Le Nozze di Figaro - Konzertant am 15.9.18 in der Elbphilharmonie

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    • Le Nozze di Figaro - Konzertant am 15.9.18 in der Elbphilharmonie

      Die Saison hat für mich schon mal sehr gut begonnen. :)
      Gestern gab es die Aufführung einer meiner Lieblingsopern mit den Wiener Philharmonikern. Einziger Nachteil – es handelte sich um eine geschlossene Vorstellung für die Teilnehmer einer Kreuzfahrt. Auf der Website gab es den Hinweis „Eventuell einige wenige Karten an der Abendkasse“. Vor mir an der Kasse standen 3 Paare. Schließlich kam ein Offizieller mit 2 (!) Karten, eine zu 60 €, die andere zu 135 €. Keins der Paare wollte die Karten, da sie unbedingt nebeneinander sitzen wollten. Also schnappte ich mir die Karte zu 60 €.
      Und es hat sich gelohnt! :thumbup:
      Die Wiener sind – nicht nur als Mozartorchester – eine Bank, und die Sänger waren durchweg hervorragend, nicht nur sängerisch, sondern auch von überragender Spielfreude. (Es war zwar konzertant, die Sänger sangen aber ohne Noten. Also, die Noten sangen sie schon :rolleyes: , hatten aber keine Notenblätter vor sich.) Die Spielfreude wurde einmal von Gerald Finley (Conte) doch etwas übertrieben, als er Andrea Carroll (Susanna) das Riechfläschchen überreichte. Ich konnte leider nicht erkennen, was er da übergab, jedenfalls sorgte es bei Frau Carroll für einen so intensiven Lachanfall, dass Adam Fischer (Dirigent) abklopfen musste.
      Am meisten begeistert hat mich die mir bisher unbekannte Andrea Carroll mit ihrem überschäumenden Temperament, ihrem warmen Timbre und der sicher geführten, sehr beweglichen Stimme. In der Rosenarie zeigte sie, dass sie auch innige Momente berührend gestalten kann. Und dass sie eine ausgesprochene Augenweide ist, hat ihr bei mir auch nicht geschadet. 8o
      Olga Bezsmertna (Contessa), die ich in Wien schon mal in der Rolle gehört hatte, fand erst nicht richtig in ihre Auftrittsarie „Porgi, amor, …“, steigerte sich dann aber. Ihre Arie „Dove sono …“ sowie das Duett mit Susanna waren einfach nur zum Niederknien, und als sie dem Grafen, ja, eigentlich uns Männern, wenn nicht sogar der ganzen Menschheit, Absolution erteilte, blieb bei mir mal wieder kein Auge trocken.
      Gerald Finley hatte ich noch nie gehört, und ich bin froh, dass das nun Geschichte ist. Ein kerniger Bassbariton, in jeder Lage gut anspringend und sicher geführt, dazu seine Spiellaune – ein einziges Vergnügen.
      In Bezug auf die Spiellaune wurde er noch übertroffen von Erwin Schrott (Figaro). Ihn hatte ich vor über 18 Jahren 3x als Colline gehört, habe daran aber keine Erinnerung mehr. Auch wenn ich „Se vuol ballare, …“ schon zorniger gehört habe (leider weiß ich nicht mehr, welcher Sänger es war, der dieses Lied fast im piano mit einer ungeheuer unterdrückten Wut gesungen hat) – ihm gebührt die Palme bei den Männern, was das Gesamtpaket an schauspielerischer und gesanglicher Darbietung betrifft.
      Die junge Svetlina(!) Stoyanova (verwandt oder verschwägert?) als Cherubino hat mich vor allem mit ihrer 2. Arie „Voi que sapete, …“ begeistert. Sie wartet mit einer kräftigen, aber durchaus auch differenzierten Stimmführung und frischem, runden Timbre auf.
      Auch die weiteren Mitwirkenden sangen auf hohem Niveau:
      Die für Zoryana Kushpler krankheitsbedingt eingesprungene Ulrike Helzel (Marzelline), mit leichten Problemen bei den tiefen Tönen Sorin Coliban (Don Bartolo), sowie Peter Jelosits (Don Curzio).
      Besonders erwähnen möchte ich einerseits Rafael Fingerlos (Antonio). Ein erfreulich junger, kräftiger, agiler Sänger. Bei der Einstellung dieses Gärtners hat die Gräfin bestimmt ein Wörtchen mitgeredet. Ich kenne es so, dass die Rolle mit einem „bewährten“ Ensemblesänger besetzt wird, dies war mal eine erfreuliche Ausnahme.
      Und andererseits die blutjunge Mariam Battistelli, die in der Rolle der Barbarina aufhorchen ließ, wie es so schön heißt. ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Reingold ()

    • Reingold schrieb:

      Gerald Finley hatte ich noch nie gehört, und ich bin froh, dass das nun Geschichte ist. Ein kerniger Bassbariton, in jeder Lage gut anspringend und sicher geführt, dazu seine Spiellaune – ein einziges Vergnügen.
      In Bezug auf die Spiellaune wurde er noch übertroffen von Erwin Schrott (Figaro).
      Dieses Duo ist wirklich Spitze. Interessanterweise waren die beiden bei uns ursprünglich mal andersrum angesagt und haben dann die Rollen getauscht.

      Reingold schrieb:

      Auch wenn ich „Se vuol ballare, …“ schon zorniger gehört habe
      Das muß eigentlich gar nicht zornig sein. Historisch betrachtet hätte allein schon die Wortwahl ("Signor contino") ausgereicht, um ihm Kerker einzubringen. Eine ungeheure Beleidigung seines Dienstherrn.

      Reingold schrieb:

      und als sie dem Grafen, ja, eigentlich uns Männern, wenn nicht sogar der ganzen Menschheit, Absolution erteilte, blieb bei mir mal wieder kein Auge trocken.
      Mir geht es schon vorher so. Bei "Contessa perdono". Wenn das entsprechend gesungen ist. Und das ist es bei Gerald Finley.
      Leider hat mir unser letzter Graf - Christian Gerhaher - in der Rolle überhaupt nicht gefallen. Mal sehen, wie sich Ludovic Tézier machen wird.
      "Le nozze di Figaro" ist einfach eine großartige Oper!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von ira ()