Ernani - Opéra de Marseille

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    • Ernani - Opéra de Marseille

      Normalerweise mache ich im Urlaub einen Bogen um Opernhäuser, aber wie hätte ich einem Ernani mit Ludovic Tézier widerstehen sollen, wenn dieser seiner Heimatstadt die Ehre erweist und ich in der Provence bin. Auch die restliche Besetzung war auf dem Papier durchaus vielversprechend. Zunächst konnte ich froh sein, dass die Aufführung überhaupt stattgefunden hat, da auch das Opernhaus nicht von Streiks verschont geblieben ist. Oben in der Galerie war es recht stickig, was zur Folge hatte, dass unzählige Leute geräuschvoll ihre Fächer eingesetzt haben. Überdies ging es zu wie in einer Spuk-Villa, da sich die Schwingtüren immer wieder unvermittelt in Bewegung gesetzt haben. Immerhin hat das für frischen Wind im Zuschauerraum gesorgt. Gelohnt hat sich die Anreise in jedem Fall. Für mich war das nach zwei konzertanten Aufführungen im Jahr 2006 in Berlin Valayre, Licitra, Ataneli und Prestia die erste szenische Aufführung, hier in einer recht konservativen Inszenierung von Jean-Louis Grinda. Nicht ganz unerwartet bot Ludovic Tézier als Don Carlo die überragende Leistung des Abends. Ausgestattet mit einer sicheren Höhe und edlem Material war das der vielleicht beste Auftritt eines Baritons, den ich in den letzten Jahren erlebt habe. Gefallen hat mir auch Francesco Meli in der Titelpartie, den ich zum ersten Mal live gehört habe. Er besitzt vielleicht nicht die allerschönste Stimme, macht daraus viel. Die Stimme klingt schlank, aber sehr robust, und Meli singt stilistisch einwandfrei und hat eine sichere Höhe. Was will man mehr? Abgesehen von ein paar unsauberen Koloraturen gab Hui He eine gute Elvira. Alexander Vinogradov habe ich schon lange nicht mehr gehört. Mir war sein Timbre immer zu hell, aber als Don Ruy hat er mir mit einem stlistisch guten Vortrag ausgesprochen gut gefallen. Mach vier Treffer in vier Hauptrollen, besser geht es nicht! Lawrence Foster wurde vom Publikum stark umjubelt. Für meinen Geschmack hätte sein Dirigat etwas mehr Peng vertragen, aber angesichts der insgesamt sehr erfreulichen Aufführung sollte man nicht klagen.