La Forza del Destino

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • La Forza del Destino

      Komisch, dass es bisher noch keinen Bericht über die Forza gibt, die bereits in der letzten Spielzeit in der Inszenierung von Keith Warner Premiere hatte. Ich war am 31.08. in der Semperoper, um Elena Stikhina als Leonore zu hören. Stimmlich fand ich sie wie schon im Trovatore in Berlin herausragend, nur hätte ihr Vortrag insgesamt ein wenig charismatischer sein können. Gespannt war ich außerdem auf den hoch gelobten Bariton Alexey Markov. Er verfügt in der Tat über ein sehr edles Timbre und singt samtweich, allerdings wurde mir sein Vortrag im Laufe des Abends zu schnörkellos. Von Marcelo Puente hatte ich mir vor einiger Zeit verschiedene Arien auf YouTube angehört, die durchaus vielversprechend klangen. Auch wenn man bedenkt, dass der Alvaro nicht die dankbarste Verdi-Rolle ist, war seine Leistung schwach. Sein raues Timbre mit enger Höhe hat keine Jubelstürme hervorgerufen. Vitalij Kowaljow war in der Doppelrolle Marchese/ Padre auf der Habenseite, während Elena Maximowa eine schwache Preziosilla/ Curra gab. Sehr charismatisch und ungewohnt tenoral war der Fra Melitone von Pietro Spagnoli. Mark Wigglesworth wählte teilweise sehr schnelle Tempi. Er hat zwar viele Details rausgearbeitet, jedoch klang das stellenweise nach gebügeltem Verdi. Insgesamt war das kein verschenkter, aber auch kein berauschender Opernabend. Wer mag, kann sich morgen selbst überzeugen. Mehr Vorstellungen gibt es in dieser Saison nicht. Ich fahre lieber zu Blomstedt nach Leipzig.
    • Lieber Kapellmeister Storch,

      Kapellmeister Storch schrieb:

      Komisch, dass es bisher noch keinen Bericht über die Forza gibt
      Morgen besuche ich die "Forza" und berichte dann am Wochenende. War im Mai schon drin, hatte aber keine Zeit hier mein Erlebnis zu teilen. Aber Markov ist einer der Gründe, weshalb ich noch einmal drin bin. Und weil diese Inszenierung rundum gelungen ist - für meinen Geschmack wohlgemerkt! Das will ich nicht verallgemeinern, denn wir wissen, jeder hat andere Vorlieben, was eine Inszenierung betrifft. Also - man liest sich!
      Carpe Diem
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Ich bin gespannt, lieber Eduard19. Ich hätte gerne Gregory Kunde gehört... Viel Spaß heute.
      Vielen Dank, lieber Kapellmeister Storch. Ja, Kunde wäre gut gewesen, aber ich werde wohl mit Puente Vorlieb nehmen müssen. Im Mai war seine Stimme ja wie ein "Wackelpudding", ich hoffe sehr, daß es heute besser ist. Wobei Ihr Bericht nicht allzuviel Anlaß zu dieser Hoffnung gibt :D Also bis bald! Gleich geht es los...
      Carpe Diem
    • "La forza del Destino" in Dresden: Hier nun meine Eindrücke der gestrigen Vorstellung als auch der vom 14. Mai 2018, woraus sich interessante Vergleiche bei der Besetzung ergeben.
      Einer der sehr erfreulichen Aspekte zuerst: in Dresden wird ohne Mikroport gesungen, was man sehr deutlich wahrnimmt, wenn jemand nach hinten singt und die Stimme leiser wird. (Nicht wie bei Macbeth, wo Netrebko nach vorne einen langen Ton sang, sich komplett umdrehte und die Lautstärke noch immer die gleiche war.)
      Leonore: am 14. Mai gesungen von Emily Magee. Obwohl optischer eher vom Typ "sitzengebliebene" Tochter, wußte sie mit großen Ausbrüchen, wunderschönen Bögen und sehr berührenden Piani zu begeistern. Ihre Darstellung ließ keinen Wunsch offen, man litt mit ihr und sie brachte glaubhaft Liebe, Kummer, Schmerz und Verzweiflung herüber. (Ehrlich gesagt, war ich sogar erstaunt, denn in soo guter Erinnerung hatte ich sie nicht. Sie war immer solide, aber in der Qualität hatte ich sie noch nie erlebt.)
      Gestern nun Elena Stikhina. Die Sängerin ist 31 Jahre jung, sehr hübsch anzusehen und natürlich vom Typ her ideal. Aber: Ihre Stimme ist noch sehr leicht, hat wenig Spannung und vermag nicht, die Emotionen dieser liebenden Frau zu gestalten. Ihr "Son giunta! Grazie o dio" berührte nicht nur nicht, es war beinahe langweilig. In der Höhe ließ sich gelegentlich eine unangenehme Schärfe hören
      und leider blieb sie auch darstellerisch ohne Charisma. Im Gegenteil: leider floh sie allzu oft in die Geste der weit ausgebreiteten Arme, die sie dann auch recht lange beibehielt. Insgesamt konnte mich diese, sicher zu großen Hoffnungen berechtigende Sängerin, nicht überzeugen.
      Elena Maximova gab in beiden Vorstellungen die Preziosilla und Curra. Gibt die zweitgenannte Partie sowieso nicht viel her, kann man bei der Preziosilla einige Erwartungen haben. Und meine wurden nicht enttäuscht. Ich verstehe nicht, weshalb viele sie schwach fanden. Sicher ist sie keine neue Offenbarung, aber ihre Stimme gibt alles her, was Preziosilla haben muß, sowohl Höhe als auch Tiefe und auch "dreckige" Töne, wie sie einer Marketenderin anstehen. Und darstellerisch gefiel sie mir erneut, sie bewegt sich hervorragend und ihre Tanzeinlagen sind gekonnt.
      Marcelo Puente sang in beiden Vorstellungen Don Alvaro. Ja, was kann man über ihn sagen? Punte hat eine gute Technik, die Stimme sitzt gut, er bekommt die Höhe relativ mühelos, er spielt auch sehr engagiert, so daß man wirklich berührt ist von seinem Schicksal. Aber... sein Timbre. Sein Timbre, besser gesagt, sein Vibrato macht alles kaputt. Er klingt vor allem in der Höhe wie, Entschuldigung, ein Wackelpudding. Ich hatte gehofft, im Mai nur einen weniger guten Tag bei ihm erwischt zu haben. Aber leider war es nicht so. Und erstaunlicherweise bekam er, neben Stikhina, den meisten Beifall. Wenn man dieses Manko zu überhören in er Lage ist, was zugegebenermaßen schwerfällt, dann muß man ehrlich sagen, daß er es mit seiner Darstellung wett macht.

      Leonores Bruder, Don Carlo di Vargas, war Alexey Markov, den man getrost als einen Ausnahmesänger bezeichnen kann. Sein Bariton ist männlich, er sing kraftvoll und mühelos, die Töne strömen teilweise nur so dahin. Er beherrscht aber auch wunderbare Piani und seine Höhe ist makellos. Hier drängt sich geradezu der Vergleich mit Dmitri Hvorostovsky auf: Markov verfügt nicht über dessen dunkle Tiefe. Aber die edle Höhe, die Markov zu Gebote steht, die hatte Hvorostovsky nicht. Desweiteren gefiel mir auch seine Darstellung, er spielte etwas, was ich bisher so noch nicht sah: Während Alvaro immer wieder um Verzeihung bat, wurde Don Carlo unsicher in seinem Entschluß, ihn zu töten und hielt sich letztlich die Ohren zu um nicht schwankend zu werden. Ob das seine oder der Einfall des Regisseurs war... egal, es hat mir gefallen. Ich war wegen dieses Sängers in der "Forza" und wurde nicht enttäuscht. Und werde weiter über ihn berichten (Esacamillo, Onegin und Scarpia sind schon fest gebucht).

      Stephen Milling verlieh dem Pater Guardian im Mai eine Autorität, wie sie einen nur begeistern kann. Er ist groß, wenn er gemessenen Schrittes auftritt, kommt quasi die gesamte katholische Kirche auf die Bühne. Dazu eine wunderbare Baßstimme mit einer profunden, gewichtigen Tiefe und einer Ausstrahlung, die zumindest mich an Matti Salminen erinnerte. Für mich kann ich sagen: Soo möchte ich den Pater hören und sehen. Er sang auch den Marchese di Calatrava, sozusagen als Appetithäppchen für den kommenden "großen" Auftritt.

      Gestern sah und hörte ich Vitalij Kowaljow. Die Tiefe, die Milling hat, erreicht er nicht. Seine Stimmführung ist geprägt von einer sehr guten Technik, vom dem Singen großer Atembögen und sein Timbre gefällt. Die Autorität, die Milling anbietet, erreicht er leider nicht. Trotzdem war auch seine Darstellung berührend und voller Emotionen und auch innerer Zerrissenheit, als ihm die Entscheidung abverlangt wird, eine Frau in das Kloster aufzunehmen. Sein Marchese di Calatrava war ordentlich.

      Einen großartigen Melitone sang und spielte in beiden Vorstellungen Pietro Spagnoli. Er sang und agierte mit ungeheuer Spielfreude und gab dem Melitone viel Charisma. Ihm zuzusehen und zuzuhören machte Freude.

      Alle kleineren Partien waren ebenfalls sehr gut besetzt und zumindest in der Mai-Vorstellung gab es nicht einen einzigen "Punktabzug" bei der Besetzung.

      Kommen wir zum Dirigat. Mark Wigglesworth wählte machmal etwas schnelle Tempi und war stellenweise zu laut, so daß u.a. Stikhina am Ende ihres "Pace, Pace" vom Orchester zugedeckt wurde. Insgesamt brachte er aber den italienischen Klang gut herüber und was mir sehr gut gefiel: Endlich, endlich wurde einmal nicht nach jedem Duett und jeden Solovortrag geklatsch. Denn Wigglesworth ließ es nicht zu, er ging zügig weiter, was das Publikum nach einem kurzen Anstatz des Beifalls im 1. Akt dann auch verstanden hatte.

      Bleibt noch die Regie, die Keith Warner besorgte, bzw. die Inszenierung, über die ich noch einige Worte verlieren möchte. Wer Modernes in Businessanzügen und Neonlicht liebt, sollte nicht in diese Inszenierung gehen. Sie ist das, was ich eine "lukullische " Aufführung nennen würde. Hervorragende Bühnenbilder, die sich schnell verwandeln ließen und entsprechende Kostüme gaben einen wunderbaren Rahmen für die "Forza". Das 1.Bild des 3. Aktes, das Kriegslager, ist geprägt von Kämpfen mit bloßen Händen, von Duellen mit Degen und Schußwaffen, kurz gesagt, mit ganz viel Action. Was für eine großartige Choreographie! Das sah ich noch nie so gekonnt.

      Ein intelligenter Regieeinfall war der folgende: Bereits vor Beginn steht rechts seitlich an der Bühne eine Frau in weißem Gewand mit einem Baby im Arm. Auf der anderen Seite ein Indianer. Sie verkörpern die Eltern Alvaros, sie nehmen das Schicksal, was ihren Sohn erwartet voraus. Man weiß durch das Libretto, was mit ihnen geschehen ist, aber hier werden sie "sichtbar" gemacht und begleiten das Schicksal des Sohnes und seiner Geliebten durch das ganze Stück.

      Gefallen hat mir auch die Idee, daß Leonore allein vor einem weißen Sarg stirbt, Alvaro indessen eine Treppe hochsteigt und sich vom Balkon des Hauses, das vormals den Calatravas gehörte, in den Tod stürzt.
      Im Mai verließ ich die Aufführung beglückt, gestern zufrieden. Merkwürdigerweise überschlug sich der Beifall im Mai beinahe und es gab massive Bravorufe. Gestern war der Applaus gemäßigt, wurde nur stärker bei Puente und Stikhina.

      Gestern lief auch die letzte Vorstellung der Saison. Unverständlich da das Stück ja im Mai erst Premiere hatte. Für mich bleibt zu hoffen, das es 2019/2020 wieder aufgenommen wird. Ich kann diesen Abend nur ganz klar empfehlen.
      Bilder
      • Forza 1.jpg

        243,38 kB, 1.200×698, 65 mal angesehen
      • Forza.jpg

        293,37 kB, 1.200×708, 71 mal angesehen
      Carpe Diem

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Eduard19 ()

    • Lieber Eduard19, danke für diese ausgfeilte Beschreibung. Ich bin mir sicher, diese Inszenierung würde mir auch gefallen, da die Regie-Einfälle zum Stück passen und nicht an den Haaren herbeigezogen sind. Und danke für die Photos, ansprechendes Bühnenbild und Kostüme.

      Eduard19 schrieb:

      Gestern nun Elena Stikhina. Die Sängerin ist 31 Jahre jung, sehr hübsch anzusehen und natürlich vom Typ her ideal. Aber: Ihre Stimme ist noch sehr leicht,
      Elena Stikhina hatten wir in München im "Fliegenden Holländer" als Einspringerin für Adrianne Pieczonka. So leicht fand ich da ihre Stimme gar nicht.