Macbeth

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    • Aufschlussreiches Pausengespräch: Kupfer meint, die Auftrittsarie der Lady wäre ganz speziell, weil sie von einem Boten unterbrochen wird!!!! Hat der Mann auch schon mal ein Donizetti-Oper gehört?
      Ansonsten: Netrebko echt Weltklasse, Domingo tönt ganz gut, aber bewegt sich halt wie ein wirklich alter Mann. Und ein guter Schauspieler war er wohl nie.
    • Marcello schrieb:

      Aufschlussreiches Pausengespräch: Kupfer meint, die Auftrittsarie der Lady wäre ganz speziell, weil sie von einem Boten unterbrochen wird!!!! Hat der Mann auch schon mal ein Donizetti-Oper gehört?
      Offenkundig kennt der die Form der traditionellen italienischen "Scena ed aria" nicht, Recitativo - Cavatina - Tempo di mezzo - Cabaletta. Findet man bei Verdi ja noch bis in die "Traviata", und die "Macht des Schicksals", wenn die Cabalette nicht gestrichen werden, und hat err bei Librettisten auch des öfteren explizit so bestellt...
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Die Annahme, dass ein Opernregisseur, der seit mehr als 50 Jahren im Metier ist und zahlreiche der wichtigsten und einflussreichsten Inszenierungen des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, etwas so Läppisches nicht weiß, scheint mir einigermaßen bizarr. Wie wäre es mit der Annahme, dass er sich einfach missverständlich ausgedrückt hat oder das nicht ganz präzise wiedergegeben wurde, was er meinte? Natürlich ist auch Kupfer ein Mensch und also nicht dagegen gefeit, gelegentlich Fehler zu machen. Aber ehe man sich zu der Annahme entschließt, dass er ein ahnungsloser Dilettant ist, gibt es ja noch ein paar andere Optionen, die man prüfen könnte. Mit dieser blamiert man jedenfalls nicht ihn, sondern nur sich selbst.
      Ceterum censeo, Werktreue esse delendam.
      Geiserich
    • In Betracht seines Alters also: Im Zweifel für den Angeklagten. Aber man hätte das ja rausschneiden können. Aber die konstant vor Begeisterung ausflippende Gerlach hat es wahrscheinlich gar nicht bemerkt.
      PS: Die letzten Arbeiten von Kupfer, die ich gesehen habe (Meistersinger in Zürich und Lady Macbeth von Mzensk in München) waren keine Regie-Meisterleistungen. Die erstse Hälfte des Berliner Macbeths war korrekt, aber auch nicht viel mehr. Aber mit Domingo (und Sartori) kann man wahrscheinlich nicht mehr verlangen. Die 2. Hälfte schau ich mir noch an. Bin gespannt, was Kupfer zur problematischen Orakel-Szene im 3. Akt eingefallen ist.
    • Naja. Es ist eine allgemein zu beobachtende Erscheinung, dass Regisseure im Alter nicht besser werden. Das scheint mit den spezifischen Anforderungen des Berufs zusammenzuhängen, ein großartiges Spätwerk scheint in diesem Metier nicht möglich zu sein. Kupfer ist auch nicht für seine späten Inszenierungen berühmt geworden, man sollte sich also, wenn man sich ein Bild machen will, zunächst an die älteren halten. Ich habe von ihm in den 70er und 80er Jahren in Dresden und Berlin sensationell gute Inszenierungen gesehen, die Möglichkeiten des Musiktheaters offenbarten, auf die man vorher gar nicht gekommen wäre. Wenn spätere Sachen nicht mehr diese Kraft hatten, besagt das nichts weiter, als dass spätere Sachen nicht mehr diese Kraft hatten, also gar nichts, wenn es um die Einschätzung der Bedeutung dieses Künstlers geht.

      (Übrigens habe ich meine Zweifel, ob diese Inszenierungen, die damals zu Recht sensationell großen Erfolg hatten, dem kritischen Blick noch standhalten würde, wenn sie heute gezeigt würde. Das ist aber auch selbstverständlich. Theater veraltet sehr schnell, Aufführungen mit klassischen Qualitäten, die also auch nach Jahrzehnten ihre ursprüngliche Qualität bewahrt haben, sind äußerst selten, so etwas gelingt vielleicht einmal alle zehn Jahre, und wenn einem Regisseur eine Inszenierung dieser Art gelingt, hat er sein teil bekommen.)
      Ceterum censeo, Werktreue esse delendam.
      Geiserich
    • Luxorioes schrieb:

      Die Annahme, dass ein Opernregisseur, der seit mehr als 50 Jahren im Metier ist und zahlreiche der wichtigsten und einflussreichsten Inszenierungen des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, etwas so Läppisches nicht weiß, scheint mir einigermaßen bizarr. Wie wäre es mit der Annahme, dass er sich einfach missverständlich ausgedrückt hat oder das nicht ganz präzise wiedergegeben wurde, was er meinte?
      Wundert mich ja selber etwas, aber auch Homer soll bisweilen geschlafen haben...
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Ich hatte gestern zum zweiten Mal die Gelegenheit diese Produktion zu sehen. Sicher hat Anna Netrebko nicht die Schärfe sonstiger Ladies in der Stemme. Das macht sie jedoch durch ihre enorme Musikalität, ihre reiche Farbpalette und ihre stimmlichen Möglichkeiten mehr als wett. Dass sie immer mal wieder für eine Intonationstrübung gut ist, macht diese Ausnahmesängerin irgendwie menschlich. Ich fand ihren Auftritt insbesondere gestern grandios. Plácido Domingo gebührt der allergrößte Respekt. Egal, ob er nun 77, 84 oder 95 Jahre alt ist, muss man in dem Alter überhaupt erst einmal eine solche Rolle durchstehen. Im Gegensatz zu 2015 ist er nun in der Rolle angekommen und singt recht souverän. Er scheint auch das Problem der Kurzatmigkeit überwunden zu haben, die nur noch stellenweise aufgetaucht ist. Das Besondere an Domingo ist jedoch, dass sein Vortrag immer noch berührt und sein einstmals schönes Timbre immer noch zum Vorschein kommt, auch wenn die Stimme naturgemäß an Farbe verloren hat. Mögen sich die Leute streiten, ob er Tenor in Bariton-Rollen oder Bariton ist, ich nehme solche Erlebnisse jedenfalls gerne mit. Leider weit entfernt von einstiger Klasse war Kwangchul Youn als Banquo. Die Stimme klingt angegraut und tremoliert inzwischen heftig. Das ist sehr schade, zumal er erst 50 ist und er für mich sowohl im deutschen als auch im italienischen Repertoire immer eine Bank gewesen ist. Eine Luxus-Besetzung ist Fabio Sartori als Macduff, der für mich derzeit zu den zuverlässigsten Tenören gehört. Ein paar Schluchzer weniger hätten es allerdings sein dürfen. Erschreckend schwach hat sich Florian Hoffmann als Malcolm präsentiert. Daniel Barenboim wurde zwar wieder mächtig gefeiert, aber mit dieser Euphorie gehe ich nicht mit. Für meinen Geschmack peitscht er das Werk durch wie eine Symphonie. Nur Youn ließ er in seiner Arie mehr oder weniger "verhungern". Die herrlichen Bögen von Verdi bleiben dabei überwiegend auf der Strecke. Überdies klang das Orchester laut und knallig, ein Problem der Akustik in diesem Haus. Hier muss unbedingt nachgebessert werden. Vielleicht braucht das Orchester einen Deckel ...
    • Marcello schrieb:

      Und ein guter Schauspieler war er wohl nie.
      Bedeutet das "wohl", daß Sie Domingo selbst nicht live erlebt haben?
      Denn wenn Sie ihn einmal vor allem als Otello gesehen haben, können Sie kaum zu diesem Schluß kommen. Domingo spielte im wahrsten Sinne des Wortes mit seiner ernormen Bühnenpräsenz in der ganz oberen Liga. Zumindest als Tenor.
      Bei den Bariton-Partien muß man allerdings sehr differenzieren. Gut waren sein Simone und Germont senior.
      Von diesem "Macbeth" kann ich noch nichts sagen, der wartet auf der Festplatte darauf, angesehen zu werden. Zumindest in einer Kritik, die ich gesehen habe, wurde aber auch da seine Bühnenpräsenz gelobt.
    • Nun denn, heute kam dann auch ich in den Genuss! ... Genuss... Genuss?
      Barenboim (sieht irgendwie momentan echt nicht fit aus, die Augenringe verschwärzen sich gefährlich Richtung Ratzinger) war mir mal zu schnell und mal zu langsam und oft einfach zu lethargisch... so traumsicher das Orchester auch spielte... den wieder mal nicht homogenen Chor (wirklich eine Klasse unter DOB) einzufangen, der es sogar beim komplett statischen Flüchtlingschor gelang, mit totaler Sicht auf den Dirigenten ganze Phrasen lang 1/2 Takt hinterher zu schleppen: Dazu fehlte offensichtlich die Kraft ... oder er hat in der Richtung schon aufgegeben- macht mir Sorgen.
      Die ich mir um Fabio Sartori nicht mache, wohlgenährt ist das, phyisch wie stimmlich, mit zu vielen Schluchzern für Verdi, aber das Material ist klasse, und die Stimme sitzt mit einem Wahnsinns- Peng.

      Young hingegen zwar weniger wollig als er mir on TV erklang, dennoch aber einfach ohne Sitz und Prägnanz.

      Den hat Netrebko in der unteren Quint in einem bewunderungswürdigen Maße erarbeitet, wohingegen die oberen zwei Register allmählich zum Problem werden: Da stimmt die Intonation in der unteren Mittellage vor dem Passagio fast nie mehr und die Stimme klingt hier verquollen, und die Höhe ist zwar völlig da, die Piani aber bekommen immer mehr Luft und die Stimme sitzt im Forte nicht mehr, da kommt Streuung in den Klang, und das erschwert die Tragfähigkeit. Nach noch 2 Vorstellungen scheint dann ja bald vorerst Schluss zu sein mit den Ladies, vielleicht gibt es dann noch Heilungschancen in Richtung fokussierterem Singen. Die Italiener sagen: "1000 Glottis, und die Stimme ist hinüber" - wie viele hat Netrebko hinter sich,wie lange hält das Jahrhundertmaterial diese frühe Brusterei nach unten aus? Dass ihr ein Diminuendo wegbricht - gab es immer schon. Dass erste Töne oben flach klingen. Neu. Gibt es eine Absprache zwischen Harteros und Netrebko, dass es allmählich mal gut ist? Beide wünschte ich mir noch lange intakt auf der Bühne. Letzte Hörerfahrungen klingen bei beiden leider eher anders. Und ich weiß nicht, aber das nicht mehr Flutend-Fließende im Gesang zeigt sich bei Anna N. für meine Begriffe auch in ihrer Körperlichkeit auf der Bühne (ich rede nicht von der Jojo-Figur, die immer auf tollen Beinen über die Bühne turnt), aber die Vehemenz des Singens und das Abgetrotzte daran (die Stimme ist genuin halt doch jugendlich- dramatisch und nicht mehr) zeigt sich mir auch in beinahe Ringer - artigen Körperverankerungen, die dieser Lady viel von ihrer Eleganz nehmen. Bei aller unverminderten szenischen Energie. Ich hoffe auf Abendverfassung , beim Applaus musste sie ihr Lächeln immer wieder neu herauskramen, es sank Mal um Mal ab - vielleicht war sie selbst nicht zufrieden, vielleicht geht sie bitte doch nicht in Richtung Santuzza, für die sie paradoxerweise inwischen mehr Tiefe hat als Garanca, dafür aber weniger Peng als diese in der Höhe ... verkehrte Welt. (Schrieb wirklich jemand, Netrebko als Lady klinge wie Gruberová in der Partie (für die sie vieles hatte, was man da nicht braucht, aber kaum was von dem, was dafür nötig ist ? Selten zwei Soprane gehört, die so wenig miteinander gemein haben...)
      Ja, und dann war da Domingo. Und der war so was von da und so was von Domingo. Zwar fürchtete ich den ganzen Abend, er fiele doch noch irgendwann um (er ist einfach nicht sehr sicher unterwegs), und die Schmisse und kleinen Gedächtnislücken waren auch nicht ganz ohne,aber - ggb. dem Schillertheater- Macbeth vor ein paar Jahren (wo ist eigentlich Monastyrska hin? Das ganz große Lametta scheint da auch schon vorbei...): Gegenüber damals scheint er wieder besser zu hören, Barenboim und er waren bei weitem nicht so oft auseinander wie 2014/15 (Daten aus dem Gedächtnis), er wirkte wesentlich sicherer in der Partie, vor allem aber: Ja, da ist die große Farbe unten - in den Bariton- Partien - noch nie dagewesen und in der Mittellage etwas ausgebleicht, aber oben ist Kraft und Stamina und sogar Glanz, und auch wenn er körperlich eingeschränkt ist und sein Fokus inzwischen sehr auf Einsätze und Erinnerungsvermögen gerichtet ist, was natürlich Einfluss hat auf seine schauspielerische Präsenz (und er ist wahrlich ein Bühnenmensch): Sein Charisma ist ungebrochen, und die Energie ist nachgerade sensationell. Ich war sehr gern einmal mehr dabei.
      Diese Energie hingegen fehlt Kupfer inzwischen sogar für die Chorführung (so viel rumgestanden sind die Herrschaften in seinen früheren Inszenierungen nicht), ansonsten sieht das mit den ständigen Hebebühnen und Projektionen gewaltig nach seinem letzten BerlinerTannhäuser aus (inkl. Priester aus der Hamburger Variante). Richtig ärgerlich und verschwenderisch finde ich aber den Verlust der Mussbach- Inszenierung (eine seiner besten und mit das beste im Repertoire), die wohl nur deshalb weichen musste, weil Netrebko und Domingo zusammen nicht für eine existene Repertoire- Produktion zu haben gewesen wären. Die sind nun bald weg, die Produktion aber bleibt. Andersrum wäre mir lieber. Nächstes Jahr immerhin singt Sementschuk, das könnte sich auch lohnen.
      Im Ganzen: Viel Glanz, viel Glamour, viel Event ( dabei erfreulich wenig borniertes Publikum, auch wenn natürlich in die Aktschlüsse geklatscht wurde, aber der Applaus war differenziert und für Domingo deutlich und zu Recht am stärksten), und im Ganzen ein disparater Eindruck zwischen Bewunderung für Domingo, Sorgen um Barenboim und Netrebko (aus sehr unterschiedlichen Gründen und bei allen schönen Einzelmomenten) , Ärger über den Chor (und über Florian Hoffmann als Malcolm, so geht das nicht) und Trauer um den Mussbach- Macbeth. Nur der Schluss, ohne Triumphchor und mit dem kargen Macbeth-Abgesang - der hatte auch dramaturgisch etwas. Plötzlich war's vorbei und drückte einen eher in die Sitze... nur verhalten begann der große Jubel. Auch ein Event- Publikum lässt sich in Schockstarre versetzen. Schön.