Das Concertgebouw-Orchester mit Gatti und Trifonov im Kulturpalast

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    • Das Concertgebouw-Orchester mit Gatti und Trifonov im Kulturpalast

      Als seinen Beitrag der Dresdner Musikfestspiele 2018 hatte das Royal Concertgebouw Orchestra unter Daniele Gatti den Pianisten Daniil Trifonov für eine Interpretation des 3. Klavierkonzerts von Sergej Prokofjew in den Konzertsaal des Kulturpalastes mitgebracht.

      Bei meiner Vorbereitung auf das Konzert hatte ich bei You Tube Einspielungen des Klavierkonzertes zwischen etwas über 27 Minuten (Martha Argerich mit André Previn) und fast 33 Minuten Spieldauer gefunden. Dabei war die längste Einspielung ausgerechnet von Gatti mit dem Concertgebouw, allerdings mit der Pianistin Yuja Wang.

      Nun hatten wir Trifonov in seiner Zeit als Capell-Virtuosder Staatskapelle in der Saison 2016/17 häufiger und als sehr impulsiven Virtuosen kennen gelernt.

      Gatti war uns von seinen Gastdirigaten bei der Staatskapelle als eher zurückhaltend und tiefer suchend in Erinnerung. Deshalb waren wir doch recht gespannt, wie sich die beiden unterschiedlichen Temperamente bei Prokofjew anhören werden.

      Trifonov verteidigte seinen im Semperbau erarbeiten Ruf im Kulturpalast mit Erfolg. Er konnte es kaum erwarten, dass die Klarinette den ersten Satz eingeleitet , die Streicher die Melodie übernommen hatten, dass er sich mit Bravour auf sein Instrument stürzen und das musikalische Geschehen in die Hand nehmen konnte.

      Selbst in der eigentlich langsamen romantischen Verarbeitung des Themas im zweiten Satz und in der vierten Variation (Andante meditativo) vermittelte Trifonov das Gefühl, dass er nur wartete, dass die Partitur ihm erlaubte, sich wieder in seiner Virtuosität auszuleben.

      Extrem strukturiert die Kaskaden, wunderbar klar die Läufe, erreichte Trifonov eine nahezu gespenstige Wirkung.

      Trotz relativ langer Satzpausen war der Spuk nach knapp 30 Minuten vorüber.

      Daniele Gatti blieb nur eine begleitende Rolle. Er hatte alle Mühe, Orchester mit dem Solisten zusammen zuhalten.

      Selten haben wir in Dresden erlebt, dass ein großer Teil der Hörer nach dem Schluss so spontan aufsprang und langen stehenden Applaus spendete.

      Stürmisch bejubelt auch eine Zugabe. Wir hörten die diabolische Zuspitzung eines Stückes aus Prokofjews Sarkasmen.

      Dafür hatten dann nach der Pause der Dirigent und das Orchester mit Gustav Mahlers „Erster Sinfonie D-Dur“ Gelegenheit, ihr wirkliches Können zu auszuleben.

      Gatti hatte seine Interpretation romantisch, zum Teil sogar elegisch, aber nie langweilig angelegt.

      Wir hatte endlich mal Plätze im Zentrum des Parketts des Konzertsaals erwerben können und hörten dort wirklich gut und differenziert. Der berühmte „runde Klang“ des Concertgebouw-Orchesters kam dort wunderbar zur Wirkung und wurde auch vom Festspiel-Publikum minutenlang stehend gefeiert.

      Besonders beeindruckend waren im Schluss-Satz der Sinfonie die Blechbläser.

      Auch wenn man sich, abweichend von den Üblichkeiten, einen Programm-Tausch der beiden Stücke hätte vorstellen können.