Daniele Gatti

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    • Ein ausführlicher, langer Artikel erscheint in der heutigen SZ, Feuilleton, S.11 über Daniele Gatti unter dem Print-Titel:

      Glücksgriff und Skandalon
      Daniele Gatti wird Chefdirigent der römischen Oper. Allerdings war er nur deshalb verfügbar, weil er in eine "Me-Too" Affäre verstrickt ist

      von Reinhard J. Brembeck

      (Leider nicht komplett einsehbar, was sehr schade ist, denn der Artikel ist hochinteressant. Auch deshalb, weil Herr Brembeck eine spannende Sichtweise auf Giuseppe Verdi aufzeigt und in Gatti den idealen Verdi-Dirigenten sieht....Jedenfalls liest sich das Lob auf ihn geradezu wie eine Hymne.)

      "Am römischen Opernhaus hat er sich und seinen Stil wohl endgültig und überzeugend gefunden. Das zeigte sich jetzt hinreißend beim "Rigoletto", den er so magisch verzauberte, daß er noch vor allen Sängern bejubelt wurde."

      "Gatti ist ein begehrter Musiker, er hat gerade beim Bayerischen Rundfunk in München dirigiert, er soll mit den Berliner Philharmonikern den "Otello" von Verdi und in Bayreuth den nächsten "Ring des Nibelungen" machen. Die Verträge für alle diese Engagements waren schon geschlossen, bevor die Vorwürfe laut wurden. Gatti bestritt alles, schaltete seine Anwälte ein. Es dürfte für die Institutionen ein teurer Spaß werden, Gatti nun aufgrund dieser Beschuldigungen auszuladen. Sollten die Vorwürfe allerdings vor Gericht Bestand haben, dann wird es für kein Orchester der zivilisierten Welt mehr möglich sein, Gatti dirigieren zu lassen. Solange aber die Vorwürfe ungeklärt im Raum stehen, gilt für Gatti die Unschuldsvermutung."

      "So muß man sich auch entscheiden, ob man sich trotz der gegen Gatti erhobenen Vorwürfe seinen "Rigoletto" anhört. Das erfordert eine bewußte Entscheidung und kein Verdrängen. Es genügt nicht, Gattis grandiosen Umgang mit dieser Partitur hervorzuheben. Daß er Verdi von allem Dampfen und Dröhnen befreit, daß er liebevoll Nebenstimmen mit Leben beatmet, daß er immer ein feines Gespinst zwischen Orchester und Singsstimmen spinnt.
      Das ist umso erstaunlicher und umso begeisternder, weil es derzeit nur wenige große Dirigenten gibt, die Verdi überragend aufführen können. Die meisten interessieren sich nur für Richard Wagner, dessen sich dunkel windende Klangwelten so gut dem Zeitgeist entsprechen und deshalb sehr viel leichter zu realisiseren sind. Verdi aber bezieht klar Position, er formuliert kurz und apodiktisch. Er verdichtet Emotionen auf ein oft fast nicht mehr erträgliches Minimum und schleudert sie dann nach außen.
      Dieses Verfahren wirkt heute wie eine unzulässige Reduktion von Dasein, weil es ohne Wenn und Aber, weil es so unbedingt erfolgt. Gattis grandiose Kunst, die von ihm gefundene Manier, besteht darin, zwischen Verdi und dem Zeitgeist zu vermitteln. Er macht klar, wie raffiniert vielschichtig und reich an Details diese Partitur ist. Die realisiert er ausnehmend elegant, ohne überdeutlich zu werden, mit feinen Nuancen im Rhythmus, in der Lautstärke, in den Klangfarben. Zudem klingt das römische 2200-Plätze-Haus hinreißend weich und schön, und dieses Orchester, das nicht unbedingt als eines der besten der Welt gilt, spielt unter Gatti dann so, als wäre es doch eins.
      Kein Wunder, daß das Orchester Gatti als Chef wollte....."

      "Für Gatti und das Haus, das traditionell im Schatten der Mailänder Scala steht, ist das die reale Chance, der großen Konkurrentin im Norden endlich etwas entgegenzusetzen."

      sueddeutsche.de/kultur/roemisc…ti-1.4239970?reduced=true
    • susakit schrieb:

      Das wäre sehr unprofessionell!
      Das finde ich ganz und gar nicht, im Gegenteil Diese Auffassung wird ja auch gerne von den Verfechtern des "German Trash Theater" vertreten. Ich finde es dagegen professionell, wenn ein Künstler, Sänger oder Dirigent, egal, ein Projekt ablehnt, hinter dem er nicht steht. Davor habe ich hohen Respekt. Hinter dem aktuellen Zeitgeist hinterherzuhecheln ist keine Kunst.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • Ich schätze Robert Wilson als Regisseur durchaus, auch wegen seiner Ästhetik, die er bildhaft umsetzt. Ob er allerdings dem Furor des Otello und der Musik Verdis tatsächlich gerecht wird, muss sich erst noch zeigen; ich habe da meine Zweifel.
      Was wir nicht wissen ist die Planung der Festspiele: ich könnte mir gut vorstellen, dass Mehta die eigentlich erste Wahl war, aber wegen seiner längeren Krankheit umdisponiert wurde. Wer weiß schon, welches Geschacher hinter verschlossenen Türen veranstaltet wird.
    • parlando schrieb:

      Ob er allerdings dem Furor des Otello und der Musik Verdis tatsächlich gerecht wird, muss sich erst noch zeigen; ich habe da meine Zweifel.
      Ich bekam kürzlich Meldung aus 2. Hand (nein, nicht von der Theaterwissenschaftlerin, von der anderen :D ) aus Luxemburg über eine andere Verdi-Oper. Und die 2. Hand war der Meinung, kennte man das Werk nicht so gut, wüßte man nicht, um was es geht.
      Ich finde nur eine deutsche Kritik, die ist leider von Manuel Brug. Aber es sind ein paar aussagekräftige Photos dabei:

      klassiker.welt.de/2018/10/18/u…zis-und-nadezhda-pavlova/
    • ira schrieb:

      Diese Auffassung wird ja auch gerne von den Verfechtern des "German Trash Theater"
      Und natürlich haben Menschen, die ernsthaft "German Trash Theater" (oder "Eurotrash" u.a.) in den Mund nehmen, nichts als sachliche, fundierte, äußerst differenzierte Meinungen zu bieten.
      Garstig glatter
      glitschriger Glimmer!
      Wie gleit' ich aus!
      Mit Händen und Füßen
      nicht fasse noch halt' ich
      das schlecke Geschlüpfer!
      Feuchtes Naß
      füllt mir die Nase:
      verfluchtes Niesen!