Tristan - Cleveland / Severance Hall

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    • Tristan - Cleveland / Severance Hall

      Anbei Eindrücke von einem sehr schönen konzertanten Tristan am vorletzten Sonntag unter Welser-Möst mit seinem Cleveland Orchestra. Wirklich interessant an der Aufführung war für mich die Kombination von Okka von der Damerau als Brangäne und Nina Stemme als Isolde. Ich wurde nicht enttäuscht. Das Cleveland Orchestra wurde vor genau 100 Jahren gegründet und feiert aktuell aus diesem Grund ein kleines Jubiläum. Messiaen, Wagner und Beethoven standen auf dem Programm. Das Orchester nach vielen Gastspielen in Europa einmal in seinem Heimathaus (der Severance Hall in Cleveland) zu hören, war ebenfalls sehr reizvoll. Nach diversen anderen Erfahrungen in den Staaten war es schön zu sehen, dass bei unserer Tristan Aufführung das Haus nahezu ausverkauft war.
      Als Tristan für mich völlig neu war Gerhard Siegel. Ich habe ihn vor vielen Jahren immer gerne als Mime gehört, aber beim Tristan war ich doch sehr skeptisch. Insgesamt gesehen konnte er mit kraftvollen Tönen Punkten. Phrasierung und Interpretation ging bei der kämpfenden Bewältigung der Partie ein wenig unter. Erstaunlich aber wie er im dritten Akt die Kraft halten konnte. Insgesamt keine Referenzleistung, aber berühmtere Kollegen sind schon schlechter durchgekommen.
      Nina Stemme glänzte einmal mehr in ihrer Paraderolle. Besonders erfreut war ich, dass sie auch im Piano butterweiche Ansätze aufweisen konnte. Damit hatte sie in meinen letzten Aufführungen oftmals zu kämpfen. Sie verkörpert die Irische Königin seit nun mehr 15 Jahren und hat die Rolle dementsprechend verinnerlicht. Für mich derzeit konkurrenzlos mit welcher Leichtigkeit, Kraft und Tiefgang sie die Rolle scheinbar mühelos beherrscht. Ein völlig anderes Rollenportrait als zu Beginn ihrer Karriere im Wagnerfach, aber nicht minder beeindruckend. Für mich jede Reise wert.
      Okka von der Damerau im Wagnerfach zu hören, macht einfach nur Spaß. Mit der Brangäne glänzte sie ja bereits in München und gemeinsam mit Nina Stemme schien sich die Leistung noch zu steigern. Trotz der voluminösen Stimme kam sie nie in Versuchung Isolde stimmlich Konkurrenz machen zu wollen (und das Zeug dazu hätte sie), sondern lässt die Magd glaubhaft erklingen. Ähnlich wie Stemme ein imposantes Volumen mit wunderschönen Phrasierungen. Pures Wagnerglück. Auch für so eine Brangäne ist keine Reise zu weit. Die New York Times hat sie in der Kritik zu einer vorherigen Aufführung der Serie als "Offenbarung der Besetzung" bezeichnet. Der ganz großen Karriere steht wohl völlig zu recht nichts mehr im Wege und ich freue mich drauf.
      Auf gleichem Niveau für mich Ain Anger in seinem Rollendebüt als König Marke. Kerniger als manch anderer geht er die Rolle an, aber das ist durchaus imposant und erschütternd. Präzise in der Diktion und intensiv im Ausdruck. Auch ohne szenische Mittel konnte er mit diesen Eigenschaften sehr für sich einnehmen. Ich würde mich freuen ihn in der Rolle noch häufiger auf dem Besetzungszettel zu sehen.
      Alan Held als Kurwenal und das weitere Ensemble boten ebenfalls eine gute Leistung.
      DasOrchester unter Welser-Möst ließ den Abend ebenfalls zum Highlight werden und wurde gemeinsam mit seinem Chef völlig zu recht entsprechend gefeiert. Allerdings ganz unamerikanisch nicht mit direktem Jubeleinsatz, denn nach dem Liebestod konnte Welser-Möst die Spannung halten und das Publikum folgte ihm mit einer knappen Minute Besinnung und Stille. Ein schöner Moment, der mir lange präsent sein wird.
    • Chevalier de la Force schrieb:

      DasOrchester unter Welser-Möst ließ den Abend ebenfalls zum Highlight werden und wurde gemeinsam mit seinem Chef völlig zu recht entsprechend gefeiert. Allerdings ganz unamerikanisch nicht mit direktem Jubeleinsatz, denn nach dem Liebestod konnte Welser-Möst die Spannung halten und das Publikum folgte ihm mit einer knappen Minute Besinnung und Stille. Ein schöner Moment, der mir lange präsent sein wird.
      Und das will über dem großen Teich was heißen! Das schafft kaum je ein Dirigent.

      Wenn ich das lese, bedauere ich einmal mehr, daß wir in München nicht Franz Welser-Möst als neuen GMD bekommen haben. Wagner und Strauss - das ist seine Domäne. Und damit wären schon mal zwei von den Münchner "Hausgöttern" abgedeckt.
    • ira schrieb:

      Und das will über dem großen Teich was heißen! Das schafft kaum je ein Dirigent.
      Man sollte schon bedenken, dass es sich um eine konzertante Aufführung gehandelt hat. Wen haben Sie denn das bisher bei konzertanten Tristanen nicht schaffen gesehen? Es scheinen ja viele zu sein. Mir hat das Dirigat von Welser-Möst durch die Unmaniriertheit gefallen. Ob ich das in München als spannende Auseinandersetzung mit den Hausgöttern über Jahre haben möchte, bezweifle ich.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Chevalier de la Force ()

    • ira schrieb:

      Chevalier de la Force schrieb:

      Wen haben Sie denn das bisher bei konzertanten Tristanen nicht schaffen gesehen?
      Bei einem konzertanten "Tristan" noch nicht. Aber sonst immer.
      Was war das hier dann wohl für eine Aufführung :D :

      (Leider kann man keine mp3 Dateien hochladen. Wer den Schnipsel hören will, muss als Dateiende selbst .txt in .mp3 abändern.)
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