premierenserie ist ja schon eine Weile her) ganz vergessen, wie überaus unterhaltsam und klug diese Inszenierung von Vera Nemirova doch ist. Und wenn dann auch noch eine so fabelhafte Besetzung unterwegs ist, kann der Abend ja nur gut werden.
      Er beginnt, optisch beeindruckend, damit, dass während des Vorspiels der Blick auf die gewaltige, stark abschüssige Scheibe freigegeben wird, die als Spielfläche dient und auf die einzelne, auf eine glatte Wasseroberfläche fallende und in konzentrischen Wellen nach außen verlaufende Tropfen projiziert werden. Das betörende Blaugrün des Wassers und die ruhige Wellenbewegung haben etwas Meditatives, Wiegendes – das Wasser als Wiege des Lebens, sozusagen.
      Umso turbulenter wird es, wenn die Rheintöchter (Elizabeth Reiter, Jenny Carlstedt und Katharina Magiera) ihren Schabernack zu treiben beginnen. Die beweglichen Ringe, aus denen die Scheibe zusammengesetzt ist, verschieben sich gegeneinander und werden zur der Rifflandschaft, in deren Tiefe das Gold schlummert und in der die Mädels mit einem beachtlichen Maß an Beweglichkeit umhertollen.
      Die Fröhlichkeit wird alsbald gestört von Alberich, der hier erst einmal ganz seriös in Anzug und Hemd auftritt, aber in seinem heftigen Werben von den Rheintöchtern alsbald lächerlich gemacht wird – unter anderem, indem sie ihn bis auf die höchst unerotische lange Unterwäsche ausziehen. Man kann sicher darüber streiten, ob das, was die Drei da veranstalten, harmlose Neckerei oder doch echte Bosheit ist – ich neige zur zweiten Annahme, und so kann man es Alberich kaum verdenken, dass er tiefenfrustriert der Liebe abschwört und mit dem Gold davonzieht, um das damit verbundene Machtversprechen in die Tat umzusetzen.Dass er später seine eigenen Leute und sogar seinen Bruder (Michael McCown als schönstimmiger, unter seiner Versklavung leidender Mime) gnadenlos ausbeutet, spricht natürlich nicht für ihn, aber Jochen Schmeckenbecher liefert ein stimmlich und darstellerisch höchst differenziertes, manchmal sogar anrührendes Porträt des obersten Nachtalben ab. Nicht umsonst kassierte er mit den meisten Applaus.
      Ebenso gefeiert wurde Kurt Streit als Loge, der mit metallischem Tenor und grandiosem Körpereinsatz seinen listenreichen Gegenspieler abgibt. Die Szene, in der er Alberich zu seinen verhängnisvoll endenden Verwandlungskunststücken provoziert, ist ein Kabinettstückchen ersten Ranges.
      Während Loge und Alberich sich also ihr Duell liefern (blasiert und machtgewiss der eine, verstellungsreich und gewitzt der andere), steht Wotan als interessierter, aber eher passiver Zuschauer dabei. Wohlgemerkt: James Rutherford war durchaus die angenehme Überraschung (Betonung auf Überraschung) des Abends – mit prachtvollem, ausdrucksfähigen Bariton und gänzlich ohne das weitschwingende Vibrato, das in anderen Rollen so nervig war –, aber er wirkte alles in allem einen Tick zu lieb und gemütlich.
      Das kann, andererseits, natürlich auch ein Trick sein, mit dem er – wenn auch wenig erfolgreich – Fricka von seinen Seitensprüngen abzulenken versucht… Die endlich wieder genesene Claudia Mahnke ist eine sehr würdevolle Göttin, die den Eskapaden ihres Gatten mit Resignation, seinem Kuhhandel mit den Riesen, bei dem ihre Schwester verschachert wurde, jedoch mit als Sarkasmus verbrämten hilflosen Zorn begegnet. Ein bisschen verwirrt hat mich die Szene, in der sie Wotan die Schuhe zubindet – verzieht Fricka ihren Mann wirklich so, oder wollte Claudia Mahnke verhindern, dass ihr Kollege über versehentlich geöffnete Schnürsenkel stolpert?
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Frickas bedauernswerte Schwester Freia hat es in jeder Hinsicht schwer: Schwager und Brüder verhökern sie an die Inhaber der Baufirma Fasolt und Fafner, und als sie gerade beschlossen hat, dass zumindest Fasolt doch eigentlich ein ganz liebenswerter Kerl ist, lässt der sie fallen, weil er doch lieber das von Wotan angebotene Gold möchte.Sara Jakubiak singt mit klarer, runder Stimme die mädchenhaft verspielte, aber auch verängstigte jugendliche Göttin, die den Tod Fasolts ehrlich betrauert.
      Apropos Fasolt und Fafner: die beiden sind keineswegs „dumme Riesen“, sondern eigentlich recht schlau, denn sie wissen natürlich, dass sie mit Freia ein gewaltiges Erpressungspotential in Händen halten und somit für ihre Bautätigkeit besser entlohnt werden dürften, als das bei normalen Vertragsverhandlungen der Fall gewesen sein dürfte. (Dass Fasolt (Alfred Reiter) sich ernstlich verliebt, war sehr wahrscheinlich nicht Teil des Plans; aber seine etwas unbeholfenen Flirtversuche zeugen von ehrlichen Gefühlen, und wer kann schon einem Mann mit solch samtiger Bassstimme widerstehen…)
      Mit einer solchen kann natürlich auch Andreas Bauers Fafner aufwarten, aber der ist nicht erst durch den Brudermord der unsympatischere, weil ganz entschieden habgiergesteuerte von beiden.
      Nebenbei bemerkt: eigentlich müsste es auch Wotan von vornherein merkwürdig vorgekommen sein, dass sich zwei Riesen eine kleine zarte Göttin teilen sollen (wobei es bei Vera Nemirova noch ein paar mehr Riesen gibt; ich habe nicht daran gedacht, sie durchzuzählen, aber irgendwie flitzte mir kurzfristig die Assoziation „Schneewittchen und die sieben Riesen“ durchs Hirn…)
      Wenn tatsächlich jemand dumm (oder zumindest dümmlich) ist, dann wohl Freias Brüder, deren halbherzige und von Wotan ohnehin gleich wieder unterbundene Versuche, die Verschleppung zu verhindern, für sich und gegen sie sprechen.
      Froh (was ja wohl für ‚Herr‘ steht) ist ein kindischer Bursche in kurzen Hosen, dessen Lieblingsbeschäftigung das Seifenblasenblasen ist. AJ Glueckert spielt ihn hingebungsvoll und singt die vergleichsweise wenigen Töne mit gewohnt sicherer und angenehmer Stimme.
      Sein Bruder Donner (Brandon Cedel) hingegen ist ein arroganter, aber wohlklingender Schönling, der sich viel auf seinen mächtigen Hammer (..?..) einbildet; warum er hier stattdessen mit einem Stemmeisen vorlieb nehmen muss, gehört zu den wenigen Unklarheiten dieser Inszenierung.
      Einen kurzen, aber eindrucksvollen Auftritt legte Tanja Ariane Baumgartner als Erda hin.
      Sebastian Weigle und sein Orchester begleiten und unterstützen die auf der Bühne Agierenden mit manchmal ein bisschen zu unschwelgerischen, aber immer transparenten Klängen, aus denen mit sicherer Hand gesetzte Effekte hervorleuchten.
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Für Frankfurt reicht es allemal, er war schon im letzten Zyklus sehr eindrucksvoll. Für ein Rollendebüt war das sehr stark, ich weiß nicht ob er ihn inzwischen auch schon anderweitig gesungen hat.
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Das war auch meine Befürchtung gewesen - ich konnte jedoch keine diesbezüglichen Probleme feststellen (außer, dass er ein bisschen zu harmlos wirkte - was dann möglicherweise tatsächlich an der nicht gar so mächtigen Stimme gelegen haben könnte, aber auch nicht wirklich störte).
      Das Vibrato (oder, wie ihn jemand anderes nannte, der 'Wobble') scheint rollen-, vielleicht auch tagesformabhängig zu sein - als Heerrufer klang er vor ein paar Jahren ziemlich übel.
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • RagnarDanneskjoeld schrieb:

      Arminius schrieb:

      Für ein Rollendebüt war das sehr stark, ich weiß nicht ob er ihn inzwischen auch schon anderweitig gesungen hat.
      War das wirklich ein Rollendebüt? Ich bilde mir ein, er hätte den Rheingold-Wotan schon vor zwei Jahren in Frankfurt gesungen.
      Sag ich doch, beim letzten Zyklus hat er in der Rolle debütiert, und zwar in allen drei Teilen...
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Ich kann Ihnen, @Asteria, nur zustimmen. Ich habe diese Serie jetzt zweimal gesehen und war wirklich begeistert. Die Regie ist ganz okay, aber im Zusammenspiel mit dem Bühnenbild ist es eine wirkliche Freude dieses Rheingold erleben zu dürfen. Zu den Sängerinnen und Sängern haben Sie dankenswerterweise schon alles gesagt, ich kann dazu auch nicht mehr sagen bis auf die Tatsache, dass ich zwei unterschiedliche Frickas hatte.Die Oper Frankfurt kann sich sehr glücklich schätzen zwei Sängerinnen am Haus zu haben, die Fricka, Kundry usw. nicht nur in Frankfurt, sondern auch auswärts singen können. Mir persönlich hat jetzt Baumgartner mit ihrer noblen und runden Stimme viel besser als Mahnke gefallen, da Mahnke doch eine recht zittrige Stimme hat. Mag aufs erste nicht stören, achtet man da aber drauf, stört es den ganzen Abend nur. Besonders möchte ich Sebastian Weigle hervorheben, der mit seiner formidablen Wagnerinterpretation aufhorchen ließ und (musikalisch) für Festspielstimmung sorgte.


      Auf die Walküre nächstes Jahr kann man sich also freuen. Andererseits bin ich aber irritiert/verwundert, dass Frau Teem die Brünnhilde nicht singt. Hat sie mich doch im letzten Ring in Frankfurt schwer beeindruckt.