Festival Verdi - Parma e Busseto 2018

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    • Festival Verdi - Parma e Busseto 2018

      Den Wunsch, einmal das Teatro Regio di Parma zu besuchen, hegte ich schon lange. Als alter Kunde von Studiosus, mit denen ich 2015 auch in der Scala war, hatte ich die Hoffnung, dass sie eine Opernreise nach Parma anbieten würden. Bisher geschah das leider nicht. Dann las ich hier im Forum den Bericht von Kapellmeister Storch, der im Januar von seiner Reise ins Teatro Regio berichtete. Das war der Anlass für mich, einmal gründlich im Internet zu recherchieren. Die Recherche war erfolgreich, denn ich stieß auf ViadellArte (www.viadellarte.de ) , ein kleines, aber feines Reiseunternehmen in Bonn, das eine Reise zum Verdi-Festival anbot. Ich habe mich umgehend angemeldet. Auf meine Nachfrage, ob die Reise zustande kommen würde, sagte man mir, dass sich zu diesem Zeitpunkt erst 7 Personen angemeldet hätten, dass man aber zuversichtlich sei, dass es noch mehr würden. Und so war es dann auch. Die Nachfrage übertraf schließlich die maximal Teilnehmerzahl von 25 Personen.
      Über die Reise möchte ich berichten, da ich mir vorstellen könnte, dass der eine oder andere Verdi-Fan Lust bekommen könnte, im nächsten Jahr zum Festival ( http://www.festivalverdiparma.it/index.html ) zu fahren, sei es mit einem Unternehmen, sei es auf eigene Faust.
      Treffen mit unserem Reiseleiter, Herrn Dr. Poppen, dem Chef von ViadellArte war am Donnerstag, dem 11.10. am Flughafen Köln/Bonn. Flug nach Bologna, von da mit dem Bus nach Parma. Einchecken im Hotel, das sehr günstig gelegen war, da man nur circa 15 Minuten zu Fuß zum Teatro Regio benötigte. Nach Ruhepause, ein kurzer Gang in die Altstadt von Parma zur Orientierung und mit Ratschlägen, wo man gut speisen könne. Nach Rückkehr ins Hotel ging es am Abend in eine Osteria zu einem "Kennenlern-Abendesse". Hier stellte sich heraus, dass sich unter uns Rheinländern auch ein Paar aus der Schweiz befand.
      Für den folgenden Freitag war nur ein Vormittagsprogramm vorgesehen. Ilaria, eine junge Italienerin, die ausgezeichnet Deutsch sprach, stieß nun zu uns. Das traf ebenso auf Francesca zu, die uns Samstag und Sonntag führen sollte. Zunächst ging es zum Palazzo della Pilotta. Am Denkmal von Marie Luise von Habsburg, der zweiten Frau von Napoleon Bonaparte,
      ( pilotta.beniculturali.it/opera…cordia/?portfolioCats=146 )
      erhielten wir Einblicke in die Geschichte von Parma. Nach einem kurzen Blick auf die "Türkische Sklavin" von Parmigianino ( pilotta.beniculturali.it/il-co…e/la-rocchetta/#iLightbox[1694a0481287163572b]/4 ) , sahen wir uns im Teatro Farnese um, einem Holztheater, das in einen Turniersaal des Palazzo della Pilotta eingebaut worden war, und in dem erstmals 1628 ein Stück zur Musik von Monteverdi aufgeführt wurde. ( pilotta.beniculturali.it/il-co…numentale/teatro-farnese/ ). Am Sonntag endete unser Programm dort mit der Oper Le Trouvère. Nach Besichtigung des Doms, dessen Kuppel von Correggio ausgemalt wurde, ging es ins Baptisterium. Für mich der architektonische Höhepunkt der Reise. Danach wurden wir in die Freizeit entlassen, mit dem Hinweis, dass während der Festspiele stets um 13.00 Uhr aus einem Fenster des Teatro Regio eine Arie dargeboten würde. Dem Hinweis bin ich gerne gefolgt.
      Am Nachmittag habe ich, wie schon zu Hause geplant, das Geburtshaus von Arturo Toscanini
      ( tripadvisor.it/Attraction_Revi…Parma_Emilia_Romagna.html ) besucht, was ich unbedingt empfehlen möchte. Da es bei meiner Ankunft noch geschlossen war, habe ich nur wenige Schritte davon entfernt zufällig das "La corale Verdi" ( tripadvisor.it/Restaurant_Revi…Parma_Emilia_Romagna.html ) entdeckt und konnte weder dem Namen, noch den angebotenen Tagliatelle mit schwarzem Trüffel widerstehen. Als letzte Aktivität für diesen Tag unternahm ich einen Besuch im museo dell’opera. Den Besuch hatte man mir im Geburtshaus von Toscanini empfohlen. ( lacasadellamusica.it/joomlacdm…ask=view&id=22&Itemid=183 ) In diesem Museum wird ausschließlich die Entwicklung der Oper in Parma behandelt. Beide Museen verlangen keinen Eintritt.
      Am Samstag näherten wir uns dem eigentlichen Zweck der Reise. Samstag war Verdi-Tag. Mit Bus, Herrn Dr. Poppen und Francesca ging es zunächst nach Roncole Verdi. ( http://www.ciaoemilia.com/de/1860-roncole-verdi.html ) Verdis Geburtshaus haben wir nicht besichtigt, wohl aber die benachbarte Kirche mit der Orgel, auf der Verdi spielte.
      Nächste Station war die Villa Pallavicino in Busseto, in der das Museo Nazionale Giuseppe Verdi seinen Sitz hat. ( https://www.museogiuseppeverdi.it/de/villa-pallavicino-2/ ) Neben den Bildern wichtiger Personen aus Verdis Leben findet man hier zu allen Verdi-Opern Kulissen und Kostüme. Dabei müssen sich allerdings einige Opern einen Raum teilen. Fortwährend erklingt hier Verdis Musik, sodass man länger verweilen will. Sehr nahe kamen wir dann Verdi in seinem wenige Kilometer von Busseto entfernten Landgut Sant’Agata. ( http://www.villaverdi.org/ ) Unbedingt besuchen! Eidrucksvoll der Klavierauszug des Lohengrins mit Verdis Randbemerkungen (https://www.goethe.de/de/kul/mus/20566606.html ) , die Würdigung von Wagner nach dessen Tod durch Verdi ( »Triste, triste, triste! Vagner è morto!« schrieb Giuseppe Verdi am 14. Februar an Giulio Ricordi: »Als ich gestern die Nachricht las, war ich wie verstört. Kein Wort mehr! - Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der in der Geschichte eine machtvolle Spur hinterläßt.« Er korrigierte hinauf: » ...una potentissima impronta!« ), und schließlich das Bett aus dem Hotel Milano, in dem Verdi starb.
      Das Landhaus ist umgeben von einem wundervollen Park, den Verdi zusammen mit seiner zweiten Frau Giuseppina anlegte. Zurück in Busseto ( tripadvisor.de/Attractions-g13…Parma_Emilia_Romagna.html ) gab es einen kurzen Rungang mit Blick auf das Teatro Verdi, die Casa Barezzi (das Haus seines Förderers und späteren Schwiegervaters)und den Palazzo Orlandi ( https://it.wikipedia.org/wiki/Palazzo_Orlandi ) , den er mit der Strepponi bewohnte, bevor er nach Sant’Agata übersiedelte. Nach kurzer Stärkung in einem Café, Rückfahrt nach Parma.
      Gegen 16.30 Uhr standen wir dann in der Nachmittagssonne vor dem Teatro Regio und warteten auf Einlass. In der Menge warteten auch einige Kinder und ein an seiner Krawatte erkennbares Mitglied des Clubs der 27. ( http://clubdei27.com/it/i-soci/ ) Francesca hatte uns am Vormittag ein wenig von den Loggionisti, also Besuchern, die den Opern vom Loggione ( Galerie ) aus beiwohnen, erzählt. So soll es früher üblich gewesen sein, auf dem Loggione zu übernachten und auch zu kochen. Dass das Publikum in Parma sehr sachkundig sein soll, und dass man junge Künstler zunächst gerne nach Parma schickte, um sie dort zu testen, kann man auch bei Wikipedia nachlesen. ( https://en.wikipedia.org/wiki/Teatro_Regio_(Parma) )
      Dann ging es hinauf in den 4. Rang in eine Loge für sechs Personen, die recht zentral gelegen war. Da die Logen zum Teil in Privatbesitz sind, fällt ihre Bestuhlung unterschiedlich aus. In unserer Loge, die ich mit drei Damen aus unserer Reisegruppe teilte, standen an der Brüstung zwei Stühle und dahinter, vor den Wänden, jeweils eine Bank für zwei Personen. Auf einer dieser Bänke nahm ich Platz. Da hinter mir niemand saß, konnte ich mich so weit vorbeugen, dass ich zwischen den beiden Damen in der ersten Reihe hindurch einen ganz guten Blick auf die Bühne hatte. Einige Mitreisende hatten es nicht so gut angetroffen, sodass Herr Dr. Poppen im kommenden Jahr für bessere Karten sorgen will.
      Pünktlich um 17.00 Uhr begann die Ouvertüre von Attila, Verdis 9. Oper, die am 17. März 1846 im Teatro La Fenice mit großem Erfolg uraufgeführt wurde, was nicht nur an der hinreißenden Musik, sonder auch am Text gelegen hat. Singt doch der römische Feldherr Ezio im Prolog an Attila gewandt:
      Avrai tu l’universo
      Resti l’Italia a me. Also:
      Du magst das Universum haben,
      Doch überlasse mir Italien.
      Bis zur Proklamation von Viktor Emanuel zum König von Italien dauerte es dann noch genau 15 Jahre.
      Nun die Hauptakteure: Es spielte die Filamonica Arturo Toscanini unter der Leitung
      von Gianluigi Gelmetti. Es sangen der Coro del Teatro Regio di Parma, und
      Attila Riccardo Zanellato
      Odabella Maria José Siri
      Ezio Vladimir Stoyanov
      Foresto Francesco Demuro
      Leone Paolo Battaglia
      Regie führte Andrea de Rosa, der die Gräuel des Krieges und die Macht des Papstes besonders betonte. Eine Inszenierung mit "historischen" Gewändern, die nicht sonderlich von der Musik ablenkte. Und musiziert wurde gut bis sehr gut. Die Akustik war phantastisch.Chor und Orchester hatten Verdi im Blut. Für mich waren Siri und besonders Zanellato sehr gut, die übrigen Sänger gut. Das Publikum war äußerst diszipliniert. Kein Husten, kein Reinklatschen. Viel Applaus, ein von einer weiblichen Stimme gerufenes "bis", dem aber nicht gefolgt wurde. Auf Wolke sieben ging es zurück ins Hotel.

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    • Fortsetzung:
      Das Programm für Sonntag war weniger anstrengend, da viel und lange gesessen wurde. Um 9.00 Uhr fuhren wir in der üblichen Besetzung ins circa 50 km entfernte Cremona, kleiner als Parma aber, wenn man von den Palazzi oder dem Dom ausgeht, recht wohlhabend. Nach Besichtigung des Doms ( https://de.wikipedia.org/wiki/Dom_von_Cremona ) mit seinem weithin sichtbaren Glockenturm, und einem Gang um den Dom herum, was dringend zu empfehlen ist, da er unterschiedliche Fassaden besitzt, hatten wir eine Verabredung mit Monsieur Devanneaux, einem Franzosen aus Paris, der schon lange in Cremona lebt und uns einen Einblick in die Kunst des Geigenbaus gab. Dabei durfen wir auch Werkzeuge in die Hand nehmen und an diversen Tinkturen schnuppern. ( http://violini.net/sitemap.html )
      Nach ausführlicher Mittagspause mit tortelli di zucca, meiner letzten Empfehlung, ging es zurück nach Parma.
      Der Beginn von Le Trouvère ( internationale-giuseppe-verdi-…il-trovatore-le-trouvere- ) im Teatro Farnese war um 20.30 Uhr.
      Diesmal spielten und sangen das Orchestra e Choro del Teatro Communale di Bologna unter der Leitung von Roberto Abbado. Ferner:
      Manrique Giuseppe Gipali
      Le Comte de Luna Franco Vassallo
      Léonore Roberta Mantegna
      Azucena Nino Surguladze
      Regie führte Robert Wilson, den man mag oder nicht. Ich mag ihn sehr. In der von der FAZ herausgegeben Reihe "Die 20 wichtigsten Opernaufführungen" ist er mit der Inszenierung von Orphée et Eurydice vertreten. Der Freischütz aus dem Festspielhaus Baden Baden von 2009 befindet sich immer noch auf meiner Festplatte. Ich gebe aber auch zu, dass ich nicht den Versuch unternommen habe, das Geschehen auf der Bühne in einen Zusammenhang mit der Handlung, für die ich mich nicht besonders begeistern kann, zu bringen. Ich habe einfach die zum Teil poetisch anmutenden Bilder zusammen mit der herrlichen Musik genossen. Steigernd kam hinzu, dass diese einen wunderbaren Kontrast zur Umgebung aus dem 18. Jahrhundert bildeten. Auf die Musik wirkte sich diese Umgebung allerdings ein wenig einschränkend aus. Der Raum ist leicht hallig, und die Klimaanlage war leise zu vernehmen.
      Mit allen musikalischen Akteuren war ich sehr zufrieden, auch wenn ich mir bei der Azucena eine etwas tiefere Stimmfärbung gewünscht hätte. Dass es Il trovatore nur selten in französischer Fassung auf CD gibt, wundert mich hingegen nicht, da mir die Ballettmusik ein wenig nichtssagend erscheint. Dem Jockey-Club de Paris ( https://en.wikipedia.org/wiki/Jockey-Club_de_Paris ) hat sie vielleicht gefallen, aber die Herren hatten wohl auch nicht so sehr auf die Musik geachtet.

      Bilder der beiden Inszenierungen gibt es auf Facebook ( facebook.com/teatroregioparma/…868140296/?type=3&theater ) . Einfach auf die Azucena klicken, dann kann man durch die weiteren Bilder blättern ( Pfeile).

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    • Zwischenrufer2 schrieb:

      ... Dann las ich hier im Forum den Bericht von Kapellmeister Storch, der im Januar von seiner Reise ins Teatro Regio berichtete. Das war der Anlass für mich, einmal gründlich im Internet zu recherchieren.
      Das freut mich. Vielen Dank für den lebhaften Bericht. Falls Sie nicht auf das nächste Gruppenangebot warten wollen, dann kann man in Italien auch sehr gut und günstig mit dem Zug reisen. Easyjet hat das Angebot nach Italien auch deutlich erweitert. Es freut mich, dass Sie so begeistert von Parma sind. Das Toscanini-Haus war für mich auch ein großes Erlebnis.
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Es freut mich, dass Sie so begeistert von Parma sind.
      Vor 15 Jahren war ich schon einmal in Parma, habe Dom, Baptisterium und eine Ausstellung im Palazzo della Pilotta gesehen. Außerdem habe ich damals im Antiquariat Oliva ( parmamadein.com/oliva.html ), das sich in der Nähe des Doms befindet, eine Lithographie aus Silber von dem berühmten Bild Verdis mit Schal und Zylinder gekauft. Dieses Andenken schaut mich immer an, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze. Das Teatro Regio kam erst in diesem Monat hinzu, und meine Begeisterung gilt seitdem gleichermaßen für Stadt und Theater. :love:

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    • In Parma soll ja jene Geschichte gespielt haben, daß ein Tenor im Teatro weidlich ausgebuht wurde. Am anderen Tag kam er mit Koffer an den Bahnhof. Der Gepäckträger sah ihn an und fragte: "Sagen Sie, haben Sie nicht hier den Manrico gesungen?" "Ja, simmt". Worauf der Gepäckträger den Koffer abstellte, von dannen zug und nicht mehr gesehen wurde...
      "Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Franktion eigentlich sein kann" (A. Poggenburg, AfD, übr seine eigene Partei)