Pelleas et Melisade STOP

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    • Pelleas et Melisade STOP

      Doch noch ein paar Worte zur aktuellen WA-Serie von Debussys "Pelleas et Melisande", die immerhin zwei Debüts mit sich brachte. Die gestern besuchte dritte von vier Vorstellungen der Serie hinterließ bei schwülen Temperaturen einen zwiespältigen Eindruck. Daniel Barenboim dirigiert das Werk tatsächlich zum ersten Mal. Er tut das mit zumeist sehr breiten Tempi und drosselt die hervorragend spielende Staatskapelle immer wieder deutlich. Keine Frage, dass es da wunderbare Details und Farbschattierungen gibt, dass er die Wagner-Zitate klar herausstellt und das Ganze mehr von einer spätromanischen Sicht her sieht, als von der klar strukturierten Modernen her, mit der Michael Gielen die Produktionin den 1990ern leitete. Die Sänger müssen äußerst flexibel reagieren, Blicke des zumeist in die Partitur versunkenen Dirigenten bekommen sie kaum. Rolando Villazons Pelleas stößt erwartungsgemäß schnell an seine Grenzen: sobald er den Sprachduktus des Baritonregisters verlassen muss, verliert die Stimme an Projektionskraft, wird enger und gequetschter je mehr er in den Tenor muss. Er flüchtet sich (vorallem in der großen Szene mit Melisande im 4. Akt) in ein puccineskes Schmachttenorgehabe, das stilistisch völlig daneben ist. Er ist ganz deutlich überfordert und hat auf einer Bühne dieser Kategorie nichts (mehr) verloren. Michael Volles Golaud auf der anderen Seite ist ein auftrumpfender, präsenter Bariton mit der Fähigkeit zur natürlichen Rücknahme der Stimme und überhaupt großer Differenzierungsfähigkeit. Er wird zum zentralen, am Ende heftig bejubelten Protagonisten dieser Aufführung, auch wenn er nicht immer idiomatisch singt. Idomatisches bietet eigentlich nur die Mélisande von Shooting Star Marianne Crebassa, die einzige Muttersprachlerin dieser Aufführung. Ihre agile Zwischenfachstimme hat die passenden Couleurs für dieses Repertoire, ihre wendige, sympathische Erscheinung macht sie zur idealen Rollenvertreterin. Wollte man etwas mäkeln, so beträfe das die nicht immer ganz reine Höhe, die aber durch ein süßlich-warmes, dunkles Mezzoregister wunderbar abgefangen wird. Eine Zumutung sind Wolfgang Schöne als Arkel und Anna Larsson als Genevieve, ersterer mit einer abgenutzten, nicht mehr kontrolliert anspringenden Altherrenstimme, letztere mit schlichtweg kaputtem Organ. Wie sind solche Engagements möglich? Das hätten der Hanno und die Katharina aus dem Ensemble auch nicht schlechter machen können. Sensationell hingegen der namentlich nicht genannte Tölzer Knabe als Yniold.
      Ruth Berghaus' Inszenierung von 1991 hat in ihrer an Oskar Schlemmer angelehnten Bühnenästhetik immer noch eine gewisse Wirkung, auch wenn das Vokabular ihrer Bewegungssprache und das bewusste Verweigern der besungenen Handlungen schon wie ein deutlicher Blick in museal scheinende Opernzeiten ist. Die eigene Chiffrensprache, die sie dem Symbolismus von Debussy/Maeterlinck entgegenstellt, funktioniert in seiner Hermetik immer noch einwandfrei. (Da ist ihr 50 Jahre alter "Barbiere" zeitloser geblieben). Zugleich aber erwischt man sich dabei, diese Regiearbeit mit den Produktionen der letzten Jahre an den beiden großen Berliner Opernhäusern zu vergleichen und ist froh über die Stringenz und Qualität dieser Inszenierung.