Die Staatskappelle hatte 470. Geburtstag

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    • Die Staatskappelle hatte 470. Geburtstag

      Mit ihrem Konzert zum 470. Jahrestag seiner Gründung am 22. September 1548 als kurfürstliche Hofkapelle hatte die Staatskapelle ihre Berührungsängste zum Konzertsaal-Umbau des Kulturpalastes aufgegeben und für diese traditionelle Veranstaltung den Semperbau verlassen.

      Auch ließ sich der Chefdirigent von Manfred Honeck vertreten, der ohnehin mit dem Orchester und dem identischen Programm am Vorabend in Prag gastiert hatte.

      Leider ist auch seit einigen Jahren die frühere Gepflogenheit aufgegeben worden, zu den Geburtstagskonzerten unter anderem auch nahezu vergessene Kompositionen ehemaliger Dirigenten und komponierender Musiker wieder einmal aufzuführen. Gern erinnern wir uns an die „Missa Nr. 1 d-Moll“ vom Blasewitzer Johann Gottlieb Naumann, die zu dessen 275. Geburtstag entdeckt worden war. Auch Werke von Hasse, Vivaldi und Adolf Busch sind in Erinnerung geblieben.

      Immerhin hat Johannes Brahms, dessen Symphonie Nr. 3 den zweiten Konzert-Teil bestritt,1886 das Orchester dirigiert und war Ehrenmitglied des orchestereigenen Tonkünstler-Vereins.

      Nach der obligatorischen launig vorgebrachte Ansprache des Direktors des Orchesters Jan Nast (einschließlich der Abwesenheitsentschuldigung des Chefs), spielten die Gewürdigten die „Rusalka-Fantasie“ mit vom Dirigenten ausgewählten und vom tschechischen Komponisten Tomáš Ille instrumentierten Segmenten der populären Dvořák-Oper.

      Die offenbar für das Prager Publikum des vorangegangenen Konzertes im Rudolfinum gedachte Bearbeitung, war für die Opernfreunde der Gesellschaft der Freunde des Orchesters eher Beiwerk.

      Antonin Dvořáks fünf „Biblické pisně“ op. 99, gesungen von der in Buenos Aires geborenen Slowenin Bernarda Fink, trafen da schon eher den Nerv der Zuhörer.

      Mit ihrem wundervoll lyrisch ausgeprägten und mit dem Konzertgesang gereiften Mezzosopran wusste sich die Interpretin gegenüber dem durchaus nicht zurückgehaltenen Orchester beeindruckend zu behaupten.

      Zumindest im mittleren Parkettbereich kamen die „Biblischen Lieder“ des Komponisten zu prachtvoller Wirkung.

      Aber erst mit der dritten, etwas schwierigen Symphonie F-Dur von Johannes Brahms offenbarte sich, wie der eigentlich in der Semperoper beheimatete Klangkörper im größeren Volumen des umgestalteten Konzertsaals anzuhören ist.

      Dank der ausgeprägten Reisetätigkeit haben die Musiker wenige Probleme, sich an die unterschiedlichsten Klangentfaltungen unbekannter Räume anzupassen. Wir hörten aber das Orchester so wunderbar, wie wir es kennen. Auch wenn der „Dresdner Klang“ doch, ob der anderen akustischen Verhältnisse, zumindest in der Parkettmitte (10. Reihe) klarer strukturiert zu erleben war. Zumindest waren die Instrumentengruppen ausgeprägter zuzuordnen und es erforderte auch etwas Konzentration, um einen geschlossenen Klangeindruck zu erhalten.

      Manfred Honeck gestaltete das Hauptmotiv des Allegro con brio zunächst kraftvoll, um dann das Melodische zu betonen.

      Die beiden Mittelsätze, die ohnehin nicht so recht zu den Ecksätzen passen wollen, behandelte er dann doch unterschiedlich. Während er das Andante breit und genussvoll ausgestaltete sezierte er das Poco Allegretto regelrecht; auch mit einer ordentlichen Portion Schwermut.

      Erst mit dem Allegro-Schlusssatz wird mit der Zusammenfassung der Themen eine, allerdings begrenzte, Kampfstimmung erzeugt.

      Diese eingeschränkte Wirkung hatte auch Manfred Honeck gespürt, so dass er es wohl für notwendig erachtet hatte, seine Zuhörer und Musiker mit einer Zugabe, Richard Wagners Vorspiel zum 3. Lohengrin –Aufzug, für den folgenden Empfang der Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle aufzumuntern.

      Vorher hatte aber die veranstaltende Gesellschaft noch für jede Musikerin und jeden Musiker eine rote Rose präsentiert.

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    • Und gleichzeitig spielte eine nicht ganz kleine Formation in der Semperoper. War so etwas bis 1992 (als die Orchesterkonzerte noch im Kulturpalast stattfanden) üblich oder war dieser Tanz in allen Dresdner Sälen was neues?

      In der Oper handelte es sich um die seit 2010 übliche Auftakt-Veranstaltung zur neuen Spielzeit. Die Theilersche Formulierung „hat schon viele Jahre nicht mehr in Dresden inszeniert“ sorgte für vernehmliches Gekicher, das als „Raunen im Saal“ kommentiert wurde: Applaus – danke, man werde ihm von dieser Reaktion erzählen.

      Auf Platée darf man sich wohl wirklich freuen, angesichts des Vorgeschmacks von N.N., die sich als Inga Kalna entpuppte. Die andere N.N. aus dem Spielzeitheft erwies sich als neuer Mezzo im Ensemble, einen durchaus vielversprechenden ersten Eindruck hinterlassend. Sehr schön dazu: stepankapucalkova.com/de/

      Das klang jedenfalls alles schonmal vorzeigbar.
    • Dr. Schoen schrieb:

      Und gleichzeitig spielte eine nicht ganz kleine Formation in der Semperoper. War so etwas bis 1992 (als die Orchesterkonzerte noch im Kulturpalast stattfanden) üblich oder war dieser Tanz in allen Dresdner Sälen was neues?
      Die Staatskapelle hat derzeit 164 Musiker-Mitglieder, so dass unproblematisch Konzert- und Opernbetrieb personell abgesichert werden kann.Weil gelegentlich Teile der Musiker auf Tournee oder in Salzburg weilen,ist diese Personaldecke notwendig.
      Auch spielen auch Gastmusiker anderer Orchester mit dem Klangkörper.
    • Wie gesagt: Hat es solches paralleles Spielen innerhalb von Dresden, auf Veranstaltungen in Semperoper und Kulturpalast, evtl. früher öfters gegeben, weiß das vielleicht jemand?

      Diese Besonderheit, auf Tournee gehen und mit gewissen Einschränkungen immer noch Oper in Dresden spielen zu können, soll ja auch etwas gewesen sein, womit Dorny nicht recht umgehen konnte. Und als Besonderheit schätzt man das erst so richtig, wenn man mal gesehen hat, wie in Berlin der Pferdekopf draußen hängt, wenn die dortige Staatskapelle auf Gastspielreisen ist. Wenn ich mich gerade recht entsinne, ging es bei einem Turn of the Screw mit den Gastmusikern bis hin zur Konzertmeisterin, statt einfach gleich „es spielt das Orchester der Komischen Oper“ auf den Zettel zu schreiben.