Wozzeck - Deutsche Oper Berlin

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    • Wozzeck - Deutsche Oper Berlin

      Eine sehr bescheidene Premiere, die den Verfall der Deutschen Oper gut belegt.
      Die Regie von Tandberg ein Totalausfall (jedes Wort über diesen langweiligen Blödsinn aus Norwegen ist zuviel, die Kritiken unten beschreiben das ganz treffend).
      Runnicles absolut unemotional und penibel clean, verschenkt viele "Stellen", kommt nicht in den erzählerischehn Duktus der Partitur, die Musik läuft bei ihm ab ohne zu ergreifen oder zu erschüttern. Das muss man erstmal hinbekommen.
      Ein ordentlicher, volltönender Johann Reuter als Wozzeck, freilich ohne große Persönlichkeit oder Abgründe. Ein durchschnittliches Ensemble mit Höhen (Seth Carico als Doktor) und Tiefen (Burkhard Ulrich als Hauptmann) und Elena Zhidkova als intionationsunsichere Marie, die nicht zu wissen scheint, was sie da singt (Bibelszene).
      Dem Premierenpublikum schiens irgendwie zu gefallen. Vielleicht ist das das schlimmste an diesem öden Abend, dass das Publikum sich das einfach so gefallen lässt. Vor 20 Jahren noch wäre da vieles in Grund und Boden gebuht worden, Zu Recht.

      ein paar Kritiken:
      klassiker.welt.de/2018/10/06/b…zzeck-ist-jetzt-norweger/
      morgenpost.de/kultur/article21…digung-erster-Klasse.html
      tagesspiegel.de/kultur/deutsch…den-schafft/23156156.html
      inforadio.de/programm/schema/s…tur/201810/06/275029.html

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Gundryggia ()

    • Ich denke mit Wehmut an die Zeiten der Deutschen Oper zurück, als Friedrich noch Intendant war, Sinopoli oder Thielemans im Graben standen und entsprechende Besetzungen zustande kamen, die wirklich zu den Besten zu zählen waren. Ich denke noch an Lorengar (zuletzt gehört in den Hugenotten mit Leech), Ligendza, Malfitano (Salome, Butterfly), Varady und Fidi, Hale (Ring, Faust), Bruson (Macbeth zuerst mit Stapp, dann mit Zampieri) und so fort. Wenn ich an die früheren Aufführungen von FroSch unter Thielemann denke verblasst alles, was ich danach zu hören bekam. Da kommt München weit nicht mit. Ich kann mich an keine schlechte Elektra in der alten Inszenierung erinnern, aber an die Beste mit Nilsson und Schlemm (mit Zwischenapplaus nach Szene Elektra mit ihrem Mütterchen wie auf dem Fußballplatz), nee da liegen Welten zwischen damals und heute.
    • Na gut, der Verfall trat aber doch schon nach Friedrich (bzw. in seinen letzten Jahren) ein. Was wir jetzt haben, ist aber immer noch besser als die Zeit unter der letzten Intendantin; da gab es Produktionen und Besetzungen zum Heulen!

      Immerhin spielt die DOB im Moment stabil Wagner (in guten Besetzungen!), hat in der letzten Saison sensationell den Korngold ausgegraben und bietet auch Repertoire auf hohem Niveau.

      Ich hätte viele Dinge an der DOB auszusetzen, aber daß mit der jetzigen Intendanz ein unvergleichlicher Verfall einsetzte, möchte ich nicht bestätigen.

      2006 gab es in der ganzen Saison eine Wagner-Aufführung! In diese Zeit fiel auch der Freischütz unter dem unverwüstlichen Palumbo (der es aber schaffte, den Freischütz zu verwüsten!), ein paar Jahre ein "Fidelio", den man in der Premiere fast abbrechen musste...
    • als externer Besucher ist eigentlich die Deutsche Oper mittlerweile fast interessanter als die Staatsoper Unter den Linden; werde auf jeden Fall noch einen längeren Berlin-Besuch über Ostern dieses Jahr einplanen, da ich mir natürlich den Parsifal (ich mag die Stölzl-Produktion) mit Groissböck und Jovanovich nicht entgehen lassen will.

      Tiefpunkt dürfte schon in den 00er-Jahren gewesen sein.
    • parlando schrieb:

      ch denke mit Wehmut an die Zeiten der Deutschen Oper zurück, als Friedrich noch Intendant war, Sinopoli oder Thielemans im Graben standen und entsprechende Besetzungen zustande kamen, die wirklich zu den Besten zu zählen waren. Ich denke noch an Lorengar (zuletzt gehört in den Hugenotten mit Leech), Ligendza, Malfitano (Salome, Butterfly), Varady und Fidi, Hale (Ring, Faust), Bruson (Macbeth
      Ich war zwar nicht sehr oft in der Deutschen Oper (später dann eher in "Unter den Linden"), aber ab und an doch. Der Götz Friedrich- "Ring" war grandios, und da haben Sie wirklich recht, da kam unser Lehnhoff-"Ring" nicht hin. Erwähnen möchte ich noch zu Robert Hale den "Fliegnden Holländer".

      parlando schrieb:

      Da kommt München weit nicht mit.
      Ich denke doch. Denn die von Ihnen erwähnten Sänger hatten wir natürlich auch. Julia Varady hat in München bestimmt nicht weniger gesungen als in Berlin. Bei Fischer-Dieskau kann ich es nicht sagen, was Oper betrifft. Jedenfalls hatte ich ihn oft in Liederabenden. Auch Caterina Ligendza habe ich sehr gemocht (leider ist sie ziemlich früh und plötzlich von der Bühne verschwunden). Z. B. sang sie eine wunderbare Elsa.
    • parlando schrieb:

      Ich denke mit Wehmut an die Zeiten der Deutschen Oper zurück, als Friedrich noch Intendant war, Sinopoli oder Thielemans im Graben standen und entsprechende Besetzungen zustande kamen, die wirklich zu den Besten zu zählen waren. Ich denke noch an Lorengar (zuletzt gehört in den Hugenotten mit Leech), Ligendza, Malfitano (Salome, Butterfly), Varady und Fidi, Hale (Ring, Faust), Bruson (Macbeth zuerst mit Stapp, dann mit Zampieri) und so fort. Wenn ich an die früheren Aufführungen von FroSch unter Thielemann denke verblasst alles, ...
      Thielemann und Sinopoli waren absolute Ausnahmekünsler. Die Dirigate von Lopez Cobos waren sicher nicht besser als die von Runnicles. Ich hätte zwar inzwischen gerne einen anderen GMD, aber das ist eine andere Sache. Nimmt man die Gastdirigenten dazu, gibt es heute eine Reihe sehr respektabler Dirigenten, während früher oft alles drunter und drüber ging.

      Ein Blick in die jährlichen Sängerlisten belegt, dass eine Reihe namhafter Sänger am Haus auftritt. Dazu treten viele Sänger auf, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen. Die Deutsche Oper gehört nicht selten zu den Häusern, wo diese Sänger zuerst zu Gast sind.

      Das Ensemble ist in den letzten Jahren zum Jackpot des Hauses geworden. Sicher war früher alles besser mit Heuer, Nikolic, Cioromilla & Co...

      Das Programm ist immer abwechslungsreich. Natürlich gefällt auch mir nicht jede Produktion und nicht jede Besetzung, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden. Und natürlich teile ich die Begeisterung über FroSch, Macbeth oder Elektro von früher.
    • Von meinen eigenen Beobachtungeen her würde ich auch sagen, daß Deutsche Oper und Komische als beste Opern der Stadt wetteifern, die Staatsoper nimmt doch recht eindeutig nur Platz 3 ein. Und so Krisenzeiten wie unter Siegfried Palm und Udo Zimmermann sind an der Bismarckstraße lange her... Natürlich könnte man sagen, daß Runnicles sich inzwischen etwas totgelaufen hat und ein Wechsel dem Haus möglicherweise nicht schaden würde, aber was ist das im Vergleich zu Barenboim, der wohl noch seinen vierten Wagnerzyklus machen möchte.
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)
    • Persönlich sehe ich die Komisch Oper deutlich vorne liegend. In der Deutschen Oper gab es gemessen an den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln und den aufgebotenen Künstlern einfach zu viele belanglose bis ärgerliche Produktionen. Eine solche Fledermaus, wie zum Jahreswechsel angeboten, entspricht. nicht dem, was von einem Haus dieses Ranges erwartet werden kann. Einige Inszenierung der letzten Jahre sind nach kurzer Zeit schnell vom Spielplan verschwunden. Oft verliere ich nach den ersten Kritiken das Interesse (wie auch am Wozzeck). Die Meyerbeer- Produktionen sind sicher sehr interessant, als Produktion aus meiner Sicht doch eher problematisch, vor allem gemessen am Aufwand und Ergebnis. Die Heliane war sichrer ein Glücksfall, doch wirklich Spannendes findet in der Behrensstraße statt. Da gab es zumindest für mich in den letzten Jahren keine Inszenierung über die ich mich geärgert hätte, oft war ich skeptisch und bin gut gelaunt nach Hause. Da stört es in keiner Weise, dass die ganz große Sängergarde nicht vertreten ist, und über das Orchester kann ich mich gerade im Hinblick auf dessen Flexibilität nur anerkennend äußern, die haben von der Moderne bis zum Barock alles in sehr guter Qualität drauf; und Operette muss man erst mal spielen können! Und der Zulauf gerade des jungen Publikums spricht doch für sich!
    • Arminius schrieb:

      im Vergleich zu Barenboim, der wohl noch seinen vierten Wagnerzyklus machen möchte.
      Der hier in Berlin eine "Größe" ist, aber auf internationalem Parkett nichts zu melden hat und den in den vergangenen Jahren auch niemand woanders haben wollte.

      parlando schrieb:

      Komisch Oper deutlich vorne liegend

      parlando schrieb:

      Und der Zulauf gerade des jungen Publikums spricht doch für sich!
      Das sehe ich ganz genauso. Auch wenn ich mir persönlich nicht alles anschaue, aber so wie es Kosky versteht, das junge Publikum reinzuholen, das ist doch beispielhaft.
      Die Staatsoper "schmort" im eigenen Saft: Flimm, Barenboim, Kupfer, Freyer, Domingo... das nenne ich ein "Edel-Seniorenheim". Es wäre an der Zeit, hier endlich einmal wirklich frischen Wind reinzubringen, allein mit einer Sanierung und dem idiotischen Anheben der Decke ist das noch nicht getan. Denn das geschah ja angeblich wegen der besseren Akustik. Die gibt es jetzt - aber über Mikroporte, die an hauchdünnen Drähten von der Decke hängen. Kaum sichtbar von unten, aber sehr gut zu erkennen aus dem dritten Rang.
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    • Das Problem liegt darin, dass sich die älteren Herrschaften wechselseitig vor dem Vergessenwerden schützen wollen und sich gegenseitig hochloben. Gerade in der Staatsoper liegt aus meiner Sicht ein Mehltau, der nur schwer zu beseitigen sein dürfte, und ich habe auch meine Zweifel, ob sich das in absehbarer Zeit merkbar ändert. Die Strategie mit der Deutschen Oper bezüglich des Repertoire in Konkurrenz zu treten hat vielleicht beiden geschadet und der Dritte kann lachen.
    • Mathias Schulz. Seit 1. April Intendant. Früherer Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Internationalen Stiftung Mozarteum (da war er der Chef meiner Tochter). Haben das die Berliner nicht mitgekriegt?
      Und der ist gerade mal 40. Der bringt frischen Wind in die Bude, das weiß ich von Salzburg.

      tagesspiegel.de/kultur/portrae…junge-milde/13886458.html

      Und daß Barenboim auf dem internationalen Parkett nichts zu melden hat? Barenboim?
      Und wenn Domingo mal in Berlin singt, ist das doch eher irrelevant. Da singen doch auch noch etliche andere Ältere.
    • ira schrieb:

      Mathias Schulz. Seit 1. April Intendant

      ira schrieb:

      Haben das die Berliner nicht mitgekriegt?
      Doch, doch, Nur leider ist er bisher als "Mitläufer" von Flimm nicht in Erscheinung getreten. Flimm hält ihn "klein", kann sich vom Amt nicht lösen. Es heißt dann immer "Einarbeitung". Aber warum sollte Martin Schulz eine "Einarbeitung" benötigen? Bisher ist der "frische Wind" leider nicht spürbar. siehe dazu auch Beitrag Nummer 13 von parlando.
    • Dass Schulz Intendant ist ist keine Neuigkeit, man hat bislang noch nichts davon bemerkt, und das ist das, was ich mit Mehltau umschreiben wollte. Sich mit seinen 40 Jahren gegen Persönlichkeiten durchzusetzen, die sehr, sehr viel Jahre älter sind als er, ist nicht einfach. Ich denke, dass er hauptsächlich für die Administration genutzt wird und klaube kaum, dass von den Residenten eine spürbare Änderung der Verhältnisse erwünscht wird. :thumbsup: