Lohengrin in Bonn

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    • Lohengrin in Bonn

      Eine der besten Lohengrin-Produktionen der vergangenen Jahre feierte am letzten Sonntag im Theater Bonn Premiere.
      Marco Arturo Morelli bringt dort einen bodenständigen, werkgetreuen Lohengrin ohne großen Regie-Schnickschnack auf die Bühne. Die Geschichte wird mit sehr viel liebe zum Detail und einer ausgezeichneten Personenführung erzählt. Nicht dieses "Herumstehen-Theater" wie so häufig - hier wird vom Protagonisten bis zum Statisten noch richtig "Theater gespielt". Unterhaltsam, schlüssig und schlichtweg gut gemacht.

      Mirko Roschkowski feiert ein überaus gelungenes Rollen-Debut als Schwanenritter. Da wird nicht gebrüllt, sondern die Stimme wird sehr fein akzentuiert und energiesparend eingesetzt. Die Gralserzählung ist wunderbar zart und ausdrucksvoll. Ich hatte Roschkowski vorher schon einmal als Erik in Hagen gesehen, sein Lohengrin in Bonn war eine Sternstunde! Da kommt endlich wieder ein Wagner-Tenor, der nicht die Wände wackeln lässt mit seiner Wucht, sondern wirklich fein und kultiviert daherkommt. Hörenswert!
      Unglaublich eindrucksvoll war Dshamilja Kaiser als Ortrud - diabolisch, kraftvoll, böse, mit einer kolossalen Bühnenpräsenz. Das könnte auch auf größeren Bühnen super funktionieren!
      Anna Princeva stand schon häufiger als Cover für Sonya Yoncheva und Anja Harteros parat - in Bonn ist sie eine wunderbar mädchenhafte, liebende Elsa. Wunderbar textverständlich und mit beeindruckendem Spiel. Ein Traumpaar zusammen mit Mirko Roschkowski!
      Der Bonner GMD Dirk Kaftan musiziert zupackend, an den leisen Stellen sehr lyrisch und erzählend, wenn es denn angebracht ist, lässt er es aber richtig krachen.
      Ich könnte noch viel erzählen - aber selbst anschauen ist vielleicht die beste Lösung. Ich war am Ende eigentlich fast mehr begeistert als im Sommer in Bayreuth. Klar, Thielemann ist musikalisch nicht zu schlagen, aber die szenische Umsetzung, die Schlüssigkeit der Regie und das wunderbar zusammengestellte Ensemble waren schon ein Opernerlebnis der allersten Klasse.
      Ungeteilte Begeisterung im Premieren-Publikum, kein einziger Buh-Ruf für die Regie und Sänger die vor Freude ihr Glück kaum fassen konnten.
      Das war mal wieder einer dieser Opernabende, für die man lebt.