Mit Eötvös "Berio-Erinnerung" in die neue Saison

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    • Mit Eötvös "Berio-Erinnerung" in die neue Saison

      Der Capell-Compositeur der Saison 2018/19 Peter Eötvös (Jahrgang 1944) stellte sich mit der Uraufführung der Orchesterbearbeitung „Per Luciano Berio“ im ersten Symphoniekonzert dem hiesigen Publikum vor.

      Bereits als Kind habe Eötvös die Komposition Berios „Erdenklavier“ häufig gespielt. Am Tage nach dem Ableben des Pioniers der elektronischen Musik am 27. Mai 2003 komponierte er als unmittelbare Reaktion auf die Todesnachricht sein „Erdenklavier-Himmelsklavier“, um vom Freund Abschied zu nehmen.

      2007 entstand aus dem gleichen Material eine transparente Klavier- Konzertfassung. Im Frühjahr 2018 entstand dann die Fassung für Orchester.

      Leider in Abwesenheit des Komponisten wurde diese interessante Fassung von der Staatskapelle unter dem Dirigat von Alan Gilbert uraufgeführt.

      Hatte Peter Eötvös in der Klavierfassung sein „Himmelsklavier“ gleichsam um das „Erdenklavier“ des Verstorbenen herum komponiert, dabei Berios festen Ambitus durch zusätzliche Oktaven erweitert und mit einer weiteren Stimme angereichert.

      Mit der Orchesterfassung erfolgt nun eine Ausdifferenzierung dieses Klangraumes.

      Die aufsteigenden Linien fächern sich immer weiter auf und münden in klangliche Verästelungen mit zunehmend aufgespaltener Linienführung.

      Mit Vibrafon, Oboen, Flöten sowie den ersten und zweiten Violinen entsteht eine neue Klanghülle. Die daraus resultierenden Schwingungen bilden die Basis für Interferenzen und Überlagerungen.

      Anschließend spielte dann Lisa Batiashvili mit der Staatskapelle das Violinkonzert Nr. 2 von Sergej Prokofjew zunächst das Allegro moderato und das Andante assai-Allegretto dezent-akzentuiert ohne ins süßliche-sentimentale abzugleiten.

      Das Finale Allegro ben marcato gestaltete sie dann doch technisch hervorragend zunehmend expressiver ohne die Durchsichtigkeit zu vernachlässigen.

      Das Zusammenspiel von Solistin und dem sauber geführten Orchester war eigentlich in Ordnung, aber es war letztlich mehr ein Nebeneinander und kein Wechsel von Inspirationen zwischen beiden.

      Eine schöne Darbietung, aber letztlich kein großer Wurf.

      Mit dem dritten Programmteil, dem Dirigat von Gustav Mahlers„erster Symphonie D-Dur Titan“ für ein erfahrenes Mahler-Publikum hatte man Alan Gilbert eine harte Aufgabe gegeben.

      Aber Gilbert kennt seinen Mahler und ist auch mit der Staatskapelle nicht zuletzt ob einer gemeinsamen China-Tournee bestens vertraut.

      Den ersten Satz ließ Gilbert zunächst unspektakulär, eben gemächlich angehen und gestaltet die Durchführung kontrastiert und durchsichtig, lässt dabei seine Zuhörer die volle Schönheit der Musik Gustav Mahlers genießen.

      Mit konzentriertem Hochdruck geht er dann den „kräftig bewegten“ zweiten Satz an. Führt dann aber etwas breiter und opulenter.

      Den Trauermarsch dirigiert Gilbert erstaunlich unspektakulär, betont das Grotesk-Ironische bis zum unvermittelt auftauchenden Stimmungswechsel der lyrischen volksliedhaften Passagen.

      Mit dem Beginn des Finalsatzes lässt Alan Gilbert das Geschehen regelrecht explodieren. Meine wohl etwas eingenickte Nachbarin schreckte hoch und verpasste mir einen ordentlichen Rippenstoß.

      Der Mittelteil des Satzes wurde dann recht gemächlich und fast etwas zu leise dargebracht, bis dann Gilbert die Musiker zu einem sehr raschen und extrem lauten Schlussspurt trieb.

      Und da oft die letzten Takte eines Konzertes über seinen Erfolg entscheiden, tobte das sonst eher zurückhaltende heimische Publikum.

      Mit dieser Vorstellung dürfte Alan Gilbert gut für die in der kommenden Woche beginnende Europa-Tournee der Staatskapelle gerüstet sein: Gleiche Interpreten und gleiches Programm.

      Ab Mitte September wird Gilbert dann mit dem Ensemble der Semperoper und recht hochrangigen Solisten die Premiere von „Moses und Aron“ vorbereiten.