Il Barbiere di Siviglia - Staatsoper Berlin

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    • Il Barbiere di Siviglia - Staatsoper Berlin

      Von wegen die Staatsoper würde ständig ausverkauft sein und es gäbe kaum eine Chance dort mal eine Aufführung zu erleben. Am 16.05. hatte ich den Luxus eine komplette Reihe für mich allein zu haben. Sowohl die Reihe vor mir als auch die hinter mir waren ebenfalls komplett frei. Dabei hätte die Vorstellung durchaus mehr Zuspruch verdient gehabt. Als Figaro war Tassis Christoyannis eingesprungen, den ich vor 12 Jahren schon einmal in der inzwischen 50 Jahre alten Produktion von Ruth Berghaus erlebt hatte. Er besitzt zwar nicht eine besonders charismatische Stimme, brannte dafür aber ein vokales und ein komödiantisches Feuerwerk ab. Ebenfalls vor über 10 Jahren hatte ich Dmitry Korchak schon einmal als Almaviva in der Staatsoper erlebt. Seine Stimme ist inzwischen metallischer geworden. Im Laufe des Abends taute er auf und bot eine klasse Leistung. Gespannt war ich auf Tara Erraught. Sie konnte mit ihren Koloraturen und mit ihrem herzlichen Spiel für sich einnehmen. Insgesamt scheint ihre Stimme allerdings nicht so viel Substanz zu haben. Großes Kino war der Bartolo von Renato Girolami, einem Rossini-Buffo par Excellence. Nicht ganz auf dem Niveau der bisher genannten Sänger bewegte sich Jan Martiník als Basilio. Daniel Cohen sorgte mit seinem kurzweiligen Dirigat für den Rahmen einer guten Repertoire-Aufführung.
    • Gestern war es, bis auf die Hörplätze im 3. Rang, wieder ausverkauft. Eine Repertoirevorstellung mit Licht und Schatten. Beim Licht muss ich zunächst mal die sehr gute szenische Einstudierung hervorheben, damit hätte ich bei der Berghaus-Inszenierung von 1968 wirklich nicht gerechnet. Sängerisch auf der Licht-Seite auf jeden Fall Marianne Crebassa als Rosina, toller Mezzo-Charakter, eine volle Stimme die trotzdem sehr beweglich ist. Dann kommt für mich Bruno de Simone (Bartolo),den ich als Rossini-Buffo immer gern gehört habe. Immer noch ein toller Charaktersänger, wenngleich, ich habe ihn ein paar Jahre nicht gehört, die Stimme doch deutlich gealtern ist. Maxim Mironov als Almaviva hat eine wunderschöne Stimme, singt sehr elegant, allein, es ist zu leise. Salemkour am Pult nahm darauf leider keinerlei Rücksicht, überhaupt war er der Schwachpunkt des Abends, so eine gerade, geradezu "teutonische", unidiomatische Rossini-Ouvertüre habe ich lange nicht mehr gehört. Aber auch in den Ensembles war Mironov kaum zu hören. Im Gegensatz dazu drehte Gyula Orendt als Figaro sehr auf, er ist natürlich der Motor der Oper, aber in bisschen weniger wäre vermutlich mehr gewesen, sowohl schauspielerisch als auch sängerisch. Trotz der offensichtlichen guten szenischen Einstudierung war es dann doch durch die recht uneinheitlich zusammengewürfelten Sänger eine typische Repertoirevorstellung - mit Höhen und Tiefen.
    • 08.05.2019

      Auch gestern war die Staatsoper bis auf die Plätze im 3. Rang Seite wieder insgesamt gut gefüllt. Und genau da lag das Problem: es wurden Plätze getauscht, es wurde gequatscht, verspätet reingekommen, vorzeitig rausgegangen, halt alles, was man sich für den Operngenuss so wünschen kann. Dennoch war es ein interessanter Opernabend mit zahlreichen jungen Sängern, die genauso wie der Senior im Bunde, Bruno de Simone (Bartolo), nur so vor Spielfreude gesprüht haben. Marianne Crébassa hat mich mit ihrer prunkvollen, dunklen Stimme und brillianten Koloraturen begeistert. In der Höhe hatte sie allerdings Mühe: da hat sie einige Töne nur angetippt. Die Stimme klang zudem im Gegensatz zum Rest etwas farblos. Maxim Mironov konnte mit schöner, gut geführter Stimme als Almaviva punkten. Sie könnte sicher noch etwas an Durchschlagskraft zulegen, ist aber zumindest gestern nicht in den Ensemble-Szenen untergegangen. Ein Coup ist der Staatsoper mit der Verpflichtung von Björn Bürger als Figaro gelungen (Einspringer für Gyula Orendt). In seiner Vita findet man noch nicht so viele Auftritte. Er ist 33 Jahre alt, hat den Bundeswettbewerb Gesang gewonnen und ist u.a. als Figaro in Stuttgart und kürzlich als Wolfram in Amsterdam aufgetreten. Im Sommer geht es als Papageno nach Glyndebourne. Sein Bariton hat schon recht viel Peng. Die Stimme spricht in allen Lagen gut an. Dazu ist er ein sehr guter Darsteller. Von ihm dürfte in der Zukunft noch einiges zu hören sein. Als Basilio zeigte Grigory Shkarupa sein Talent. Er wird in diesem Jahr am Operalia-Wettbewerb teilnehmen. Das Dirigat von Julien Salemkour hätte gerne filigraner und spritziger sein dürfen. Insgesamt war das ein recht unterhaltsamer Abend. Die Inszenierung von Ruth Berghaus aus dem Jahr 1968 hat das Publikum begeistert.
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Ein Coup ist der Staatsoper mit der Verpflichtung von Björn Bürger als Figaro gelungen (Einspringer für Gyula Orendt). In seiner Vita findet man noch nicht so viele Auftritte.
      Vielleicht sollte seine Agentur mal die Vita etwas updaten, Björn Bürger hat in Frankfurt oft genug sein Potential gezeigt (operabase.com/a/bj%C3%B6rn-b%C3%BCrger/2203/de)
    • Arminius schrieb:

      Im Gegensatz zu Berlin Opernhaus des Jahres und ein Haus, in dem ich noch keine wirklich schwache Produktion gesehen habe... sowas wie die jüngste "Zauberflöte" würde bei Loebe nicht auf die Bühne kommen.
      Na ja, "Dalibor" beispielsweise kam in der laufenden Spielzeit in Frankfurt ja auch auf die Bühne. Habe auch in Frankfurt sehr schwache Sachen gesehen, aber natürlich auch schon sehr gute.
    • Heerrufer schrieb:

      Arminius schrieb:

      Im Gegensatz zu Berlin Opernhaus des Jahres und ein Haus, in dem ich noch keine wirklich schwache Produktion gesehen habe... sowas wie die jüngste "Zauberflöte" würde bei Loebe nicht auf die Bühne kommen.
      Na ja, "Dalibor" beispielsweise kam in der laufenden Spielzeit in Frankfurt ja auch auf die Bühne. Habe auch in Frankfurt sehr schwache Sachen gesehen, aber natürlich auch schon sehr gute.
      Den habe ich nun nicht gesehen, aber wie man schon hier im Forum nachlesen kann, gingen die Meinungen darüber weit auseinander, so daß man von einer Pleite vom Zauberflöten-Kaliber bei weitem nicht reden kann...
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Discman schrieb:

      Was ist schon Frankfurt? :D

      Arminius schrieb:

      Im Gegensatz zu Berlin Opernhaus des Jahres und ein Haus, in dem ich noch keine wirklich schwache Produktion gesehen habe... sowas wie die jüngste "Zauberflöte" würde bei Loebe nicht auf die Bühne kommen.
      Habe ich den Ironieschalter vergessen?
      Dennoch haben wir nicht das gleiche Haus besucht..... ;)
      Die Bühne bleibt sauber!