Holländer 2018

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    • Holländer 2018

      Das war also die letzte Wiederaufnahme des "Holländers" und Gloger erschien auch noch mal zum Schlussapplaus. Er scheint nichts an seiner Inszenierung geändert zu haben, jedenfalls fielen mir keine Unterschiede zu den von mir besuchten Vorstellungen vor ein paar Jahren auf.
      Neu waren jedoch zwei Solisten:
      Rainer Trost ersetzte den damals großartigen Benjamin Bruns als Steuermann, er konnte weder darstellerisch noch gesanglich dessen Glanzleistung in dieser kleinen Partie erreichen. Zu wenig Glanz und Durchschlagskraft besitzt dafür die Stimme, der man jedoch die gute Schulung an Mozart anhört und er artikulierte ganz hervorragend.
      Greer Grimsley besitzt stimmlich eigentlich alle Voraussetzungen für einen Holländer: eine pechschwarze Stimme, die die Bedrohlichkeit und Verletztheit der Figur hervorragend ausdrücken kann. Dazu verfügt er über sehr anstrengungslose Höhen und enormes Volumen, auch wenn die Stimme manchmal zu weit hinten sitzt und noch zusätzlich künstlich abgedunkelt wird. Das Problem war aber, dass er einfach nicht intensiv genug gestaltete - genauso wie er Glogers Regieanweisungen brav abzuarbeiten schien, gab er sich weder bei der Textbehandlung noch bei der dynamischen Gestaltung sonderlich Mühe. Schade um das wirklich interessante Stimmmaterial. So kam wenig Spannung auf, was aber auch an Ricarda Merbeth lag, die heute definitiv nicht ihren besten Abend hatte. Herausragend die Klarheit und schneidende Strahlkraft, mit der sie die Spitzentöne traumwandlerisch sicher herausschleudert. Diese Töne waren heute aber arg herausgestellt, die Mittellage und Tiefe waren sehr schlecht angebunden. Damit geriet es zu einer uneinheitlichen Leistung, zumal ich sie auch schon szenisch deutlich konzentrierter bzw. fokussierter erlebt habe.
      Peter Rose spielte sich wieder einen Wolf, klang aber extrem spröde und die Mary von Christa Mayer war solide, nicht mehr nicht weniger.
      Tomislav Muzek aber überzeugte mich rundum! Als ich ihn zuletzt als Erik in Bayreuth hörte, wurde ich noch nicht ganz glücklich mit ihm, doch hat er sich enorm gesteigert und sackte verdientermaßen auch den meisten Applaus ein. Vorbildliche Artikulation, eine warme Mittellage und ganz mühelos strahlende Höhen. Das war wirklich toll!
      Auf kleine Wackler zwischen Chor und Graben wurde schon hingewiesen, auch rannte Merbeth am Ende des Duetts mit dem Holländer etwas davon. Doch ansonsten war Kobers Dirigat sehr ordentlich, von Klangzauber wie bei Thielemann jedoch keine Spur, auch wenn das Orchester tadellos aufspielte.
    • Das deckt sich so ziemlich mit meiner Hörerfahrung.
      Ich vergleiche jetzt natürlich mit meinem Münchner Festspiel-"Holländer", den ich noch ganz frisch in Erinnerung habe. Das Dirigat von Bertrand de Billy empfand ich als deutlich subtiler als das von Axel Kober. Zu Merbeth, Grimsley und Rose habe ich schon etwas geschrieben. Christa Mayer kann sich mit Okka van der Damerau nicht messen, Tomislav Muzek hatten wir in München auch. Daß mir der in der Bayreuth-Übertragung am besten gefallen hat, sagt schon etwas über den Rest aus....
      Grimsley mag ein interessantes Stimmmaterial haben, gemacht hat er allerdings nicht viel damit. Mich hat vor allem das Tremolo gestört.
      Fazit: München auf der absoluten Haben-Seite. Auch, was die Inszenierung betrifft, die ich im Premieren-Jahr gesehen habe.
    • tannhaeuser2 schrieb:

      Sind Bayreuh und München in einem Wettkampf gegeneinander?
      Wie Sie sehen, ja :D :

      Markus schrieb:

      Nein, München hat traditionell die besseren Wagneraufführungen.
      Ich würde eher sagen, mal hat München die Nase vorn, mal Bayreuth. Kommt halt auf die konkrete Produktion an.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • tannhaeuser2 schrieb:

      Sind Bayreuh und München in einem Wettkampf gegeneinander?
      Nein, natürlich nicht. Aber manchmal drängt sich ein Vergleich auf, wenn man kurz hintereinander das gleiche Werk in beiden Spielstätten erlebt.

      JLSorel schrieb:

      Ich würde eher sagen, mal hat München die Nase vorn, mal Bayreuth. Kommt halt auf die konkrete Produktion an.
      Das ist absolut richtig. Und es kommt natürlich auch darauf an, was man gegenüberstellt. Die musikalische Seite oder die szenische. Oder beides.
      Was den "Parsifal" betrifft, dürfte - zumindest szenisch - die Produktion in Bayreuth derzeit die Nase vorn haben.
    • elsa schrieb:

      den panreligiösen Hintergrund
      Was auch immer das sein mag.
      Ob mir der Münchner Parsifal mehr zusagt als der Bayreuther, werde ich heute am späteren Abend wissen. Wobei ich eigentlich davon ausgehe, dass musikalisch hier München die Nase vorn hat.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • elsa schrieb:

      Die tagespolitischen Motive sind weit hergeholt und vergröbern den panreligiösen Hintergrund sehr.
      Zum einen sind das keine "tagespolitischen Motive" (das wäre eine sehr optimistische Sichtweise!), und die sind keineswegs weit hergeholt, sondern das ist alles brandaktuell. Es gibt im Irak und andernorts immer noch Christen, die in Enklaven leben und verfolgt werden. Zum anderen existiert in der Laufenberg-Inszenierung dieser "panreligiöse Hintergrund" wenigstens.
      Bei Pierre Audi gibt es keines von beidem.
    • Bei Audi kommt dieser Aspekt, personifiziert in Kundry, sehr wohl vor, jedoch nicht mit dem Holzhammer, wie in Bayreuth.
      Audi stellt den religiosen Aspekt, wie oft verstanden: den christlichen Aspekt, stark in den Hintergrund zugunsten einer aus der Erfahrung und Schlußfolgerung der jeweils einzelnen Persönlichkeit erwachsenden Humanismus.
      Das ist intellektuell anstrengender als die Bilderwelt in Bayreuth, aber auch zeitloser und allgemein gültiger.
    • Das ist kein "Holzhammer", sondern - leider! - zutiefst realistisch. In der Richtung kommt bei Audi gar nichts.
      Was in Kundry personifiziert ist, hat Wagner thematisiert und nicht Audi. Von dem kommt absolut nichts Neues.
      Also, mit Verlaub: intellektuell gefordert wird man von der Inszenierung nicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • Audi hat zumindest das aufgenommen, was Wagner vorgegeben hat, Ich habe den Stream mit dem Klavierauszug verfolgt und gestaunt, wie genau die dort niedergelegten Anweisungen umgesetzt wurden.

      Bayreuth macht auf Nachrichtenmagazin, Stand Sommer 2015 (dass die dort aufetauchten Fragestellungen bis heute ungelöst sind steht auf eunem anderen Blatt). Das brauche ich bei einem so "allgemeingültigen" Bühnenwerk nicht.
    • Bayreuth macht leider keineswegs nur auf "Nachrichtenmagazin". Das geht bis weit in die Vergangenheit zurück. Bis zur Zeitenwende, und darum ist es eben nicht nur "tagespolitisch", sondern greift das Thema auf.

      elsa schrieb:

      Das brauche ich bei einem so "allgemeingültigen" Bühnenwerk nicht.
      Das könnte man dann natürlich bei vielen anderen Werken auch sagen.

      Aber das alles ist natürlich Ansichtssache. Ich respektiere selbstverständlich Ihre Meinung, sehe das aber doch entschieden anders.