Liederabende in Frankfurt

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    • Nun also, wie angedroht und bevor sie verjähren: meine Eindrücke zum Liederabend von Günther Groissböck...
      Bässe geben ja nicht eben oft Liederabende - schon deshalb war dieser Abend etwas Besonderes. Beim Programm hatte ich leise Zweifel (Brahms schätze ich zwar als Symphoniker, seine Lieder bisher eher weniger - 'Die schöne Magelone' mal ausgenommen; Schumann ist bei mir immer Frage der Tagesform), aber die russischen Lieder lockten dann doch und die wundervolle Bassstimme sowieso...
      Zuerst also 'Vier ernste Gesänge' – ein eher herbes Vergnügen, wobei eines der Lieder streckenweise wie die O-Übung aus dem kleinen Hey klang (ich bringe den Text aber leider nicht mehr zusammen). Ich hätte beinahe gekichert, aber zum Glück nur beinahe, so dass dieser todtraurige Liederzyklus mit gebührender Ergriffenheit gewürdigt wurde. Mein Eindruck mangelnder Textverständlichkeit erwies sich im Nachhinein als begründet – aber dazu später.
      Nächster Programmpunkt: Schumanns Liederkreis nach Gedichten von Joseph von Eichendorff – schwermütige Romantik, kongenial in Musik umgesetzt und interpretiert. Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben: 'Mondnacht' und 'Auf einer Burg'.
      Nach der Pause wurde es dann russisch: Lieder von Tschaikowskij und Rachmaninow standen auf dem Programm und gaben dem Sänger die Gelegenheit zur perfekten Entfaltung seiner samtschwarzen, machtvollen und doch so beweglichen Stimme. Gleich, ob in dem rasanten 'Ständchen des Don Juan' oder dem von mächtigem Emotionen geprägten Liedern 'Singe nicht, Schöne' oder auch 'Ich flehe: verlass mich nicht!' - Wohlklang pur.
      Ebenfalls hervorragend: Malcolm Martineau am Klavier – ein sensibler Begleiter mit feinem pointierten Spiel und kommentierender Mimik, wenn möglich, unauffällig unterstützend, wenn nötig – und das war es wohl leider tatsächlich, denn Günther Groissböck absolvierte diesen Liederabend bei nicht eben bester Gesundheit, wie er nach Ende des offiziellen Teils freimütig und in charmantem österreichischen Zungenschlag einräumte. Die Stimme selber war wenig in Mitleidenschaft gezogen, aber der Text klang zu Beginn des Abends etwas verwaschen, und ich glaube irgendwie auch nicht, dass ein Vollprofi normalerweise so auffällig-unauffällig mit im Flügel versteckten Spickzettelchen arbeitet...
      Eine Zugabe gab es trotzdem – und was für eine! In Vorgriff auf Bayreuth 2020 sang Groissböck Wotans Abschied – Waaahnsinn! Offenbar ist es ein Irrglaube, dass diese Partie eine Bariton-Rolle sei *g* Liebe Bayreuth-Reisende, ihr könnt euch auf etwas gefasst machen.
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Asteria schrieb:

      Offenbar ist es ein Irrglaube, dass diese Partie eine Bariton-Rolle sei *g*
      Das ist kein Irrglaube, sondern das hat nie jemand, der etwas davon versteht, behauptet.
      Wotan ist ausgewiesen als "hoher Baß".

      Asteria schrieb:

      Liebe Bayreuth-Reisende, ihr könnt euch auf etwas gefasst machen.
      Irgendjemand hat hier geschrieben, er höre den Wotan bei Groissböck nach seinem Gurnemanz nicht. Ich habe ihn sehr wohl gehört.
    • Asteria schrieb:

      Offenbar ist es ein Irrglaube, dass diese Partie eine Bariton-Rolle sei
      Dieser Irrglaube ist aber nun schon eine Weile abgeschafft, z.B. sind doch alleine in Bayreuth schon John Tomlinson oder gar - für die Älteren/Alten unter uns - Jerome Hines als Walküren-Wotan erfolgeich aufgetreten. Vom uralten Ludwig Weber (1899-1974) will ich gar nicht erst anfangen (zugegeben: In Bayreuth war der nicht Wotan, aber immerhin in London). Sicher gibt es noch einge Wotan-Bässe, die mir jetzt nicht einfallen. Und biite entschuldigen Sie mein besserwisserische Gequatsche, es ist nicht böse gemeint.
    • Augustin Moser schrieb:

      Sicher gibt es noch einge Wotan-Bässe, die mir jetzt nicht einfallen.
      Wotane älteren Datums wären da allen voran Hans Hotter. Dann George London, Thomas Stewart, James Morris, Robert Hale, Theo Adam, später René Pape, Bryn Terfel, Thomas J. Mayer.
      Die sind mir jetzt spontan eingefallen.

      Es gibt natürlich die Bezeichnung Baßbariton, da sind die Übergänge fließend. Für einen reinen Bariton liegt die Rolle definitiv zu tief.
    • ira schrieb:

      Augustin Moser schrieb:

      Sicher gibt es noch einge Wotan-Bässe, die mir jetzt nicht einfallen.
      Wotane älteren Datums wären da allen voran Hans Hotter. Dann George London, Thomas Stewart, James Morris, Robert Hale, Theo Adam, später René Pape, Bryn Terfel, Thomas J. Mayer.Die sind mir jetzt spontan eingefallen.

      Es gibt natürlich die Bezeichnung Baßbariton, da sind die Übergänge fließend. Für einen reinen Bariton liegt die Rolle definitiv zu tief.
      Ich weiß ja nun nicht... Sänger, die Partien wie Wolfram, Scarpia, Falstaff oder Eugen Onegin im Repertoire haben als Baß zu bezeichnen ist schon SEHR mutig...
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Es ging ja um "Wotan-Bässe" (s. Beitrag von Augustin Moser).
      Alle von den genannten Sängern haben definitiv nicht z.B. Onegin im Repertoire (diese Annahme wäre genauso mutig). Mir fiele da auf Anhieb keiner ein. Dafür haben, bzw. hatten manche von denen den König Philipp (und der ist weit weg vom Onegin) im Repertoire. Z.B. Robert Hale und René Pape.
    • ira schrieb:

      Alle von den genannten Sängern haben definitiv nicht z.B. Onegin im Repertoire (diese Annahme wäre genauso mutig). Mir fiele da auf Anhieb keiner ein.
      Thomas J. Mayer hat den Onegin im Repertoire, jedenfalls behauptet er es selbst, siehe hier: thomasjmayer.com/www.thomasjmayer.com/Repertoire.html


      Für Thomas Stewart gilt/galt das ebenso, siehe hier: naxos.com/person/Thomas_Stewart/85448.htm

      Und schließlich behauptet das Spielplan-Archiv der Wiener Staatsoper, daß George London den Onegin nicht weniger als 19 mal bei ihnen gesungen hat:

      archiv.wiener-staatsoper.at/se…on/1708/work/51/role/2116


      Aber "Stimmfächer" sind ein weites Feld - hören wir lieber auf, uns unsere Beispiele "um die Ohren zu hauen". Und nichts für Ungut!
    • ira schrieb:

      Alle von den genannten Sängern haben definitiv nicht z.B. Onegin im Repertoire (diese Annahme wäre genauso mutig). Mir fiele da auf Anhieb keiner ein
      Mir schon, sonst hätte ich den nicht aufgeführt:
      amazon.de/Eugen-Onegin-Sung-Ge…-9&keywords=onegin+london
      Wenn man sich Londons Repertoire ansieht: Scarpia, Amonasro, Boris Godunow, Wotan, Wolfram, Amfortas, Holländer, Hoffmann-Schurken (man denke nur an die Spiegelarie...), Don Giovanni, Graf Almaviva... Klassische Bariton-Sachen überwiegen, der Boris ist die einzige, die ich explizit als Baßrolle bezeichnen würde (Mozart ist ja diesbezüglich ein eigener Fall)
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Arminius ()

    • Den hatte ich zwar als sehr guten Don Giovanni gehört und auf dem Radar (den ja z.B. auch ein "hoher Baß" wie Ruggero Raimondi gesungen hat), aber nicht als Eugen Onegin (den z.B. ein recht hell timbrierter Bariton wie Wolfgang Brendel im Repertoire hatte).
      Wie schon gesagt, die Übergänge sind fließend. Ausschlaggebend ist der Stimmumfang eines Sängers.
    • Man könnte auch Terfel nehmen, der sowohl Wotan als auch Falstaff, Scarpia, Sweeney Todd und Boris im aktiven Repertoire hat, und Sir John ist zumindest bei Verdi ja nun weiß Gott auch keine Baßpartie (Questo é mio regno...)
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Reingold schrieb:

      Arminius schrieb:

      Einfach mal wieder reinhören...
      Danke. Eine tolle Stimme. Nur beim Onegin habe ich es nicht geschafft, länger reinzuhören: das melodische Russisch durch dies fürchterliche Deutsch zu ersetzen, bereitet mir Pein.
      Wäre Englisch für Sie erträglicher? Gibts auch...


      Russisch zu singen hatte er selten Gelegenheit, obwohl er die Sprache ebenfalls beherrschte, aber gottlob gibt es einen originalsprachigen Boris:
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)