Il viaggio a Reims DOB

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    • Il viaggio a Reims DOB

      Die Aufführung am 30.6. war eine wirklich runde Sache, eigentlich mein bester Live-Rossini seit "Die seidene Leiter" unter Alberto Zedda 2005 an der Deutschen Oper. Eine wunderbare Ensembleleistung, im wahrsten Sinne des Wortes, denn viele der Protagonistinen und Protagonisten sind oder waren fest an der DOB. Das spricht wirklich sehr für die Deutsche Oper! Sicher kann man sich hier und da bei den Tenören noch etwas mehr peng bei den Spitzentönen vorstellen, sicher ist hier und da auch ein noch überzeugenderes mezza die voce denkbar, aber insgesamt ist das ganze so homogen, so als Ensembleoper überzeugend (und sehr ideomatisch), dass ich gern auf einsame Spitzen verzichte. Deshalb möchte ich hier auch gar keine einzelnen Sängerinnen und Sänger nennen. Die musikalische Erarbeitung muss wirklich sehr gut gewesen sein, Giacomo Sagripanti, der mich beim Troubadur am Pult nicht ganz überzeugt hatte, hat das ganze wunderbar spritzig dirigiert, es gab keinerlei Abstimmungsprobleme (aus dem Souffleusenkasten sah man ab und an die Hände eines zweiten Dirigenten, verstanden habe ich das nicht, warum der besser sichtbar gewesen sein soll als Sagripanti, aber ist mir auch egal wenn's so funktioniert), alles wie am Schnürchen. Das war wirklich bemerkenswert. Die Inszenierung von Jan Bosse auch sehr lebendig, er schaffte es, die Sänger eigentlich immer an der Rampe zu positionieren, was klanglich natürlich super war, ohne dass einen das gestört hat, weil drumherum immer irgendwelche kleinen Geschichten mit den anderen Sängern passierten. Es erinnerte stellenweise an Marthaler-Ensembles. Und das war für diese Oper, die ja quasi ohne Handlung auskommt, genau der richtige Ansatz. Die Verlegung der Handlung in eine Psychatrie bot Anlass für den einen oder anderen Kalauer, ich fands super und bin sehr beschwingt nach Hause!
    • Ich bin auf Umwegen auch in diese Aufführung gelangt. Ich hatte meine Karte zunächst zurückgegeben, da ich mir "Die Nase" in der KOB ansehen wollte. Die Vorstellung war jedoch ausverkauft, so dass ich kurzfristig doch in die Deutsche Oper gegangen bin. Die Inszenierung fand ich zwar nicht so prickelnd, aber was die musikalische Seite betrifft stimme ich Friedrich voll und ganz zu. Das Haus kann bezüglich der Sänger aus dem Vollen schöpfen. Eine komfortable Situation, wenn man überlegt wie viele Sänger an dieser Produktion beteiligt sind und welche tollen Sänger aus dem Ensemble nicht dabei waren. Die Musik selbst hat mich nicht so vom Hocker gehauen. Da gibt es sicher interessantere Rossini-Opern. Trotzdem war das insgesamt ein hervorragender Opernabend.
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Ich bin auf Umwegen auch in diese Aufführung gelangt. Ich hatte meine Karte zunächst zurückgegeben, da ich mir "Die Nase" in der KOB ansehen wollte. Die Vorstellung war jedoch ausverkauft, so dass ich kurzfristig doch in die Deutsche Oper gegangen bin. Die Inszenierung fand ich zwar nicht so prickelnd, aber was die musikalische Seite betrifft stimme ich Friedrich voll und ganz zu. Das Haus kann bezüglich der Sänger aus dem Vollen schöpfen. Eine komfortable Situation, wenn man überlegt wie viele Sänger an dieser Produktion beteiligt sind und welche tollen Sänger aus dem Ensemble nicht dabei waren. Die Musik selbst hat mich nicht so vom Hocker gehauen. Da gibt es sicher interessantere Rossini-Opern. Trotzdem war das insgesamt ein hervorragender Opernabend.
      Mir geht es ähnlich. Musikalisch war es, mit ein paar Ausnahmen vor allem mal wieder bei den Männern, die recht unvirtuos daherkamen, eine prima Leistung. Dass der Regisseur nicht unbedingt über den treffenden Humor verfügen würde, war mir von Vornherein klar, und so bin ich auch nicht wirklich enttäuscht darüber, dass der Overkill an Mätzchen nicht unbedingt den Stempel "witzig", sondern eher "albern" von mir bekommt, bis hin zu kopierten Scherzen, die man zur Genüge aus anderen Rossini-Inszenierungen kennt. Dann aber kann man sich selbst natürlich gleich die Frage stellen: "Wie würde ich es denn machen" und mit der Antwort zögern, denn die Analogie zu einer Art Irrenanstalt drängt sich auf, es wird aber keine Geschichte erzählt. Und somit war es kurzweilig mit nur minimaler Fremdschämattacke. Noch einmal würde ich mir das Werk jedoch nicht anschauen - auch nicht woanders, denn es hat mich ebenfalls musikalisch nicht wirklich gepackt.
    • Waedliman schrieb:

      Noch einmal würde ich mir das Werk jedoch nicht anschauen - auch nicht woanders, denn es hat mich ebenfalls musikalisch nicht wirklich gepackt.

      Da sind Sie nun leider dem Phänomen aufgesessen, dass Sie eine musikalisch mittelprächtige Aufführung (was man an der Deutschen Oper dankbar als positive Überraschung aufnimmt) in einer abartig dummen Inszenierung, die sowas von am Werk vorbei geht, aufgesessen sind und daraus die Qualtität des Stück ableiten. Das ist schade, denn hier handelt es sich eigentlich um eine der besten Opern Rossinis. Jedoch benötigt man dafür nicht nur erstklassige Sängerpersönlichkeiten, denn dafür ist die Viaggio bewußt geschrieben, sondern auch einen Regisseur, der das, was da in Libretto und Partitur steht, erst einmal ernst nimmt und nicht behauptet, es gäbe keine Handlung. Dieses dümmliche Krankenhausbett-Schlüpfer-Irrenanstalt gealbere sagt deutlich mehr über Jan Bosse und seine "Qualitäten" aus, als über Rossinis Oper. - Schauen Sie mal das Video der Ronconi-Inszenierung aus den 1980ern mit Abbado und der damiligen ersten Rieg der Rossini-Sänger an. Ich vermute, Sie werden staunen.
    • Gundryggia schrieb:

      Waedliman schrieb:

      Noch einmal würde ich mir das Werk jedoch nicht anschauen - auch nicht woanders, denn es hat mich ebenfalls musikalisch nicht wirklich gepackt.
      Da sind Sie nun leider dem Phänomen aufgesessen, dass Sie eine musikalisch mittelprächtige Aufführung (was man an der Deutschen Oper dankbar als positive Überraschung aufnimmt) in einer abartig dummen Inszenierung, die sowas von am Werk vorbei geht, aufgesessen sind und daraus die Qualtität des Stück ableiten. Das ist schade, denn hier handelt es sich eigentlich um eine der besten Opern Rossinis. Jedoch benötigt man dafür nicht nur erstklassige Sängerpersönlichkeiten, denn dafür ist die Viaggio bewußt geschrieben, sondern auch einen Regisseur, der das, was da in Libretto und Partitur steht, erst einmal ernst nimmt und nicht behauptet, es gäbe keine Handlung. Dieses dümmliche Krankenhausbett-Schlüpfer-Irrenanstalt gealbere sagt deutlich mehr über Jan Bosse und seine "Qualitäten" aus, als über Rossinis Oper. - Schauen Sie mal das Video der Ronconi-Inszenierung aus den 1980ern mit Abbado und der damiligen ersten Rieg der Rossini-Sänger an. Ich vermute, Sie werden staunen.
      Ich habe die Ronconi-Inszenierung gesehen, bin dort ebenfalls nicht mit jedem Sänger einverstanden und finde auch da keine wirklich überzeugende Qualität in der Story. Ich weiß, dass die DOB nicht die erste Garde des Rossini-Gesangs aufgefahren hat, habe das auch überhaupt nicht erwartet, deshalb war ich nicht enttäuscht. Ich glaube aber, gut zu hören, wie das eine oder andere mit Spitzenkräften klingen würde und bleibe dabei: Es würde nichts an meinem Eindruck ändern, dass es sich hierbei nicht um ein Werk handelt, das ich noch einmal sehen bzw. hören möchte. Die Aneinanderreihung von Musikstücken macht für mich keine Oper aus, sondern ist eine Art Gesangsfestival ohne Zusammenhang. Nicht übel nehmen, aber mich wird man nicht überzeugen :)